Clarence und die dummen Killer

Die Mörder mit dem Geigenkasten: Pulp (Dino Nolting, rechts) und Fiktion (Martin Daniel Selle, links). Foto: Eckstein

Das verblüffende an den Inszenierungen des Landestheaters Schwaben sind die enormen Qualitätsunterschiede. Die Landsberger verdanken den Memmingern einige der brillantesten (Jedermann) und mäßig­sten (Physiker, Rauhnacht) Gastspiele. Zu Gruppe eins zählt die am Freitag im Stadttheater gezeigte schwarze Komödie „Shakespeare, Mörder, Pulp & Fiktion“ von John von Düffel – dank der Darsteller.

Zwei Killer machen sich im Auftrag von Richard III daran, den Thronrivalen und Bruder, den Herzog von Clarence zu töten. Doch was bei Shakespeare trotz der dramatische Konfrontation der Mörder mit dem Opfer, die in dieser Fassung wegfällt, relativ zackig über die Büh­- ne geht, erweitert und variiert John von Düffel mit dem Tarantino-Kultfilm „Pulp Fiction“. Passt das zusammen? Wunderbar sogar, denn der Autor jongliert so virtuos mit der Sprache, dass Blankvers und Straßenjargon ein harmonisches Ganzes ergeben, inklusive Wortspiele, Gags und einem „Schtonk“-Zitat – ein „Eishauch der Geschichte“ eben. Ein Übriges tun die beiden Darsteller Dino Nolting (1. Mörder Pulp) und Martin Daniel Selle (2. Mörder Fiktion). Pulp, der schwarzgekleidete, coole Mafiakiller und Fiktion, der hibbelige Berliner, sind ein Team wider Willen, schon reichlich ab­­- gehalftert, die sich mit Gelegen­- heitsjobs über Wasser halten müssen, während die „großen“ Killer in Machtpositionen sitzen. Doch das Opfer (Michael Schöffel) macht den beiden zunächst einen Strich durch die Rechnung: es schläft tief und fest. Und dass man einen Schlafenden nicht meuchlings niedermetzelt, haben die beiden beim Kollegen Macbeth gelernt. So vertreiben sie sich die Zeit mit Philosophieren, Sinnieren über ihr Dasein als Auftragsmörder, über den Charakter des Opfers und des Auftraggebers, um ihren Job zu rechtfertigen. Leider steigert sich vor allem Pulp so in seine Rolle als Rächer der von Clarence sitzengelassenen Frauen hinein, dass er alle Vorsicht vergisst und den immer noch Schlummernden niederschießt. Auftrag erledigt. Kleine Hänger Dino Nolting und Martin Daniel Selle spielen intensiv, temperamentvoll, witzig und mit viel Spielfreude, die sie auch angesichts kleiner Hänger und abstürzender Bühnenplane nicht im Stich lässt. Im Kontakt mit dem Publikum reagieren sie schlagfertig und schaffen so eine Komplizenschaft mit dem Mörderduo. Ein Abend voll mit abstrusen Dialogen, Situationskomik und großem Theater, der mehr Zuschauer verdient hätte.

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Eine Leiche muss her!
Eine Leiche muss her!
Landrat klärt Mordfall
Landrat klärt Mordfall
Ein Weißbier mit Obama
Ein Weißbier mit Obama

Kommentare