Die neue Heimat des Projektraums

Koletzkos Kulturprojekt ist jetzt in der Alten Bergstraße

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Catherine Koletzko vor dem Projektraum in der Alten Bergstraße mit Künstler Gerhard Stachora.

Landsberg – Der Projektraum ist angekommen. Und zwar am richtigen Fleck. Nach dem Start im Hinteren Anger und einem einjährigen Zwischenaufenthalt im Klostereck ist Catherine Koletzkos Kulturprojekt jetzt in der Alten Bergstraße beheimatet. Und das ist gut so. Denn nicht nur passt die Bergstraße zum Projektraum. Auch der Projektraum passt in die Bergstraße – und zwar wortwörtlich: So sind die Werke der aktuellen Ausstellung zwar größtenteils im Haus mit der Nummer 404. Aber auch bei anderen Bergstraßenbewohnern sind Gerhard Stachoras Afrika-Arbeiten eingezogen.

Zur Eröffnung und gleichzeitigen Vernissage der Stachora-Ausstellung „Nahe Afrika“ ist der Projektraum rappelvoll. Und dennoch kommen Stachoras Arbeiten exzellent zur Geltung. Was sicher auch an der zurückhaltenden Einrichtung Koletzkos liegt, die dem, was im Raum ist, die Hauptrolle überlässt.

„Ich wurde in der Alten Bergstraße herzlichst willkommen geheißen“, strahlt die Architektin bei der Eröffnung. Ein Willkommen, das sie so bisher noch nicht kennengelernt habe. Dass der Projektraum überhaupt in den Bergstraßen-Räumen zu finden ist, in denen bis vor kurzem noch ein Schuhgeschäft das Schaufenster bestückte, ist fast schon schicksalhaft. „Als ich das erste Mal hier war, habe ich schon gedacht: ‚Oh ist das schön hier‘“, erzählt Koletzko. Eine Entscheidung wollte sie aber noch nicht treffen.

Doch da hatte sie die Rechnung ohne die Hausbesitzerin der 404 gemacht: Brigitte Martin, die schon von Koletzkos Auszug aus dem Klostereck gelesen hatte. „Und da dachte ich mir: Das würde doch prima hierher passen“, erzählt Martin, die dort über 25 Jahre lang Wohnen und Kunst vereint hat. Gesagt, getan. Martin rief Koletzko an – und so ist Koletzkos gemeinnützige Gesellschaft bürgerlichen Rechts – ein bürokratisches Etikett, das so gar nicht zu den schillernden Räumen passen will – nun hinter dem Eingang mit der weißen Rose zu finden. Ein langgestreckter Raum, der sich nach hinten weitet, mit Aussicht aufs Hexenviertel.

Erst eine Woche vor der Vernissage habe sie die anderen Berg-

straßenbewohner angeschrieben, ob sie nicht Werke von Stachora in ihren Räumen präsentieren wollten, sagt Koletzko. Ein Vorhaben, mit dem sie auf große Resonanz stieß. Was die Vernissagenbesucher bei einem Straßenrundgang gleich sehen können: Im Wirtshaus hängen Werke, im Laden der Schneiderin, viele Geschäfte haben Bilder im Schaufenster. Im Café – sozusagen dem Basisilager, bevor es auf den Gipfel geht – gibt es Häppchen und Apérol samt „Summertime“ aus Stefan Pentenrieders Trompete. Und nach dem Aufstieg zum Bayertor lernen die Gäste die Schauspielprofession der beiden Wirte kennen. Die in einer teils szenischen Lesung Stachoras Gedichte präsentieren. Zwar sind die schon im Biergarten sitzenden Gäste verwundert ob der Menge, die da auf den Kies strömt. Aber auch sie genießen die abstrakt skurrile Poesie.

Danach zerstreuen sich die Vernissage-Besucher. Ein Teil bleibt im Biergarten, andere schlendern ins Café, einige finden zurück in den Projektraum. Ganz wie der Projektraum, wie Stachoras Bilder, sind die Gäste in der Bergstraße aufgegangen.

Der dritte Projektraum in vier Jahren erzählt eine Geschichte. Und die hat Koletzko jetzt dokumentiert. Ein Werk im Umfang des Telefonbuchs. Denn dementsprechend viel gibt es zu erzählen.

Susanne Greiner

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