Der Coach rechnet immer noch

Auf so kurze Distanz verloren die Unparteiischen noch nicht den Überblick: Deggendorfs Stefan Ortolf versucht hier Michael Maaßen vom EVL auszubremsen. Foto: Krivec

Am Freitag hat man sich beim EV Landsberg nach dem 2:3 nach Verlängerung (0:1, 2:0, 0:1, 0:1) gegen Deggendorf noch über zwei verschenkte Punkte geärgert, am Ende des Wochenendes stand man aber nach dem überraschenden 8:5 (5:1, 1:1, 2:3) gegen Klostersee immerhin mit vier Punkten da. „Solange es rechnerisch möglich ist, greifen wir Platz 8 an“, so Trainer Dave Rich. „Wir brauchen zwar Schützenhilfe durch andere Teams, aber es sind noch zwölf Spiele, das sind eine Menge Punkte.“

Der Frust war in der Mannschaft nach der Niederlage gegen Deggendorf groß. Lange schien es so, als würde man einen 2:1-Vorsprung locker über die Zeit bringen. Rich: „Wir hätten einfach nur das 3:1 machen müssen, Chancen dazu hatten wir ja genügend.“ Die Gäste wirkten bis kurz vor Schluss nicht so, als könnten sie den Spieß noch umdrehen – bis zur Schlüsselszene in der 58. Minute, die die Gemüter vor allem unter den Fans noch lange erhitzte. „Gottseidank gibt es Video, wir haben uns das noch einmal angeschaut und es besprochen“, so Rich. „Ja, es waren sechs Deggendorfer auf dem Eis und es war wohl auch ein Icing, also war es eine Fehlentscheidung der Schiedsrichter. Aber mit solchem Mist musst du in jedem Spiel leben. Der wirkliche Fehler war ein Spieler von uns, der von der Bank kam und Sullivan nehmen sollte und das nicht getan hat.“ Eben jener Mike Sullivan, bis dahin eher durch seine beeindruckende Defensivarbeit aufgefallen, stellte die Arbeit nicht wie ein Teil der Landsberger in Erwartung eines Schiedsrichterpfiffes ein, sondern schob den Puck, den Reichelmeir zuvor nicht festhalten konnte, aus kurzer Distanz zum Ausgleich ein. In der wegen der Fanrandale verspätet angepfiffenen Verlängerung (siehe Bericht auf der nächsten Seite) lief Sullivan dann endgültig zu großer Form auf, als er an der blauen Linie die EVL-Verteidigung düpierte und seinen folgenden Alleingang mit einem Rückhandlupfer zum entscheidenden 2:3 abschloss. Dass Reichelmeir da wegen seiner Verletzung wie schon beim Ausgleich nicht mehr richtig reagieren konnte, störte Deggendorf naturgemäß wenig. Dabei hatte es trotz des Fehlstarts – 0:1 in der 3. Minute durch Maier – lange so ausgesehen, als würde der EVL als Sieger vom Eis gehen. Thiel glich im zweiten Nachschuss nach 30 Minuten verdient aus. Nach 38 Minuten wurde Neuzugang Nikolaus Meier, der einen guten Einstand feierte, nach seinem satten Schuss von der blauen Linie der Treffer zum 2:1 gutgeschrieben, auch wenn Philipp Michl hörbar noch den Schläger dazwischen hatte. Mit dem Junior Dass man den eher harmlosen Gästen den Sieg noch auf dem Silbertablett servierte, nagte an Trainer und Team und als man am Sonntag lediglich mit Juniorentorhüter Klein nach Grafing fuhr und der EHC Klostersee schon nach 42 Sekunden durch Schütt in Führung ging, schien ein schwarzes Wochenende seinen Lauf zu nehmen. Nach 20 Minuten allerdings führte der EVL durch Tore von Bigam, Drommeter, Hemmerich, Anderson und Maaßen geradezu sensationell mit 5:1. Klostersee kam immer wieder ein wenig heran, aber der 8:5-Erfolg durch weitere Treffer von Hemmerich (26./45.) und Bacek (54.) war nicht mehr ernsthaft gefährdet. Rich freute sich, „dass wir unsere Chancen endlich einmal genutzt haben“, relativierte den Erfolg aber auch: „Wir haben Schwächen in Über- und Unterzahl; gut, dass unsere Special Teams heute besser funktioniert haben. Aber man muss ehrlich sagen, dass der Torwart des Gegners sehr, sehr schwach war. Es war ein ganz schlechtes Eishockeyspiel im ersten Drittel, das Schussverhältnis war 9:7 für uns und fünf von den neun Schüssen waren drin, er hat einfach daneben gelangt.“ Der bedauernswerte Patric Scharnagl, der den verletzten Martin Fous vertritt, wurde 39 Sekunden vor Ende des ersten Drittels ausgewechselt, da war der Landsberger Sieg allerdings schon zementiert. Für Rich ein weiterer Beleg für eine Oberliga-Saison, in der es keine überragenden Mannschaften gibt. „Klostersee hatte einige Verletzte, darunter Bergmann, der für mich einer der besten Verteidiger der Liga ist und schon kommen sie in Schwierigkeiten. Garmisch hatte in den letzten Wochen das gleiche Problem. In Tölz und Peiting sind alle gesund geblieben, sonst wären auch die nur Durchschnitt.“ Der Grund dafür liegt im akuten Mangel an Spielern, den der EVL am eigenen Leib erfahren musste und diese Meinung hat Rich nicht exklusiv. „Letztes Jahr hat es nur eine Oberliga gegeben, jetzt haben wir plötzlich mit Süd und Nord und Ost viel mehr Vereine. Sobald ein Spieler auf den Markt kommt, hat er vier, fünf Angebote von Vereinen, die mehr Geld haben“, assistierte Deggendorfs Trainer Norbert Weber am Freitag. „Wer in dieser Saison keine eigenen Leute hat, ist, Entschuldigung, der Arsch.“ Für Rich, der nach der Rückkehr mehrerer Verletzter ins Team erstmals aus dem Vollen schöpfen kann, eine Chance: „Wir haben jetzt Garmisch daheim und spielen dann in Peiting. Mit Ashton im Tor müssen wir irgendwie drei Punkte machen, das brauchen wir für unser Selbstvertrauen.“ Das sei vor allem wichtig, falls man in die Play-Downs müsse: „Denn das wird für Landsberg ein Kampf ums Überleben.“

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Die Sparkasse Landsberg-Dießen reduziert
Die Sparkasse Landsberg-Dießen reduziert
Lisa will Bierkönigin sein
Lisa will Bierkönigin sein
Toll: Das erste Azubi+ ist da!
Toll: Das erste Azubi+ ist da!

Kommentare