"Wir sind wie ein Sauerteig"

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Die Mitglieder des Budn Naturschutz Landsberg legen oft auch selbst konkret Hand an und helfen etwa bei der Landschaftspflege.

Landkreis – Gelebter Umweltschutz – wie das geht zeigt der Bund Naturschutz in Deutschland seit 100 Jahren. Die Kreisgruppe Landsberg feiert heuer ihren 40. Geburtstag. Am 23. Juni blickt der BN im Landsberger Stadtheater auf seine Geschichte zurück und feiert das Jubiläum.

Ohne den Bund Naturschutz (BN) gäbe es im Landkreis Landsberg heute vielleicht eine Chemiefabrik und eine Müllverbrennungsanlage. Beide Projekte waren einst geplant, beide wurden unter anderem durch den Widerstand des BN zu Fall gebracht. Doch verstehe man sich keinesfalls nur als Protestler und Verhinderer, betont Kreisvorsitzender Folkhart Glaser. „Wir sind wie ein Sauerteig.“ Nehme der BN sich eines Themas an, beginne ein Gärprozess, der schließlich zu guten Ergebnissen führe. Heuer gärt der BN in Bayern seit 100, im Landkreis seit 40 Jahren.

Die Anfänge der Kreisgruppe entstanden 1973 aus den Protesten gegen den US-Pharmakonzern Eli Lilly, der zwischen Landsberg und Kaufering auf 50 Hektar ein gigantisches Chemiewerk errichten wollte. 4000 Menschen demonstrierten auf dem Hauptplatz gegen das Vorhaben, das durch die Seveso-Katastrophe drei Jahre später endgültig gestoppt wurde. Eine geplante Müllverbrennungsanlage südlich der Lechstadt – und damit ein befürchteter überregionaler Mülltourismus in den Landkreis – konnte 1980 nach langen Auseinandersetzungen ebenfalls gestoppt werden. 

„Politischen Schnellschüssen und kurzfristigem Kommerzdenken stehen wir sehr kritisch gegenüber“, bringt es Glaser auf den Punkt. Von den 40 Jahren der Kreisgruppe hat er 23 maßgeblich mitbestimmt – so lange sitzt er bereits im Vorstand, war mit Unterbrechungen 15 Jahre 1. Vorsitzender. 1400 Mitglieder in sechs Ortsgruppen hat der Bund Naturschutz im Landkreis Landsberg, in der Mehrzahl „gestandene Leute in der Mitte des Lebens“, so Glaser. 

Dabei richtet sich der BN ausdrücklich auch an junge Menschen und betreibt zu diesem Zweck gemeinsam mit den Kreisgruppen aus Starnberg, Fürstenfeldbruck und Weilheim das Jugend- und Naturbildungszentrum Wartaweil am Ammersee. Das Gebäude wurde den Naturschützern in den 50er Jahren von einer Generalswitwe hinterlassen – mit der Maßgabe, dass es für Jugend- und Bildungsarbeit verwendet werden solle. Inzwi­- schen ist hier ein gut ausgelastetes Seminarzentrum mit Übernachtungsmöglichkeiten entstanden.

Hochwasserschutz, die Energiewende, der gentechnikfreie Landkreis – an Themen, denen sich der BN widmet, herrscht kein Mangel. Aktuell kämpft er dafür, dass die Gemeinden ihre Grünflächen weniger mähen, und dafür, dass Garten- und Blumenerden ohne Torf angeboten werden. „Torf gehört ins Moor“, fordert Glaser. Durch den Torfabbau würden diese wichtigen Naturräume zerstört. Inzwischen habe man bereits erreicht, dass in jedem Baumarkt im Landkreis auch torffreie Erdprodukte angeboten würden.

Doch betreibt der BN nicht nur Lobby-, Öffentlichkeits- und Aufklärungsarbeit. Oft wird auch ganz konkret Hand angelegt – zum Beispiel bei der Landschaftspflege, bei Wiedervernässungs- und Renaturierungsprojekten. „Diese lokalen Aufgaben schweißen uns zusammen“, sagt Glaser.

Am 23. Juni begeht der Kreisverband im Stadttheater sein 40-jähriges Bestehen mit einer unkonventionellen und abwechslungsreichen Jubiläumsfeier.

Ulrike Osman

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