Nach Bundeswehr-Veto:

"Windkraft ist kein Thema mehr"

+
Robert Sing (Ingenieurbüro Sing) und Kauferings Bürgermeister Erich Püttner erklärten, woran die Bemühungen um Windräder im Westerholz vorerst gescheitert sind.

Kaufering – Diese Nachricht aus der Marktgemeinde kam am vergangenen Mittwoch überraschend: Das Aus der Windkraft in Kaufering sei besiegelt worden. „Schade, wir hatten uns schon auf das Thema eingeschossen“, bedauert Bürgermeister Erich Püttner (UBV). Im Pressegespräch klärten der Rathauschef und Robert Sing, Geschäftsführer des gleichnamigen Ingenieurbüros, über die Hintergründe des abrupten Projekt-Abbruchs auf: Ausschlaggebend war letztendlich ein Schreiben eines Bundesamtes, wonach der Betrieb der Wind­räder mit den Vorgaben für die Flugplätze in Penzing und Lechfeld kollidiere.

Überraschend kam diese Begründung auch insofern, da diese Eventualität schon zu Beginn der Planungsphase ausgeschlossen wurde. Zur Erinnerung: Ende 2015 hatten die Projektverantwortlichen den geplanten Windrad-Standort im Westerholz zwischen Scheuring und Kaufering inspiziert. In diesem Zuge wurde auch ein Militärgutachten in Auftrag gegeben, durch das sämtliche militärische Belange geprüft wurden, auch die Nähe zu den Flugplätzen in Lechfeld und Penzing. Das erfreuliche Ergebnis damals: Grünes Licht.

Im Frühjahr rückten schließlich Ornithologen an, sie untersuchten die Uhu-Popularität im Westerholz. Insgesamt wurde dem Gebiet bescheinigt, „artenschutzrechtlich unkritisch“ zu sein, wie Robert Sing erklärt. Sein Büro wurde nicht nur mit den Vorarbeiten beauftragt sondern hätte später auch die Windr­äder aufstellen sollen. Die Vorbereitungen seien zuletzt mit der Strukturkartierung erfolgreich abgeschlossen worden, so Sing.

Auch sogenannte Flächenpoolverträge, Pachtverträge mit Grundbesitzern im Westerholz, waren schon zahlreich unterschrieben. Etwa ein Drittel der 60 Besitzer hätte schon seine Zustimmung für die Wind­räder gegeben. Zu diesem Zeitpunkt durchaus befriedigend. „Alle bekommt man eh nicht unter“, meint Püttner.

Alles schien also angerichtet, bis vergangene Woche ein Gegenschlag das sofortige Aus bedeutete. Urheber dessen ist offenbar die Kehrtwende in Penzing: Für den dortigen Fliegerhorst behielt sich das Bundesverteidigungsministerium anders als zugesagt nun doch vor, diesen weiter militärisch zu nutzen (der KREISBOTE berichtete). Diesen Richtungswechsel nahm Robert Sing zum Anlass, sich beim Amt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr nochmal zu vergewissern: Bleibt´s bei der Zusage für die Windkraftanlage?

Die Antwort fiel aus Sicht der Projektbeteiligten ernüchternd aus: „Der Planung kann aufgrund der Lage im Zuständigkeitsbereich des Militärflugplatzes nicht zugestimmt werden“, heißt es vonseiten des Amtes. Ob mit dem betroffenen Flugplatz Lechfeld oder Penzing gemeint ist, bleibt im Schreiben ein Geheimnis.

„Bitter“, kommentiert Sing das Veto. Ein Schlupfloch, das dem Projekt wieder Leben einhaucht, ist nicht zu erwarten. Ein Protest gegen den Amtsbescheid hätte wohl keine Chance, vermutet der Chef des Landsberger Ingenieurbüros. Und ein anderer Standort im Kauferinger Gemeindegebiet komme für das Aufstellen von Windrädern ohnehin nicht infrage.

"Klarer Konsens"

„Windkraft ist für uns nun kein Thema mehr“, räumt Püttner ein, blickt aber hoffnungsvoll in die Zukunft: „Vielleicht klappt´s irgendwann mal.“ Was regenerative Energien betrifft, würden die Windräder nämlich „gut ins Kauferinger Portfolio passen“, meint der Bürgermeister. Und mit dieser Meinung sei er keinesfalls allein: Im Gemeinderat habe „ein klarer Konsens“ zur Windkraft geherrscht, den nur wenige nicht mitgetragen hätten. Schließlich sei der Grundgedanke ein positiver gewesen – man habe gemeinsames Interesse an einem Beitrag zur Energiewende gehabt und keine Gelddruckmaschine entwickeln wollen. Solange aber der Betrieb im Penzinger Fliegerhorst weiterläuft, müssen die Planungen für eine Windkraftanlage vorläufig ruhen.

Marco Tobisch

Auch interessant

Meistgelesen

Landsbergs Finanzen sind bald wieder "live"
Landsbergs Finanzen sind bald wieder "live"
Golf brettert Mercedesfahrer ins Bein
Golf brettert Mercedesfahrer ins Bein
Gabriele Uitz kandidiert als Bürgermeisterin
Gabriele Uitz kandidiert als Bürgermeisterin
634 neue Hirschvogel-Parkplätze
634 neue Hirschvogel-Parkplätze

Kommentare