Bunker wird Erinnerungsort

Das nördliche Ende des Bunkers „Weingut II“ im Dezember 1944 bevor der Kies entfernt wurde. Foto: Stadtarchiv

Die militärgeschichtliche Sammlung der Bundeswehr wird zur offiziellen Ausstellung, im Bunker der Welfenkaserne ein Ort der Erinnerung geschaffen. Anlässlich der Genehmigung der Sammlung „Erinnerungsort Weingut II“ durch das Luftwaffenamt gibt Standortältester Oberst Klaus Schuster am morgigen Donnerstag in der Untertageanlage einen Empfang.

Der Bunker in der Welfenkaserne ist der Einzige von sechs im Reichsgebiet geplanten gigantischen Bunkern, der noch erhalten ist. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wollten die Nationalsozialisten die riesigen Anlagen als unterirdische Flug­zeugfabriken nutzen. Beim Bau des Landsberger Bunkers mit dem Decknamen „Weingut II“ kamen tausende Menschen, meist jüdischen Glaubens, ums Leben – abgestellt von der SS aus den KZ-Lagern unter der Prämisse „Vernichtung durch Arbeit“. Klaus Schuster, Kommandeur des Waffensystemunterstützungszentrums der Welfenkaserne und Landsbergs Standortältester, ist es ein besonderes Anliegen, die Gedenkarbeit in der Untertageanlage zu sichern. „Ich möchte die Erinnerung an die Geschehnisse um den Bau der Bunkeranlage sowie an die vielen Opfer aufrecht erhalten.“ Der aktuelle Leiter der militärgeschichtlichen Sammlung, Oberstleutnant Gerhard Roletschek, betont, dass diese Ausstellung Teil des verantwortungsvollen Traditionsverständ­- nisses der Bundeswehr sei und außerdem einen wichtigen Beitrag zur öffentlichen Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus leiste. Der Bunker „Weingut II“ befindet sich im Schnittpunkt von menschenverachtender Ideologie und genialer Ingenieurskunst. Gleichzeitig ist er seit mehr als 40 Jahren der Dienstort von Soldaten und zivilen Mitarbeitern. So soll die „Militärgeschichtliche Sammlung Erinnerungsort Weingut II“ drei Aufgaben erfüllen: Sie erinnert an die schändliche Missachtung der Menschenrechte durch die Nationalsozialisten. Außerdem ist die Untertageanlage in der Denkmalliste des Freistaates Bayern aufgenommen und ist somit auch ein Industriedenkmal. Zuletzt ist die Ausstellung Teil der Traditionspflege der Bundeswehr, da der Bunker nach dem Krieg das Zuhause von verschiedenen Einheiten des Luftwaffenversorgungsregiments 3 war. Derzeit existiert eine dreigeteilte Ausstellung. Der erste verdeutlicht die Geschichte des Bunkerbaus und der umliegenden KZ-Außenlager. Ein weiterer Teil wurde von Schülern des Ignaz-Kögler-Gymnasiums unter der Leitung ihrer damaligen Lehrerin Barbara Fenner erstellt. Das Projekt trägt den Namen „Wir machen ein KZ sichtbar“ und ist eine Dauerleihgabe des Landsberger Gymnasiums. Ausbau der Ausstellung Weiterhin beinhaltet die Ausstellung noch die Geschichte des Luftwaffenversorgungsregiments 3, dokumentiert und bis heute fortgeführt von dessen Angehörigen. Ziel ist es, die derzeitigen Teilausstellungen zusammenzuführen und noch weiter auszubauen. Anhand von Schautafeln, Fotos, Texten, Dokumentationen und Exponaten soll die Sammlung dann chronologisch in fünf Themengruppen eingeteilt werden. Zunächst der Bunkerbau, dann das Kriegsende von 1945 bis 1959, als der Bunker von den US-Soldaten als Munitionsdepot genutzt wurde. Der dritte Teil reicht von 1959 bis 1963 und befasst sich mit der Übernahme durch die deutsche Luftwaffe und dem Innenausbau des Bunkers. Teil vier beschreibt die Geschichte des Luftwaffenversorgungsregiments 3 von 1964 bis 2002 und zuletzt wird die Geschichte der Welfenkaserne dargestellt. 800 Quadratmeter Ausstellungsfläche stehen in der Untertageanlage der Kaserne zur Verfügung. Künftig soll der „Erinnerungsort Weingut II“ für Soldaten und deren Angehörige, Schüler- sowie Besuchergruppen und im Besonderen für Überlebende des Holocaust und deren Familien zugänglich sein. Inzwischen ganz offiziell, denn der Chef des Luftwaffenamtes genehmigte den Erinnerungsort jüngst als Militärgeschichtliche Sammlung. Der Standortälteste Klaus Schuster stellte zufrieden fest: „Nun ist die Grundlage geschaffen, diese geschichtlichen Ereignisse angemessen darzustellen und schon bald einem größeren Publikum zugänglich zu machen“.

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