Raus aus der Hoffnungslosigkeit

Caritas: Offene Stabilisierungsgruppe für Menschen mit Traumata

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Ab dem 10. Januar 2020 startet wieder eine Stabilisierungsgruppe der Caritas.

Landsberg – Manchmal kommt man an einen Punkt, an dem man nicht mehr weiter weiß. Erinnerungen an ein traumatisches Ereignis kommen immer wieder hervor. Man weiß nicht, damit umzugehen. Im schlimmsten Fall sollen Suchtmittel helfen zu vergessen. Markus D. (Name von der Redaktion geändert) hat so etwas ähnliches auch schon durchgemacht. Hilfe fand er zunächst in einer offenen Stabilisierungsgruppe, die von dem Sozialpsychiatrischen Dienst und der Suchtberatung der Caritas angeboten wurde. Anfang nächsten Jahres soll das Angebot fortgesetzt werden.

D. ist 34 Jahre alt. Sein Trauma liegt in der Kindheit begründet. Doch sein Krankheitsbild ist etwas komplexer, wie er selbst sagt. So leide er auch unter Depressionen und einer Borderline-Störung. Hinzu komme noch ein Suchtverhalten. Alkohol und Tabletten. Seit 2016 bin ich trocken“, sagt D. nicht ohne Stolz.

D. hat schon verschiedene Therapien hinter sich. „Es ist peu à peu vorangegangen. Aber irgendwann stagnierte es.“ Der 34-Jährige lebt in einer Einrichtung für betreutes Wohnen. Eine Betreuerin habe ihn 2017 auf die Stabilisierungsgruppe aufmerksam gemacht. Es handelte sich damals um ein ganz neues Angebot der Caritas.

Man könnte meinen, dass man sich durchaus überwinden muss, um sich so einer Gruppe anzuschließen. Doch D. hatte damit keine großen Probleme. Seine bisherigen Therapieerfahrungen hätten dabei geholfen. Außerdem gelte für ihn: „Nutze, was dir angeboten wird.“

Margret Lang und Sebastian Müller leiten die Stabilisierungsgruppe der Caritas in Landsberg.

Ein wenig flaues Gefühl habe er beim ersten Treffen aber dann doch gehabt, wie der 34-Jährige zugibt. „Aber das ist relativ schnell verflogen.“ Die anderen Teilnehmer, sowohl Männer als auch Frauen, waren alle zwischen Anfang 20 Ende 50. Für D. hat es das einfacher gemacht. „Das fand ich sehr angenehm. Ich mag‘s bunt.“

Doch für wen genau ist die Stabilisierungsgruppe geeignet? Das erklärt deren Leiter Sebastian Müller. Der Sozialpädagoge arbeitet in der Suchtberatung der Caritas. Zudem hat er eine traumatherapeutische Zusatzausbildung. Er erklärt, dass die Gruppe sich an alle Menschen richtet, die durch Ereignisse in der Vergangenheit belastet sind. Die unter aufdrängenden, belastenden Gedanken, Gefühlen oder Bildern leiden. Und auch Menschen, die diese typischen Traumasymptome mit Suchtmitteln bekämpfen.

„Es ist nicht so einfach die Symptome in den Griff zu bekommen. Es erfordert ein konstantes Arbeiten an sich selbst“, erklärt Müller. Allerdings hätten manche zu viel Respekt oder gar Angst vor einer Einzeltherapie.

Kein Therapieersatz

Die Stabilisierungsgruppe soll die Therapie nicht ersetzen. Sie ist „ein erster Schritt“. Raus aus der „Hoffnungslosigkeit“. Die Teilnehmer erfahren in der Gruppe alles über Traumata, deren Folgen und die Entstehung von Abhängigkeiten. Zudem erarbeiten sie sich sogenannte Skills, um emotionale Krisen sowie Suchtmittelverlangen besser bewältigen zu können. Bei all dem wird über das eigentliche Trauma jedoch nicht gesprochen, wie Müller berichtet.

Neben Müller ist Margret Lang die zweite Leiterin der Gruppe. Die Psychologin arbeitet beim Sozialpsychiatrischen Dienst. Sie erklärt, dass es zunächst ein unverbindliches Vorgespräch gibt. „Die Teilnehmer solle wissen, worauf sie sich einlassen und ob es das richtige für sie ist.“ Mit dem Vorgespräch würden sie sich zu nichts verpflichten. „Es geht erstmal ums Kennenlernen.“

Weitere Termine

Insgesamt können 12 Menschen an der Gruppe teilnehmen. Los geht es im kommenden Jahr am 10. Januar. Im Anschluss folgen neun weitere Termine. Immer freitags, von 13.30 bis 15 Uhr. Wer Interesse hat, kann sich telefonisch unter 08191/21699 oder 08191/942916 für ein Vorgespräch anmelden. Die Teilnahme ist komplett kostenlos.

D. ist froh, Teil der Gruppe gewesen zu sein. „Es war eine sehr positive, offene Atmosphäre. Man hat sich gegenseitig geholfen“, resümiert er im Nachhinein. Zudem habe jeder so sein dürfen, wie er ist. Wenn jemand nichts sagen wollte, sei das in Ordnung gewesen. „Aber ich rede sehr gerne“, grinst der 34-Jährige.

„Die Gruppe war Teil meines Prozesses, meines Werdegangs. Sie hat mir gut getan.“ Mittlerweile hat D. einen Einzeltherapie Platz gefunden. 50 Kilometer entfernt. Aber er nimmt das in Kauf. Ganz nach seinem Motto: „Help yourself.“
Stephanie Novy

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