Das Moor: Ein Klimasünder?

CO2-Ausstoß verringern: Grünen-Fraktion stellt Antrag auf Moorrenaturierung

+
Moore sind hervorragende CO2-Speicher – vorausgesetzt sie trocknen nicht aus.

Landkreis – Man kommt am Thema Klimaschutz dieser Tage einfach nicht vorbei. Maßnahmen gibt es unzählig viele. Doch manche von ihnen gehen ganz schön ins Geld. Und zeitintensiv sind sie auch. Doch die Fraktion der Grünen (GAL) im Kreistag hat nun einen Antrag gestellt, der eine recht einfache Lösung für das CO2-Problem verspricht. Das Schlüsselwort: Moorrenaturierung.

„Die Renaturierung von Mooren zählt zu den kostengünstigsten und wirksamsten Maßnahmen zur Reduktion von CO2“, erklärt Grünen-Kreisrat und Antragsteller Peter Satzger. Doch was genau ist unter einer Renaturierung zu verstehen?

Moore sind von Natur aus sehr gute CO2-Speicher. Das funktioniert aber nur, wenn genug Feuchtigkeit vorhanden ist. Sinkt der Wasserspiegel im Moor, passiert genau das Gegenteil. Der Torf zersetzt sich an der Luft und der teilweise in Jahrtausenden gespeicherte Kohlenstoff wird als CO2 freigesetzt. Im Antrag der Grünen ist sogar davon die Rede, dass trockene Torfe in ihrer CO2-Bilanz gleich hinter der Industrie lägen. Aber auch ein weiteres schädliches Gas wird freigesetzt, wenn der Wasserstand der Moore zu niedrig ist: N2O. Lachgas. Klingt vielleicht harmlos, ist aber laut Bayerischem Landesamt für Umwelt etwa 310-Mal schädlicher als Kohlendioxid.

Nur CO2-Speicher?

Im Kleinen werden die Maßnahmen zur Renaturierung bereits umgesetzt. So zum Beispiel im Breiten Moos bei Apfeldorf. Doch Satzger sagt deutlich, dass die Maßnahmen „in einem moorreichen Landkreis wie unserem nicht länger auf ein Moor begrenzt bleiben sollte“. Zumal es um mehr gehe, als den CO2-Speicher. „Neben dem Effekt des Klimaschutzes bietet die Moorrenaturierung zudem einen zusätzlichen Hochwasserschutz (Rückhaltefläche für Wasser) als auch ein erhebliches Potential im Artenschutz, da dadurch stark bedrohte Lebensraumtypen wiederhergestellt werden.“ Oft lebten dort gefährdete Arten wie zum Beispiel der streng geschützte Hochmoor-Gelbling, der laut Satzger auf solch spezielle Lebensräume angewiesen ist.

Die Forderungen

Konkret wollen Satzger und seine Parteikollegen, dass jährlich 120.000 Euro im Haushalt des Landkreises bereitgestellt werden. Mit Hilfe des Bayerischen Klimaprogramms Moore sei es möglich, die Renaturierung mit bis 90 Prozent staatlicher Mittel zu refinanzieren.

Zudem brauche es einen qualifizierten Projektmanager, der sich um die Renaturierung für die nächsten fünf Jahre kümmert, erklärt Satzger. Dessen Aufgaben wären dann unter anderem die Kartierung betroffener Flächen, Erstellung von Detailkonzepten sowie Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern.

Vor allem letzteres sei ein wichtiger Punkt. Die Moorflächen gehören nämlich nicht dem Landkreis, sondern vielen verschiedenen Eigentümern. Teilweise sind die Grundstücke nur 0,2 Hektar groß. Man müsste also vorab mit etlichen Grundstücksbesitzern sprechen und sie von den Maßnahmen überzeugen. Dessen ist sich auch Satzger bewusst. Aber er entgegnet: „Erfahrungsgemäß sind die Eigentümer offen für solche Maßnahmen.“ Entscheidend sei dabei jedoch ein Projektmanager, der mit den Eigentümern auf Augenhöhe in der richtigen Sprache spricht und vor allem langfristig als Ansprechpartner verfügbar ist. „Auf dieser Basis kann durch kontinuierlichen und verlässlichen Kontakt mit den Eigentümern die Zustimmung zu Wiedervernässungsmaßnahmen mit der Zeit erreicht werden.“ Ein Kauf der Flächen sei nicht nötig.

Die höhere Naturschutzbehörde hat ca. 870 ha an Mooren für eine mögliche Renaturierung untersucht.

Sind die Verhandlungen mit den Eigentümern erst einmal unter Dach und Fach, könne die Detailplanung erfolgen. Die schrittweise Wiedervernässung erfolgt laut Satzger mit sehr primitiven und kostengünstigen Maßnahmen, wie zum Beispiel Brettern in Gräben oder einfachen Wehren. Die Maßnahmen zur Moorrenaturierung sollen, wenn es nach Satzger geht, noch 2020 begonnen werden.

Der Antrag der Grünen-Fraktion wird am heutigen Dienstagabend im Kreistag behandelt. Das Ergebnis lag bis Redaktionsschluss noch nicht vor.
Stephanie Novy

Auch interessant

Meistgelesen

Wenn die Kunst am Ammersee zu teuer wird
Wenn die Kunst am Ammersee zu teuer wird
Ein glänzendes Adventskonzert der Stadtkapelle Landsberg 
Ein glänzendes Adventskonzert der Stadtkapelle Landsberg 
Die Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Die Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Landsberg: Obertongesang mit Huun Huur Tu
Landsberg: Obertongesang mit Huun Huur Tu

Kommentare