Carola Gerhardinger ist für LandsAid in unterwegs

"Ich war einfach davon überzeugt"

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Carola Gerhardinger (rechts), als Krankenschwester, bei einem Einsatz 2010 auf Haiti in einem IDP Camp (Inernally Desplaced People Camp)

Kaufering – Etwa 737.443 Flüchtlinge sammeln sich in Jordanien, nur 20 Prozent davon leben in den für sie vorgesehenen Camps. Was brauchen diese Menschen? Seit Sonntag ist Carola Gerhardinger aus Kaufering für LandsAid dort, um genau diese Frage zu beantworten.

Die gebürtige Münchnerin trat ohne große Sorgen diese Reise am Sonntag an. Bereits 2009 lernte sie bei einem Truppenkurs LandsAid kennen. Bei weiterer Recherche stieß sie auf die Vorbereitungskurse der Organisa­tion und meldete sich zu einem davon an. Ursprünglich hat die heute 35-Jährige eine Ausbildung zur Krankenschwester und den Bachelor in Sozialer Arbeit absolviert. 2010 trat sie ehrenamtlich LandsAid bei. „Ich war einfach davon überzeugt“, erklärt Gerhardinger und war über die Transparenz der Projekte erstaunt. Eigentlich wollte sie sich die Hilfsorganisation „mal anschauen“.

Carola Gerhardinger: Projektmanagering bei LandsAid.

In ihrer Position als ehrenamtliches Mitglied von LandsAid war sie bisher als Krankenschwester viermal auf Haiti und einmal in Kenia. Auf zwei weiteren Reisen lehrte sie als Trainerin für erste Hilfe in Katastrophensituationen – in Pakistan und erneut in Kenia. Nepal besuchte sie als Koordinatorin von Schulungen in der Non-Food-Verteilung. Neben der akuten Katas­trophenhilfe und Errichtung von mobilen Kliniken, wie bei dem Erdbeben 2010 auf Haiti, engagiert sich LandsAid auch in Entwicklungsprojekten. In Jemen hat sich die Organisation um die Verteilung von Lebensmitteln gekümmert und sich in dortigen Schulen um funktionierende Toil­etten bemüht. In Kenia wurde eine Schulspeisung eingerichtet und in Uganda eine Schule errichtet. Im Kongo stand Gerhardinger ihrer Kollegin Ursula Neideck beratend zur Seite, als es um den Ausbau eines Krankenhauses ging. Auf Haiti war es der Umbau einer Krankenstation. Dabei kümmert sich LandsAid nicht einfach nur um den Bau, sie bleiben und schulen die Leute dort, damit diese die Geräte sachgemäß benutzen können. Es geht allerdings nicht nur um die Anwendung der technischen Geräte, in Sierra Leone beispielsweise haben sie den Menschen gezeigt, wie sie das Risiko einer Ebolaübertragung minimieren können, erzählt die 35-Jährige. Auch Cholera-Kits lässt die Organisation verteilen, dafür müssen sie nicht vor Ort sein.

Keine Zeit für Sorgen

Als sie als Krankenschwester unterwegs war, hat sich Gerhardinger noch nie um ihre Gesundheit gesorgt, „während der Arbeit hat man keine Zeit dafür. Wir fangen in der Früh an zu arbeiten und das bis acht oder neun Uhr abends. Der Tag ist lang, das würde man hier nicht erwarten.“ Nach der Arbeit hört diese auch noch nicht auf, um den Tag abzuschließend soll noch einen Bericht geschrieben werden, „dann fällt man einfach ins Bett und am nächsten Tag geht es wieder von vorn los.“

Bei ihrer letzten Reise war Gerhardinger zwei Jahre in Uganda und sechs Monate Praktikantin bei der UNHCR (The UN Refugee Agency), im zweiten Jahr kümmerte sie sich um Prostituierte und zeigte ihnen, wie sie Krankheitsübertragungen vermeiden können. Seit März vergangenen Jahres ist sie wieder in Deutschland und seit Oktober ist sie kein ehrenamtliches Mitglied mehr, sondern fest in der Organisation von LandsAid eingespannt. Während sie bisher von München gependelt war, ist sie nun dauerhaft nach Kaufering gezogen. Nebenbei hat sie noch den Master in Sozialer Arbeit begonnen.

„Von Sonntag bis Samstag sind wir in Jordanien“, erzählt Gerhardinger. Bei ihrer jetzigen Reise tritt sie als Projektmanagerin auf. Während sie am ersten Tag noch die Partner-Organisation kennengelernt haben, besuchen sie die vielen kleinen Lager. „Nur etwa 20 Prozent der Flüchtlinge leben in den zwei großen Lagern, alle übrigen verteilen sich an der syrischen Grenze. Dann sind hier zwei Zelte, dort steht eines und dann sind fünf in einer Runde aufgebaut“, erklärt sie die etwas schwierige Situation, „wir müssen schauen, was sie brauchen.“ Daher ist das Ziel dieser Assessment-Reise auch, herauszufinden, ob beispielsweise Essen, Zelte oder Medizin nötig ist. Daneben besucht sie auch eine irakische Flüchtlingsgemeinschaft in der Hauptstadt Jordaniens, Amman. Von den etwa 737.443 Flüchtlingen sind rund 655.624 aus Syrien, der Rest aus dem Irak.

„Es geht nun wirklich darum, was die größten Bedürfnisse sind und auch, wer denn die Zielgruppe ist“, wiederholt Gerhardinger. In enger Zusammenarbeit mit den lokalen Teams soll sich am Ende der Reise eine Idee entwickeln, wie den Menschen geholfen werden kann. „Danach werden Gelder beantragt, damit wir helfen können“, sagt sie. Bei Care-Paketen brauchen sie kein eigenes Personal vor Ort. Sollte medizinische Versorgung notwendig sein schon, die freiwilligen werden dann in Teams dorthin geschickt. Was gebraucht wird, lässt sich erst nach der Reise sagen, wenn Carola Gerhardinger am Samstag zurück ist.

Franziska Rothermel

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