Gottesdienst im Freien

Christmette unter Landsbergs Sternenhimmel

Sternenhimmel über dem Lechrain kleiner
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Wenn die Kirchen zu klein sind: An Heiligabend bieten einige Gemeinden im Landkreis Landsberg coronabedingt auch Gottesdienste unter freiem Himmel an.

Landkreis – Die Christmette im Freien? Eine romantische Vorstellung. Wenn es dann auch noch schneit – perfekt. Insofern wäre das dieses Jahr eine gute Lösung. Denn viele Kirchen sind zu klein, um dem Andrang an Heiligabend standzuhalten und dennoch den coronabedingten Mindestabstands zu berücksichtigen. Wenn das Wetter an Heiligabend allerdings so wie die letzten Jahre sein sollte, wäre die Messe ziemlich verregnet. „Wie die Messen an Weihnachten stattfinden, entscheidet jede Pfarreiengemeinschaft für sich“, sagt Dekan Oliver Grimm, Pfarrer im Fuchstal und Leiter des Dekanats Landsberg. Grundsätzlich werde man mehr Messen anbieten. Auch im Freien.

Für Fuchstal habe man schon einige Termine geplant, sagt Grimm. „Wir wollen am Nachmittag vier zeitlich versetzte Kinderkirchen im Freien an unterschiedlichen Orten abhalten.“ Um den Mindestabstand zu sichern, werde man Bierbänke aufstellen – pro Familie eine. Zwar gebe es für Messen im Freien momentan keine Teilnehmer-Begrenzung, aber mehr als 200 seien schwierig, „schon allein wegen der Beschallung“. Am Abend gebe es vier Christmetten in Denklingen, Asch, Leeder und Oberdießen – in den Kirchen, bisher mit Maskenpflicht. Er wolle nicht das Risiko eingehen, dass die Besucher „bei Minusgraden oder Regen über eine Stunde im Freien stehen müssen“, sagt Grimm. „Wir haben ja extra dafür Kirchen gebaut.“ Dennoch, Prodekan Michael Vogg aus Reichling versuche, eine Messe am Abend in einem Stadl zu organisieren. Das mache thematisch ja auch Sinn, so Grimm. „Aber dafür braucht man auch einen Landwirt, der seinen Stadl freiräumt.“ Für Fuchstal habe er diese Idee verworfen.

Für die Christmetten am Abend müssen sich die Besucher aufgrund der Personenzahlbeschränkung im Kircheninneren vorher anmelden. „Wer da an Heiligabend erst auf die Idee kommt, in die Messe zu wollen, hat dann leider eventuell Pech“, warnt der Dekan.

Landsberg

„Wir wollen niemanden heimschicken“, ist das Hauptanliegen bei der Weihnachtsplanung von Stadtpfarrer Michael Zeitler. Weshalb es in der Stadtpfarrkirche an Heiligabend zwei Kindermetten geben wird (14 und 16 Uhr), eine davon werde man vielleicht auf den Hellmairplatz übertragen. Ebenso gibt es zwei Christmetten (18 und 22 Uhr). „In Reisch und in Pitzling planen wir jeweils eine kleine Weihnachtsandacht im Freien“, sagt Zeitler. Denn in der Reischer Kirche hätten nur 18 Personen Platz, in Pitzling nur rund 20. „Es ist uns wichtig, dass die Dörfer nicht das Gefühl haben, vergessen zu werden.“ Abstandshalter wie Bierbänke gibt es keine. Zeitler setzt auf das Verantwortungsbewusstsein der Besucher.

Für die Christmetten können sich die Besucher ab dem ersten Adventswochenende, 27. November, im Pfarramt Karten holen. In der Stadtpfarrkirche hätten momentan rund 190 Personen Platz, mit einem Abstand von mehr als zwei Metern, so der Stadtpfarrer. „Wenn wir dann feststellen, dass die zwei Christmetten nicht ausreichen, planen wir noch eine dritte um 20 Uhr ein.“ Konkrete Platzkarten bekommen die Besucher erst am Heiligabend. Und wenn dann noch Plätze frei sind, können auch Kurzentschlossene noch ihr Glück versuchen. Eine Christmette im Freien kommt für Zeitler nicht in Frage. Das Wetterrisiko sei zu groß.

Der Heiligabend ist für Zeitler also gut durchgetaktet. „Das ist sicherlich auch anstrengend“, gibt Zeitler zu. „Aber es ist ein sehr schöner Stress.“

Dießen

Der Leiter der Pfarreiengemeinschaft Dießen Pfarrer Josef Kirchensteiner will erst noch die Entwicklung abwarten. „Wir versuchen aber wohl auch, in jedem Ortsteil einen Gottesdienst anbieten zu können.“ In Dießen werde es an Heiligabend vier geben, zwei für Kinder, einer für Senioren und die Mitternachtsmesse. „Zusammen mit den Gottesdiensten in den Ortsteilen werden das insgesamt wohl um die zehn werden.“

Sowohl für die Messen an Heiligabend als auch für die am ersten Weihnachtsfeiertag müsse man sich anmelden, betont Zeitler. „Wir wollen niemanden abweisen. So können wir dann die Besucher auf andere Gottesdienste hinweisen.“ Auch Kirchensteiner ist das Wetterrisiko bei einer Messe im Freien zu groß. „Aber wir haben ja Glück, das Marienmünster ist ja eine sehr große Kirche.“

Kaufering

Für die Pfarreiengemeinschaft Kaufering sind am Nachmittag zwei Wortgottesdienste für Kinder geplant, beide im Freien: einer im Innenhof von Maria Himmelfahrt, der andere im Dorf beim Vereinsstadel in Untermühlhausen, teilt Pfarrsekretärin Susanne Mathy mit. Auch am Abend werde es an diesen beiden Orten Gottesdienste geben. Ein weiterer sei eventuell im Garten des Epfenhausener Vereinsheim möglich. Man plane aber in allen vier Pfarreien so einen Open-Air-Gottesdienst – ohne Sitzmöglichkeiten –, denn selbst in Maria Himmelfahrt in Kaufering, der größten Kirche der Gemeinschaft, haben momentan nur rund 90 Personen Platz. Natürlich seien diese Gottesdienste kürzer als die gewöhnliche Christmette, informiert Mathy. „Aber sie finden bei jedem Wetter statt.“ Da es im Freien keine Besucherzahlbegrenzung gibt, müsse sich auch niemand vorher anmelden.

Evangelische Gemeinde

Auch die Protestanten in Landsberg wandern unters Himmelszelt. Am 24. Dezember gibt es um 15 und 16 Uhr - vor allem für Familien mit Kindern - und um 17 Uhr für Erwachsene (aber Kinder sind auch hier herzlich willkommen) auf dem Kirchenvorplatz der Christuskirche jeweils einen Gottesdienst von rund 30 Minuten. Natürlich könnten die Kinder auch zum späteren Gottesdienst kommen. Für die Gottesdienste wird die Von-Kühlmann-Straße an Heiligabend deshalb von 14.30 Uhr bis abends gesperrt.

Für weihnachtliche Stimmung sorgt auch der geschmückte Baum vor der Kirche und der Posaunenchor, der die Gemeinde begleiten wird. Am ersten Weihnachtsfeiertag bietet die evangelische Kirche um 10.45 Uhr auch in Leeder im Hofgartenhaus einen Gottesdienst an.
Susanne Greiner

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