Die weltberühmte Witwe

"Clara": Puppentheater Halle und Ragna Schirmer begeistern in Landsberg

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Das Puppentheater Halle und Pianistin Ragna Schirmer zeigen Clara Schumanns widersprüchliches Leben im Landsberger Stadttheater.
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Das Puppentheater Halle und Pianistin Ragna Schirmer zeigen Clara Schumanns widersprüchliches Leben im Landsberger Stadttheater.
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Das Puppentheater Halle und Pianistin Ragna Schirmer zeigen Clara Schumanns widersprüchliches Leben im Landsberger Stadttheater.
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Das Puppentheater Halle und Pianistin Ragna Schirmer zeigen Clara Schumanns widersprüchliches Leben im Landsberger Stadttheater.
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Das Puppentheater Halle und Pianistin Ragna Schirmer zeigen Clara Schumanns widersprüchliches Leben im Landsberger Stadttheater.
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Das Puppentheater Halle und Pianistin Ragna Schirmer zeigen Clara Schumanns widersprüchliches Leben im Landsberger Stadttheater.
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Das Puppentheater Halle und Pianistin Ragna Schirmer zeigen Clara Schumanns widersprüchliches Leben im Landsberger Stadttheater.

Landsberg – „Das Holz beginnt zu schwingen, als wäre es aus dem Dornröschenschlaf erwacht. Ich will nie wieder aufhören.“ Sätze, die Clara Schumann in ihr Tagebuch schreibt, am Abend ihres letzten Konzertes 1891 in Frankfurt. Sie ist eine berühmte Pianistin, ein Star. Doch sie ist vor allem die Witwe des Genies Robert Schumann. Ihre große Liebe, gegen dessen Schatten sie Zeit ihres Lebens kämpft. Das Puppentheater der Bühnen Halle zeigt Claras Zwiespalt in ausdrucksstarken, poetischen Bildern. Und mit der fabelhaften Pianistin Ragna Schirmer, die zum optischen Genuss die passende Akustik liefert.

Bei ihrem letzten Konzert spielt Clara einen Flügel aus der Werkstatt Grotrian Helfferich Schulz. So einer, nur wenige Fabrikationsnummern entfernt, steht auch bei „Clara“ auf der Bühne. Er gehört Schirmer, verbindet die eine Pianistin mit der anderen. Auf dem Stück-Programm steht viel Schumann – den Clara selbst bei ihrem letzten Konzert nicht spielt. Dafür die Händel-Variationen ihres Freundes Brahms, allerdings nur die sechste. Und hier haken Regisseur Christoph Werner und Schirmer nach: Warum nur die sechste? Vielleicht wegen der Schmerzen in ihrer Hand? Eine andere Frage: warum hat sie ihren Mann nicht besucht, als er zwei Jahre lang in einer Nervenheilanstalt lag? Und überhaupt: Wie war das, ein Leben zwischen den Rollen, zwischen achtfacher Mutter, liebender Gattin, Hausfrau und der Pianistin und Komponistin, die mit ihren Auftritten dafür sorgte, dass ihr Ehemann das Leben führen konnte, das er führte?

Eindeutige Antworten geben Werner und Schirmer nicht. Sie lassen Clara, eine Puppe mit ausdrucksstarkem Gesicht, die mit perfekter Gestik durch Ines Heinrich-Frank gespielt wird, erzählen. Von dem Journalist Ludewig, der in Frankfurt die Witwe Robert Schumann hören will – „an ihn wird man sich erinnern“ –, nicht Clara. Von dem vergessenen Pianisten James Kwast, der Clara das Programm ihres letzten Konzertes vorschreiben will – natürlich ohne Erfolg. Clara ist resolut. Ihr wird niemand mehr sagen, was sie zu tun hat. Auch nicht ihre Tochter Marie, gemeinsam mit Brahms Ziehmutter der Geschwister, die unbedingt Claras Biografie schreiben will: „Ohne dich würde sich niemand an Vaters Musik erinnern.“ Ein Motto, das Clara allerdings nicht über ihrer Biografie stehen haben möchte: Sie will selbst festlegen, wie sich die Nachwelt an sie erinnert. An die Pianistin, nicht an die Witwe.

Doch Robert kommt ihr in die Quere. Aus seinem Grab entsteigt er „der Hölle“ und sucht Clara heim. Lars Frank spielt Schumann nicht nur, er ist Schumann. Fast vergisst man, dass er eine Maske trägt. Sein Spiel braucht keine Mimik. Werner lässt für diese Szenen Pantomime sprechen, die Schirmer am Flügel lebendig und leidenschaftlich begleitet. Der ‚wirre Komponist‘, das Genie, das seiner Frau im wahrsten Sinne des Wortes Kinder anhängt, sie unter die Haube bringt, und im musikalischen Wahn ab und zu auf eines tritt. Clara ist hier meist nur eine kleine Puppe – ihr Mann nimmt allen Raum ein.

Und da ist auch noch eine dritte Ebene. In der Schirmer mit den Figuren interagiert oder sie mit Schirmer spielen, sie gar samt Flügel wörtlich auf verschiedene Seiten stellen. Schirmer ist nicht nur mit der Musik, sondern auch mit der Person Clara engstens vertraut.

Manchmal verhindert das Pendeln zwischen den Formen den Stückfluss. Dass Werner zu einem weiteren Medium, einem poetischen Film über Claras Konzertreisen, greift, ist zwar optisch traumhaft schön, bricht aber auch das Spiel der Figuren. Dennoch wird dieser Stadttheater-Abend, unterstützt von TILL und der DELO-Herold-Stiftung, noch lange im Auge und vor allem im Ohr bleiben.
Susanne Greiner

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