Eine Überdosis analogen Lebens

Bundesdrogenbeauftragte Ludwig zu Besuch in Dießen

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Angetan vom gepflegten Klinikgarten zeigte sich die Bundesdrogenbeauftragte Daniela Ludwig beim Besuch der Psychosomatischen Klinik in Dießen (Mitte). Rechts im Bild Chefarzt Prof. Dr. Bert te Wildt, links Klinikleiterin Inga Lettgen.

Dießen – Lob aus berufenem Munde: Daniela Ludwig (45), die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, bezeichnete die Psychosomatische Klinik Kloster Dießen als „Leuchtturmprojekt bei der Behandlung von Internet- und Computerspielsucht sowie Medienabhängigkeit“. Die Diplom-Juristin und CSU-Bundestagsabgeordnete aus Rosenheim besuchte die Spezialklinik neben dem Marienmünster, um sich ein detailliertes Bild zu machen vom therapeutischen Konzept, das die Patienten zurück ins analoge Leben führen soll.

Nachdem die Weltgesundheitsorganisation WHO 2018 Computerspielsucht offiziell als Erkrankung anerkannt hat, arbeitet man in Dießen unter anderem an einer neuen Kontrolle über die digitalen Medien und der Wiedererschließung analoger Spiel- und Lebensräume. Exzessives Zocken am Computer ist eine Sucht wie Alkohol oder Cannabis und fällt damit ins Fachgebiet von Daniela Ludwig.

Chefarzt Prof. Dr. Bert te Wildt und Klinikleiterin Inga Lettgen begrüßten die Politikerin statt Sekt mit Apfelsaft, von Patienten in den eigenen Obstwiesen selbst geerntet und gepreßt. Denn die Therapie erfolgt unter anderem naturgestützt im Rahmen des Klostergartens und Exkursionen in die vielfältige Ammersee-Landschaft inklusive Mutproben im Uttinger Hochseilgarten. Auch Tiere spielen eine wichtige Rolle, um das durch Computer- und Spielsucht abgestorbene Gefühlsleben der Patienten wieder zu wecken. Die tiergestützte Therapie war eines der Highlights beim Rundgang. Esel, eine Schafherde sowie klinikeigene Bienenvölker sorgten für Begeisterung bei der Bundesdrogenbeauftragten.

Daniela Ludwig betonte, dass die digitale Welt unser Leben erleichtern und bereichern solle. „Sie darf aber nicht Überhand gewinnen. Wer aus eigener Kraft den Weg zurück in die Realität nicht schafft, sollte professionelle Hilfe wie hier in der Klosterklinik Dießen annehmen“. Chefarzt Prof. Dr. Bert te Wildt lobte „die Überdosis schönsten anlogen Lebens“ hier am Ammersee. Darum gebe es neben den klassischen und leitliniengerechten psychotherapeutischen Behandlungen ein breites Spektrum an natur-, tier- und kulturgestützten Therapieverfahren und damit eine Rückbesinnung auf das Wesentliche. „Bei diesem ‚Digital Detox‘ gesunden nicht nur Internetsüchtige, sondern sogar Manager mit Burnout“, betonte te Wildt.

In persönlichen Gesprächen mit Patienten konnte die Drogenbeauftragte den Blickwinkel der Betroffenen kennenlernen und erfahren, wie klein der Schritt in den Teufelskreis von Medien- und Spielsucht ist. Beim Therapieansatz der Klinik gehe es um die Frage, wie die Rückkehr ins analoge Leben bei gleichzeitiger sinnvoller und gesunder Mediennutzung stattfinden könne, so der Chefarzt. Daniela Ludwig resümierte: „Die Dosis macht, dass es kein Gift ist, so eine alte medizinische Weisheit.“ Das gelte auch beim Konsum digitaler Medien. Wie lebenswert die analoge Welt ist, sei hier in Dießen mit den Händen greifbar. „Ein klarer Kontrast zu Bits und Bildschirm!“

Auf die Mediennutzung ihrer eigenen Kinder angesprochen, zeigte sich Daniela Ludwig konsequent. Ihre neunjährigen Zwillinge Anna und Constantin besitzen weder Handy noch Tablet, „können nicht mal mit der Fernbedienung unseres Fernsehers umgehen.“ Sie schließe sich damit der Meinung vieler Pädagogen an, dass man im Grundschulalter noch kein Smartphone brauche.

Daniela Ludwig verriet in diesem Zusammenhang, dass Angela Merkels Digital-Staatsministerin Dorothee Bär in Kürze eine Aufklärungskampagne für Eltern und Lehrer zum richtigen Umgang mit den neuen Medien startet.
Dieter Roettig

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