Dreimal Steinmeier:

Geschwister-Premiere bei "Jugend musiziert"

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Ein besonderes (Familien-)Ensemble: Anna Steinmeier (Geige, links) mit ihren Schwestern Carmen (Harfe, Mitte) und Esther (Cello).

Denklingen – Eine bravouröse Geschwister-Premiere haben Carmen, Anna und Esther Steinmeier beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ in Hamburg hingelegt. Die drei Mädchen aus Denklingen sind in der Kategorie „Besondere Besetzungen“ angetreten – als Trio mit Harfe, Geige und Violoncello. Für die drei Stücke, die sie vortrugen, sind sie mit einem 2. Preis bedacht worden. Zudem ist dafür beim Bundeswettbewerb der Sonderpreis der Sparkassen für das beste Familienensemble verliehen worden. Er ist mit 5000 Euro dotiert.

Eigentlich ist Esther mit elf Jahren noch zu jung, um am Wettbewerb der besten Nachwuchsmusiker Deutschlands mitzumachen. Allerdings zählt im Ensemble das Durchschnittsalter. Carmen ist 18 Jahre und war schon fünfmal beim Bundeswettbewerb; Anna ist 15 Jahre und ist heuer das dritte Mal dabei gewesen.

Drei Stücke aus verschiedenen Epochen galt es für das besondere Ensemble zu interpretieren beim Bundeswettbewerb, der nach dem Regionalentscheid in Garmisch-Parten- kirchen und dem Erfolg beim Landeswettbewerb gleichsam die Krönung darstellt. Die Steinmeier-Schwestern, die mit ihrer Mutter eine Woche lang in Hamburg weilten, interpretierten aus der Romantik eine Serenade von Paul Frommer, aus der Klassik eine Sonate von Jan Ladislaw und aus der Epoche des Impressionismus ein Trio von Jacques Ibert.

Die 18-jährige Carmen ist bereits ein alter Hase beim Bundeswettbewerb, der für sie ein Wiedersehen mit vielen anderen Talenten bedeutet. Fünfmal war sie schon dort. Heuer kamen dazu 2500 junge Talente nach Hamburg. Carmen stellte sich auch in der Solowertung im Fach Blockflöte der Jury. Da bekam sie 24 Punkte, also einen 1. Preis, zugesprochen. Letztes Jahr erreichte sie in der Kategorie Harfe solo sogar 25 Punkte – mehr geht nicht.

Anna Steinmeier (15) war heuer das dritte Mal beim Bundeswettbewerb. Sie erreichte im Solovortrag auf der Blockflöte 23 Punkte. Das entspricht einem guten 2. Preis. Im Gegensatz zum Regional- und Landesentscheid ist die Punktestaffelung beim Bundeswettbewerb anders. Denn im regionalen Bereich gibt es bei 23 Punkten immer noch einen ersten Preis, der zur Weiterleitung berechtigt.

Täglich drei Stunden

Ohne Fleiß kein Preis – das wissen die Schwestern aus dem Hause Steinmeier in Denklingen nur zu gut. Drei Stunden täglich übt Carmen an der Harfe mit ihren 47 Saiten bzw. auf der Blockflöte. Sie ist im Juni mit dem Abitur am Gymnasium St. Stephan in Augsburg fertig geworden. Schon seit dem letzten Jahr ist sie Jungstudentin an der Hochschule für Musik in München. Nun möchte sie Harfe weiter intensivieren, den Weg der Berufsmusikerin einschlagen. Ob sie mal im Orchester spielt oder als Musikpädagogin arbeitet? Da wolle sie auf jeden Fall flexibel bleiben, zumal es nicht so viele Stellen für Harfenistinnen gibt und zunehmend mehr junge Leute aus Asien in europäische Orchester drängen.

Anna Steinmeier geht in die achte Klasse des Gymnasiums St. Stephan, seit zwei Jahren ist sie Jungstudentin am Leopold-Mozart-Zentrum in Augsburg. Auch ihre kleinere Schwester Esther, die am Cello Privatunterricht in München bekommt, ist an der selben Schule, wo es einen musischen Zweig gibt.

Hoher Stellenwert

Musik hat im Hause Steinmeier einen hohen Stellenwert. Acht Kinder im Alter von 19 bis fünf Jahren sind es in der Familie von Eva und Michael Steinmeier. Bis auf die Jüngsten spielen alle ein oder mehrere Instrumente. Da kann man für Reparaturen, Noten und Fahrten das Geld vom Förderpreis gut gebrauchen…

Vieles, ja nahezu alles dreht sich in der Familie, die früher im Osten Münchens lebte und vor zwölf Jahren nach Denklingen zog, um die Musik. Ums Üben, um Proben, um Auftritte. Das will bei so vielen Kindern und talentierten Nachwuchsmusikern schon koordiniert sein. Aber Mama Steinmeier, die selbst Klavier spielt, nimmt den Aufwand gerne in Kauf. Mit Blick auf die vielen Wettbewerbe und auf eine mögliche musikalische Laufbahn der Kinder meint sie: „Wenn man erst mal in so einer Schiene drinnen steckt, kommt man da so schnell nicht mehr raus.“

Johannes Jais

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