Ein Tanz über Tänzer

Chelyabinsk Contemporary Dance Theater begeistert im Stadttheater

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Das Chelyabinsk Contemporary Dance Theater wurde im Stadttheater mit „Bravo!“-Rufen belohnt.
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Das Chelyabinsk Contemporary Dance Theater wurde im Stadttheater mit „Bravo!“-Rufen belohnt.

Landsberg – Für gewöhnlich spielen Tänzerinnen auf der Bühne eine Rolle. Der schwarze Schwan. Der Weiße. Dornröschen oder Carmen. Und auch im modernen Tanztheater sind sie oftmals in Geschichten, und seien die noch so vage, eingebunden. Als sie selbst stehen sie eigentlich nie im Rampenlicht. Die russische Tänzerin Olga Pona setzt mit ihrem Chelyabinsk Contemporary Dance Theater genau hier an. Und bringt im Stück „Different“ ihre Tänzerinnen als sie selbst auf die Bühne.

Wenn mehrere Tänzer auf der Bühne stehen, ist oft das Synchrone von Bedeutung. Exakt abgezirkelte Bewegungen, von jedem in exakt der selben Sekunde und im exakte selben Ausmaß ausgeführt. Tanztheatergründerin Pona dreht den Spieß um: Das was zählt, ist das Individuum. Und damit die dargestellten Charaktere auf der Bühne auch überzeugen, „echt“ wirken, ließ Pona ihre Tänzerinnen aufschreiben, was es für sie bedeutet, diese Kunst auszuüben. Aus den Ergebnissen entstand für jedes Ensemblemitglied ein eigener Text: die eigene Geschichte.

Die Texte werden von den Tänzerinnen selbst vorgetragen. Natürlich auf russisch, aber per Beamer übersetzt auf die Leinwand projiziert. Da ist Tanz „die Suche nach sich selbst, in der Absicht, über sich hinauszuwachsen“. Ein ständiger Kampf gegen den Körper. Denn nur wenn er wie eine Maschine funktioniert, kann er das ganz Persönliche ausdrücken. „Schön zu sein ist anstrengend.“ Schwierig ist auch, aus der Masse hervorzustechen, die „ganz eigene“, neue Bewegung zu kreieren. Denn irgendwie war doch alles schon einmal da.

Aber auch um einfache Dinge geht es: „Oh Gott, wie ich einen Kerl brauche!“ „Im Moment mache ich drei Diäten gleichzeitig. Eine macht mich nicht satt.“ Und daneben der Traum von „Kartöffelchen und Butter.“

Im Tanz stehen die Individuen miteinander in Beziehung. Werden getragen oder stützen selbst, weisen den anderen aber auch ab. Szenen, in denen alle acht Tänzerinnen alleine für sich tanzen, oder Szenen, in denen sich mehrere ineinander verknoten. Oder in den äußeren Umständen des Lebens hängen – auf der Bühne durch Gummiseile dargestellt. Eines wird deutlich: Tanz ist ihr Leben. Dahinter kommt lange Zeit nichts. Und dann der Tanz.

Ponas Choreographie wirkt teilweise in Traditionen verhaftet. Die perfekten Bewegungen der Tänzerinnen sind nicht so individuell, dass tatsächlich allein durch den Tanz der einzelne Charakter erkennbar wäre. Aber dennoch ist das Stück ergreifend und äußerst beeindruckend. Weil es Persönlichkeiten zeigt, weil es echt wirkt, weil es lebendig ist.

Das Publikum im Landsberger Stadttheater belohnte die Leistung der acht Tänzerinnen mit langem Applaus und empathischen „Bravo!“-Rufen.

Susanne Greiner

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