Vielleicht ein bisschen »zu gründlich«

BUND Naturschutz kritisiert Baumfällungen auf Staatsgut Achselschwang

Gefällte Weiden auf Gut Achselschwang
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Wo bisher Weiden standen, ist jetzt gähnende Leere: Der BUND Naturschutz kritisiert die angeblich massiven Abholzungen und Heckenschnitte auf Gut Achselschwang.
  • Susanne Greiner
    vonSusanne Greiner
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Landkreis – Achselschwang ist ein Staatsgut. Und man könnte meinen, dass der Staat es mit der umweltbewussten Landwirtschaft besonders ernst nimmt. Dass dem doch nicht ganz so ist wie gewünscht, bemerkte neben zahlreichen Landkreisbürgern auch die Kreisgruppe des BUND Naturschutzes. Denn nachdem mehrere Beschwerden bei der Kreisgruppe eingingen, machte sie sich mit ihrem stellvertretenden Vorsitzenden Peter Satzger vor Ort ein Bild. „Ich bin entsetzt, wie das Staatsgut diesen Winter Lebensraum für die Artenvielfalt zerstört hat“, resümierte Satzger nach dem Ortstermin.

Zerstört worden sei ein Feuchtbiotop sowie Waldränder auf mehr als 500 Meter Länge in Westernschondorf. Zudem seien auch Hecken an der Schweinach bei Achselschwang gerodet worden. Als „massive Umweltzerstörungen“ bezeichnete Satzger dieses Vorgehen – und das trotz dem Volksbegehren „Rettet die Bienen“ von 2019.

So hat die Senke auf Gut Achselschwang vor den Fällungen der Weiden und Erlen ausgesehen.

Einen Überblick über die Rodungen hat sich die Kreisgruppe laut Satzger auch mittels Luftbilder verschaffen können. So habe man festgestellt, dass die Waldränder bereits längere Zeit statt mit hecken mit Gras angesät worden seien. Die Schlehen seien verschwunden, in denen vorher beispielsweise der Sperlingsvogel Neuntöter gelebt habe. Nördlich von Achselschwang seien auf rund 700 Metern Länge entlang der Schweinach die Büsche und Bäume am Ufer komplett entfernt worden. Auch das Totholz wurde nicht für Insekten liegengelassen. Und auf einem feuchtbiotop nördlich von Westernschondorf habe das Staatsgut sämtliche Weiden gefällt (siehe Foto). Dabei seien einige der Bäume mit einer hydraulischen Baumschere abgeschnitten worden, die unsaubere Schnitte erzeuge, was wiederum Fäule begünstige und auch verhindere, dass die Bäume neu austreiben.

Gerade ein staatliches Versuchsgut wie Achselschwang solle die Artenvielfalt im Waldsaum fördern und Vorbild für andere Landwirtschaften sein, so Satzger. Der BUND fordere umgehend, „also noch 2021“, eine Wiederbepflanzung der Waldränder und des Uferbereichs mit Schlehen und anderen passenden Sträuchern oder Bäumen. Zudem müsse das Feuchtbiotop vergrößert werden. Und letztendlich könne man die Schweinach auch wieder stärker mäandrieren lassen.

Ein bisschen zu viel?

Man betreibe jedes Jahr Landschaftspflege, sagt der Leiter des Staatsgutes Georg Hammerl. Auf dem Gelände habe man über zehn Kilometer Hecke, die man regelmäßig zur Verjüngung zurückschneide. Ob das manchmal ein bisschen zu viel sei, liege „im Auge des Betrachters“.

Das angesprochene Feuchtbiotop samt gefällter Weiden sei kein kartiertes Biotop, betont Hammerl. In der Senke habe sich Wasser gesammelt, Weiden und Erlen seien gewachsen. Die Bäume habe man entfernt, da die Erlen einen Pilz und die Weiden Bruch gehabt hätten.

Dass die Maßnahmen vielleicht etwas zu massiv gewesen sind, räumt Hammerl aber ein: Es sei „vielleicht ein Fehler“ gewesen, alle Bäume auf einmal wegzuschneiden. Eventuell sei man am Ufer „zu gründlich“ gewesen, ebenso am Waldrand. Die (stachligen) Schlehen dort habe man entfernt, um besser ins Gelände zu kommen. „Wir haben nicht gerodet, um an dieser Stelle extensiv Landwirtschaft zu betreiben, sondern für die Erhaltung des Geländes“, betont Hammerl.

Nach der Meldung des BUND Naturschutzes beim Landrats­amt hatte schließlich auch die Untere Naturschutzbehörde einen Termin vor Ort. Deren Resümee stieß ins selbe Horn: „Die vom Bund Naturschutz gemachten Feststellungen treffen im Wesentlichen zu.“ Das Staatsguts sei aber „entschlossen und willens“, die Schäden zu kompensieren und für Ausgleich zu sorgen. Die Behörde werde dabei „unterstützen und beraten“. Man wolle gemeinsam ein Konzept erstellen, das, begleitet von der Behörde, vom Staatsgut zeitnah umgesetzt werde.

Weniger auf einmal

Welche Maßnahmen nötig sind, wird sich zeigen. Eine Forderung der Unteren Naturschutzbehörde ist, dass die Heckenarbeiten in kürzere Wegabschnitte eingeteilt werden – also nicht mehr 500 Meter am Stück, sondern jährlich abwechselnd in 50-Meter-Abschitten. In Bezug auf das ‚Biotop‘ ist sich Hammerl sicher, dass die Weiden wieder austreiben werden. Da müsse man nur einen Ast ins Wasser stecken. Auch bei den Schlehen vermute er, dass sie wieder wachsen. „Wenn nicht, dann pflanzen wir nach.“ Vielleicht könne man neben stacheligen Schlehen auch Holunder setzen. Allerdings könne der sich gegen die Schlehen wohl kaum durchsetzen.

Insgesamt werde man alles aber wieder in einen Zustand bringen, der auch die Naturschützer zufriedenstelle. Man wolle auf den BUND zugehen, gemeinsam mit ihm arbeiten und nicht „Erklärungen hin- und herschicken“.

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