Kreative Lösungen gesucht

Bund Naturschutz kritisiert Landsberger Flächenfraß

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Landsberg wächst zu schnell. Wohnungen, wie sie unter anderem am Wiesengrund entstehen sollen, werden allerdings dringend benötigt. Der Flächenfraß ist jedoch längst nicht nur dem Wohnungsbau anzulasten.

Landsberg – „Wir leben über unsere Verhältnisse“ – was in vielen Bereichen gelten mag, ist in diesem Fall das Fazit des Bund Naturschutz (BN), wenn es um den Flächenverbrauch in Landsberg geht. Will heißen: Die Stadt wächst zu stark und zu schnell.

Die BN-Kreisgruppe hat den Vorentwurf des neuen Flächennutzungsplans unter die Lupe genommen und im Rahmen der vorgezogenen Öffentlichkeitsbeteiligung eine ausführliche Stellungnahme verfasst. In einer Diskussionsveranstaltung im Waitzinger Bräustüberl stellte Peter Satzger, Vize-Vorsitzender der BN-Kreisgruppe, die Kritikpunkte vor. Demnach war der Flächenverbrauch in Landsberg bereits in der Zeit zwischen 1996 und 2016 doppelt so hoch wie im bayernweiten Durchschnitt.

Dies sollte in den Augen des BN bei künftigen Planungen ein Anstoß zum Flächensparen sein. Doch das Gegenteil ist der Fall. Für Wohnen, Gewerbe und Sonderflächen werden laut Berechnungen des BN bis zum Jahr 2035 knapp 200 Hektar Freiraum verloren gehen. Pro Jahr sind das von 2016 bis 2035 gut sechs Hektar, die bebaut werden. Damit überschreite die Stadt nicht nur die Flächenverbrauchs-Vorgaben des Bundes, sondern auch ihre eigenen. 3,9 Hektar im Jahr stehen laut Satzger als Ziel im Flächennutzungsplanentwurf.

Grünen-Stadtrat und OB-Kandidat Moritz Hartmann gab indes zu bedenken, dass die Stadt sich nicht völlig gegen Zuzug sperren könne. „Ohne neue Wohnflächen schrumpfen wir.“ Denn jeder Einzelne beanspruche mehr Wohnraum, und ohne die Zuwanderung junger Familien werde Landsberg viel früher vom demografischen Wandel erfasst. Der angestrebte Zuwachs von rund 350 Einwohnern im Jahr solle dafür sorgen, dass die Verteilung der Generationen in der Bevölkerung relativ gleich bleibe. Außerdem: Der Flächenfraß sei längst nicht nur der Wohnbebauung anzulasten.

Das sieht auch Satzger so. „Das Entscheidende sind die Sonderflächen für Gewerbe.“ Hier kann sich der BN kreative Lösungen vorstellen – Gewerbe mehrstöckig bauen, Parkplätze in den Untergrund verlegen und die Fläche stattdessen für Gewerbe und Geschosswohnungsbau nutzen, bestehende Flächen aktiv managen – und vor allem im Verbund mit Kaufering und Penzing das Areal des Fliegerhorsts nutzen. „Wir müssen es schaffen, dass die Gemeinden zusammenarbeiten“, schlussfolgert Satzger.

BN-Kreisvorsitzender Folkhart Glaser macht der Stadt den Vorwurf, ihren Haushalt über Bodenspekulation zu refinanzieren. Auch hier gäbe es in seinen Augen nachhaltige Alternativen, wie die kommunalen Kassen gefüllt werden könnten. „Die Gemeinde Fuchstal erwirtschaftet im Jahr 4,5 Millionen Euro mit regenerativen Energien.“ Vor allem geht es den BN-Aktiven in diesem Stadium darum, den Flächenfraß stärker in die öffentliche Diskussion zu bringen. Glaser hofft, „dass sich ein Sauerteig bildet, der gärt“.
Ulrike Osman

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