"Verkehr auf dem Gedankenstrich"

 HG. Butzko mit Humor und Fakten - eine perfekte Kombination

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Kabarettist H.G. Butzko kam auf Einladung des s‘Maximilianeum mit präzisen Formulierungskünsten und trockenstem Humor ins Landsberger Theaterfoyer.

Landsberg – Da steckt jemand die Fabulierkunst im Blut. Wenn Trump gemeinsam mit Ex-Kanzler Schröder den „Ehrenplatz in der Zäpfchenpackung von Vladimir Putin“ einnimmt, steht HG. Butzko auf der Bühne: der wortgewandte Westfale, der Kabarett als „Hirnprostitution“ – oder besser: als „Moralverkehr auf dem Gedankenstrich“ bezeichnet. Im Foyer des Landsberger Stadttheaters eiferte er vor vollem Haus gegen Handy und Social Media, Rassismus und Rechtspopulisten, Merkel und SPD. Mit Fakten, ganz im Sinne seines Programms: „echt jetzt“.

Gerade hat Andrea Nahles bekanntgeben, dass sie abtritt – da legt Butzko nach. Die SPD, die wolle immer so „modern“ sein. Dabei zeige das Wort, nur etwas anders betont, den momentanen Zustand weitaus besser. Damit ist die SPD erledigt. Auf zur AfD. Die „trägt den politischen Anstand zu Grabe“. Wenn sich einer als Patriot bezeichne, denke er da an die Trägerrakete? Obwohl die ja zumindest mit einem intelligenten Suchkopf ausgestattet sei. „Das kommt davon, wenn man an der Bildung spart“, lautet der nächste Hieb.

Um bei der AfD, der „Alternative gegen die Globalisierungsverlierer, die das Pech hatten, auf der falschen Seite des Mittelmeers geboren zu sein“ Verständnis zu wecken, helfe ein Perspektivenwechsel. Sagt Butzko und setzt zu einer seiner berühmten Herleitungen an: Wenn das Schießpulver aus China nicht nach Europa, sondern nach Afrika gelangt wäre. Wenn die Afrikaner Kolonien in Europa eingeheimst hätten. Wenn blutige Aufstände in Europa 2,5 Millionen Menschenleben gefordert hätten – und es allen in Afrika völlig egal gewesen wäre. Wenn Europa Güter für Afrika produziere, die sogenannte Entwicklungshilfe. Dann stelle man sich vor, man fliehe vor der Armut nach Afrika. Während Afrika Deutschland als sicheres Herkunftsland deklariere. Und die Einreise verweigere.

Ein weiteres Butzkoeskes Kritikobjekt ist der Themenkomplex Social Media/Internet/Handy. Butzko fängt lustig an, mit dem „Damals“ – „die Älteren werden sich erinnern“ –, als CD und Wasser an die Haut gehörte, App etwas in Heinz Schenks Bembel war, Cloud eine Aufforderung zum Stehlen und Hash-Tag ... nun ja.

Und, macht Digitalisierung die Welt besser? Nicht, wenn man der PISA-Studie glaubt, zitiert Butzko. Denn die hat der Computertechnologie in Schulen eher Schaden als Nutzen zugeschrieben. Aber zum Glück habe die Regierung ja gerade fünf Milliarden Euro für die Schulen-Digitalisierung bereitgestellt. Eine Maßnahme, die Butzko schaudern lässt: „Wer fürchtet sich da noch vor der Islamisierung?“

Denn es ist eine Welt, deren Konstrukte die Schöpfer selbst als „Monster“ bezeichnen, „Gott weiß, was das in den Gehirnen unserer Kinder anrichtet“, zitiert Butzko den Ex-Facebook-Präsidenten Sean Parker. Oder iPhone-Konstrukteur Tony Fadell: „Der kalte Schweiß bricht mir aus, wenn ich an Handys denke.“ Geräte, die Tristan Harris, Ex-Chefdesigner bei Google, „mobile Glücksspielautomaten“ nennt. Eine Welt der Digitalisierungskonzerne, die Jaron Lanier, Entwickler bei Microsoft, als „Imperien der Verhaltensmanipulation und Zeitvernichter“ bezeichnet. Die laut Chris Cox, Nummer zwei bei Facebook, „die Grundlagen der Gesellschaft zerreißen“.

All das sind keine Aussagen von Laien oder versponnen Aluhutträgern, bläut Butzko dem Publikum ein. Und all das sind keine Aussagen, die den Zuschauer schmunzeln lassen. Was manch einer vielleicht erwartet hat. Natürlich gibt es Lacher. Viele. Aber HG. Butzko macht mit seinem Programmtitel „echt jetzt“ ernst. Einfach mal Tacheles reden. Der Kabarettist als Bildungsbeauftragter? Ja, warum nicht. Im richtigen Maß sogar gerne. Erst recht, wenn er es so gut macht wie HG. Butzko.

Susanne Greiner

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