ÖPNV-Experte zieht die Reißleine

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Wie sich Stadtbusse (gelb und blau) sowie die ÖPNV-Linie durch das Nadelöhr Schlossergasse (unten) zwängen, zeigte Dietmar Winkler mit diesem Luftbild auf.

Landsberg – Ohne große Ankündigung hat Dietmar Winkler „Phase 0“ gestartet: Seit 21. Januar werden 160 Schüler des Ignaz-Kögler-Gymnasiums mittags nicht mehr am Hauptplatz von den Bussen aufgenommen, sondern am Bahnhof. Der Rest pilgert in die Epfenhauser Straße und steigt dort ein.

„Wir mussten die Reißleine ziehen“, sagte der Nahverkehrsexperte des Landratsamtes im Stadtrat. „Die Busse sind am Hauptplatz in Menschentrauben hineingefahren, es kam zu großen Verspätungen, die Verkehrssicherheit war nicht mehr gegeben.“ In der ersten Woche lief die neue Regelung – auch ohne zusätzlichen Lechsteg – problemlos, doch die Nagelprobe für den Busverkehr steht erst im Frühjahr bevor, denn dann folgt „Phase 1“. Winkler: „2012 hat es ja durch den Umbau schon gewisse Verwerfungen gegeben, 2013 wird aber noch spannender, da es dann keine Möglichkeit mehr gibt, über den Hauptplatz von West nach Ost zu kommen.“ Wenn der zweite Bauabschnitt läuft, sollen die Busse mit den Schülern voraussichtlich zwischen März und Juni morgens wieder im Hinteranger halten und mittags vom Vorderanger über die Schulgasse und im Gegenverkehr über den Holzmarkt und die um alle Parkplätze beraubte Schlossergasse auf die Neue Bergstraße fahren.

Keine Komplettsperre

Dass Winkler bei dieser Aussicht nicht ganz wohl ist, räumte er auf Nachfrage von Traudl Lüßmann (Grüne) offen ein. „Meine Idee wäre gewesen, die Schranke an der Einfahrt zur Schlossergasse für den motorisierten Individualverkehr zu schließen, dafür wurde sie ja einmal installiert. Was wir jetzt machen, ist ein Kompromiss, der in der Verwaltung erarbeitet wurde.“ Dem Busunternehmen Eisele wäre eine Sperrung ebenfalls lieber gewesen und auch Helmut Weber berichtete aus den Vorberatungen der CSU-Fraktion: „Mir ist immer noch nicht klar, warum man nicht auf die Autobahn ausweichen kann. Ich hätte nur die Busse durch die Schlossergasse durchfahren lassen; mit dieser Auffassung bin ich nicht durchge­- kommen." So wurde nun einstimmig die spektakuläre Lösung beschlossen, die Winkler und Landsbergs Tiefbauamtsleiter Hans Huttenloher vorstellten. Damit das umgesetzt werden kann, darf im Eckbereich im Vorder­anger und in der Schlossergasse nicht mehr geparkt werden. „Sobald da auch nur ein Auto steht, ist der Stadtbus der Leidtragende“, so Winkler. Außerdem muss das Café am Eingang zur Fußgängerzone Tische, Stühle und Pflanzkübel entfernen, am anderen Ende der Schulgasse werden zwei reguläre Parkplätze gesperrt. Bevor der Bus auf den Holzmarkt abbiegt, wird dort eine 30 Meter weiter oben aufgestellte Ampel für den Autoverkehr auf „Rot“ geschaltet, „weil die Schleppkurve für den Bus einfach zu groß ist“, so Huttenloher. Nach seiner Auskunft wird der Verkehr nur dort aufgehalten, die Präsentation Winklers zeigte allerdings eine weitere „Vorschaltampel“ vor dem Schmalz­- turm, weil die Busse dort das Gehwegkap umfahren müssen. Eine weitere Engstelle ergibt sich auf Höhe des Eingangs zum Stadttheater. Hans Huttenloher: „Wir werden dort Gegenverkehrsschilder aufstellen, der nach unten Fahrende muss halten.“ Da dieser Bereich außerdem für die Stadtbusse zu eng ist, wird auf dem Gehweg vor dem Theater eine Asphaltschicht aufgebracht. „Damit erreichen wir eine Breite von 5,30 Metern, das reicht im Begegnungsverkehr für einen Bus und einen Pkw, eventuell sogar für zwei Busse.“ Dieses Konzept sei mit den Rettungsdiensten so abgesprochen und von diesen abgesegnet worden. Die Schlossergasse sieht Dietmar Winkler trotzdem als „problematisch“ an. „Wir werden das Ganze deshalb auf das Nötigste beschränken, das sind fünf bis sechs Regionalbusse und der Stadtbus.“ Für Letzteren bereitet er sich sicherheitshalber auf weitere Unannehm­- lichkeiten vor. „Wir hatten 2012 schon Verspätungen von über 20 Minuten. Falls das noch mehr wird, müssen wir die Linien 1 und 2 entkoppeln.“

Am Bahnhof in den Bus

Ab Juni folgt voraussichtlich „Phase 2“, dann soll der Verkehr von West nach Ost wieder über den Hauptplatz rollen können. Doch auch wenn der Umbau beendet ist, werden die Schüler voraussichtlich nicht mehr in der Stadtmitte in ihre Busse einsteigen. Wie bereits jetzt sollen die Fahrzeuge ab 13:12 Uhr am Bahnhof stehen, „so dass die Schüler auf den Bus zulaufen und der nicht mehr auf die Schüler zufährt.“ Um 13:20 Uhr sollen die Busse abfahren, am Hauptplatz wird mittags nicht mehr gehalten – bisher funktioniert das; sollte sich die Zeit für den Fußweg für die Schüler als zu knapp erweisen, sei das aber „nicht zementiert“, so Winkler, der ange­- sichts des täglichen Verkehrschaos’ der vergangenen Monate anfügt: „Im Moment muss man einfach festhalten, dass die Busunternehmer gottfroh sind, dass sie pünktlich aus der Stadt wegkommen.“

Christoph Kruse

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