Wie ein bunter Blumenstrauß

Das Gläschen Schampus im Kreise der engsten Mitarbeiter und Vertrauten blieb aus. „Das Zehnjährige eines Oberbürgermeisters muss man nicht groß feiern“, gibt sich Ingo Lehmann (SPD) bescheiden. Eine Zwischenbilanz indes sei erlaubt, allemal wenn sie aus OB-Sicht so posi­tiv ausfällt. Den enormen Investitionen in die Entwicklung Landsbergs steht ein deutlicher Abbau der Schulden gegenüber. „Darauf bin ich besonders stolz.“

Noch heute blickt Lehmann mit etwas Unbehagen auf die ersten Phase seiner Amtszeit zu­rück: die finanzielle Lage der Lechstadt verschlechterte sich zu­sehends. Allein in 2003 und 2004 häufte sich ein riesiger Schuldenberg an, in nur zwei Jahren kletterte die Pro-Kopf-Be­lastung von rund 1000 auf 1451 Euro. Ohne Eigenbetriebe stand die Stadt mit fast 40 Millionen Euro in der Kreide – als Konsequenz der Entscheidung, die beiden aufgelassenen Kaser­nen im Stadtgebiet in Wohngebiete umzuwandeln. Dieser Prozess ist inzwischen fast ab­ge­schlossen und mit Genugtuung blickt Lehmann auf die Schuldenentwicklung. Fast linear gingen die Verbindlichkeiten seit 2004 zu­rück, Ende dieses Jahres werden es voraussichtlich nurmehr 20 Millionen Euro sein. „Wir reden da nicht von Peanuts“, so das Stadtober­haupt, „und bewegen uns heute auf dem Stand von 1995 und real, also die Inflation berücksichtigt, auf dem von 1990.“ Am Ende der aktuellen Amtszeit Lehmanns, also 2012, wird die Pro-Kopf-Verschuldung laut Finanzplan bei 542 Euro liegen. Woher die finanzielle Stabilität trotz der Vielzahl großer Herausforderungen? „Weil wir zwischen 2000 und ’03 massiv konsolidiert und diese Stadtrats­­ent- scheidung bis heute nicht ge­lockert haben“, so Lehmann. „Des­halb müssen wir jetzt, in schwierigen Zeiten, die Zügel nicht noch mehr anziehen.“ Ein Quäntchen Glück ist aber auch mit im Spiel. Das Glück, von einer hervorragenden Infra­struktur zu profitieren und mit den im Stadtgebiet angesiedelten Unternehmen nicht einseitig von der Automobilindustrie angewiesen zu sein. Und nicht zu vergessen, das glückliche Händchen des Stadtrates bei den Entscheidungen für die weitere wirtschaftliche Entwicklung Landsbergs: „Frauenwald, Edeka und InCenter“ nennt der OB exemplarisch. Ohnehin: Ins gleiche Horn wie der Städte­tag möchte Lehmann nicht blasen: „Wir brauchen nicht zu jammern!“ Jammern muss man nach Ansicht des OB auch in der Innenstadt nicht. Sie werde „immer schöner und immer belebter“. Das sei umso erfreulicher, da ihr Kritiker düstere Zeiten nach der Eröffnung des Fachmarktzentrums vorausgesagt hatten. Das Gegenteil scheint der Fall. „Seit der Eröffnung des InCenters haben wir die höchste Belegung der städtischen Tiefgaragen.“ Natürlich trägt dazu unter anderem auch der in den letzten Jahren forcierte Ausbau der Innenstadt seinen Teil bei. Peter-Dörfler-Weg mit dem Flößerplatz und der Langen Fahrt sei ein Paradebeispiel dafür. Viele weitere Projekte möchte Lehmann nennen, doch wo anfangen und wo aufhören? Alle seien wichtig, da möchte man eigentlich keine Schwerpunkte setzen. Viel lieber zeichnet der Oberbürgermeister das Bild des Blumenstraußes: „Jede Blume ist für das Gesamtbild gleich wichtig.“ Jedoch, bezogen auf die Stadt: „Alles zu seiner Zeit.“ Er sei kein Freund von Visionen und Leitbildern, gibt Lehmann im Gespräch mit dem KREISBOTEN vor, es komme ohnehin immer anders. Zu gegebener Zeit die richtige Entscheidung zu treffen, sei ihm viel wichtiger und zähle zu seinen Stärken. Ein bisschen Vision, eine Herausforderung darf’s wohl noch sein, Herr Oberbürgermeister! Auf den Bereich Bildung junger Menschen wolle er sich unter anderem in seiner verbleibenden Amtszeit noch konzentrieren. Dem Ausbau der Kin­der­ta­gesstätten will er sich kon­zen­trieren, den Elternwünschen an Grundschulen mehr entsprechen und die Hauptschulen auf ein gleichbleibendes Niveau sta­bilisieren. „Eine große Aufgabe“, so Lehmann, ebenso das Projekt StadtLeben und das Bündnis für Familie. Über all dem möchte der Fast-60er da­für sorgen, dass sich der Konflikt zwischen der zunehmenden Älterengeneration und den Kindern nicht aufschaukelt. Lehmann: „Ich möchte signali­sie­­ren: Wir wollen Kinder!“ Ein anderes Signal steht noch aus: Tritt Ingo Lehmann in zwei Jahren erneut zur OB-Wahl an? Dazu sagt er: „Ich habe mehr vor, als ich in den nächsten zwei Jahren erledigen kann.“ Und: „Die Vorstellung, in zwei Jahren in Ruhestand zu gehen, bereitet mir nicht nur Freude.“ Aber: „Die nächste Amtsperiode geht über acht Jahre bis 2020, weil dann die Wahl des Oberbürgermeisters zeitgleich mit der des Stadtrates erfolgen muss.“ Der Interpretationen gibt es aufgrund dieser Aussagen viele. Offiziell will Lehmann seine Entscheidung erst nächstes Jahr be­- kannt geben.

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