Reanimation in der Schule

Lernen mit der "MiniAnne"

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Schulleiter Michael Bauer (Mitte) und Andreas Lanzinger packen die erste „MiniAnne“ aus, die COS-Schüler Adrian Lanzinger gleich testen durfte.

Dießen – Sie ist die erste Schule in Bayern, die Reanimation im Unterricht lehrt: In der Dießener Carl-Orff-Schule lernen die Schüler der 7. Klassen am Mittwoch lebensrettende Maßnahmen. Zwei Stunden vertauschen sie ihre Klassenzimmer mit der kleinen Turnhalle. Ihr Lehrer heißt Professor Dr. Uwe Kreimeier. Der Oberarzt für Anästhesiologie am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München ist in der Forschung tätig und mehrfach ausgezeichnet. Zeitgleich wird auch ein „Defi“ (Defibrillator) in Betrieb genommen, und im nächsten Schritt werden sogenannte Schulsanitäter ausgebildet.

Die „MiniAnne“ ist nicht besonders hübsch, aber sie ist als Unterrichtsmittel von größtem Wert. Dank der aufblasbaren Puppe sind 50 COS-Schüler demnächst in der Lage, im Notfall lebensrettende Hilfe zu leisten mit Herzanimation oder Mund-zu-Mund-Beatmung. Die Initiative kam vom Andreas Lanzinger, der seit vier Jahren Vorsitzender des Elternbeirats ist und immer auf der Suche, den Schulalltag zu bereichern.

Lanzinger wurde in einem Spiegel-Beitrag auf den Appell des Kölner Notfallmediziners Bernd Böttiger aufmerksam, der Wiederbelebungsmaßnahmen flächendeckend in den Schulen einrichten möchte. Böttiger informiert, dass jährlich 70000 Menschen in Deutschland nach einem Kreislaufstillstand sterben, weil sie nicht rechtzeitig reanimiert werden. Davon könnten bis zu 10000 Leben gerettet werden, wüssten mehr Zeitgenossen, wie man an einem Bewusstlosen ohne Lebenszeichen eine Herzdruckmassage vornimmt.

In Dänemark, so hat sich Lanzinger informiert, seien Wiederbelebungsmaßnahmen schon seit 2005 Pflichtfach in den Grundschulen. Seitdem gelänge die Reanimation durch Laien in der Hälfte aller Fälle – zuvor habe es nur bei einem Fünftel funktioniert. In Deutschland würden weniger als 20 Prozent der Betroffenen gerettet, sagt Lanzinger. Würden Schüler ab dem zwölften Lebensjahr in Lebensrettung trainiert – zwei Schulstunden im Schuljahr wären ein guter Anfang – könnten sie Geschwistern und Eltern zeigen, wie es geht. Lanzinger: „Das ist wichtig, weil der plötzliche Herzstillstand die Leute meistens zu Hause ereilt.“

3x2 Stunden

Lanzingers Konzept sieht vor, mindestens dreimal im Jahr für zwei Stunden Notfall-Unterricht einzuführen. Dafür hat er die Schulleitung hinter sich, die Elternbeiräte und auch den Förderverein der Schule mit Vor- sitzendem Rechtsanwalt Florian Enzensberger. Elternbeirat und Förderverein haben auch die 50 MiniAnnes angeschafft, das sind hautfarbene aufblasbare Puppen, die für den Lernprozess wichtig sind.

Die Schüler dürfen ihre MiniAnnes behalten und mit nach Hause nehmen, damit sie den Familienmitglieder und Freunden zeigen, wie Reanimation funktioniert. Für Lanzinger ein praktikables Konzept mit Synergie-Effekt. „Wir sind jetzt dabei, für die nächsten Jahrgänge die MiniAnnes über Spenden und Aktionen zu finanzieren (eine MiniAnne kostet 33 Euro.)

Außerdem hat Andreas Lanzinger auch die Sparkasse im Boot, die einen Defi gestiftet hat, der in der Turnhalle installiert wird und das Rettungskonzept der Schule unterstützt. Ein Defibrillator, auch Schockgeber, ist ein medizinisches Gerät zur Defibrillation. Durch gezielte Stromstöße werden Herzrhythmusstörungen wie etwa Kammerflimmern oder -flattern beendet. Der Defi ist mit den Rettungsleitstellen verbunden, und er navigiert die Anwender bei der Hilfeleistung. Die Schule, informiert Lanzinger, verfüge über den gleichen Defi wie die Feuerwehr. Bürgermeister Herbert Kirsch wird das Gerät am Mittwoch seiner Bestimmung übergeben.

Zeichen setzen

Schulleiter Michael Bauer freut sich über diesen innovativen Schritt, den Elternbeiratsvorsitzender Andreas Lanzinger auf den Weg gebracht hat. „Das gesamte Paket bringt unsere Schule nach vorn. Wir setzen Zeichen für die Zukunft.“ Außerdem zeichne es die Carl-Orff-Schule aus, auch im Gesundheitsbereich Weichen für moderne Pädagogik zu stellen. Bauer kündigt noch den dritten Schritt an: die Schulsanitäter. Jugendliche werden in Erster Hilfe und Reanimation ausgebildet, um im Schulverbund im Notfall das Richtige zu tun. Wohl werde es eine Kooperation mit dem Bayerischen Roten Kreuz geben, „wie es im Detail gemacht wird, arbeiten wir noch aus.“

Beate Bentele

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