Bakterien bei der Wasserversorgung Ammersee-West

Coliforme Keime: Trinkwasser in Schondorf, Greifenberg und Eching wird gechlort

+
Das Wasser am Ammersee-Westufer wird seit gestern gechlort. Der Grund: coliforme Keime

Ammersee - Jetzt hat es auch das Westufer vom Ammersee erwischt: Eine hohe Belastung mit coliformen Keimen wurden im Rahmen einer Beprobung festgestellt. Betroffen sind die Gemeinden Schondorf, Greifenberg – ohne Beuern – und Eching. Gleich nach dem Befund am Mittwoch vergangener Woche wurde auf Anweisung des Gesundheitsamtes des Landkreises Landsberg gechlort. Bereits in der Erpftinger sowie in der Pöringer Gruppe waren in den letzten Monaten Belastungen aufgetreten. Dort wurden jedoch lediglich angewiesen, das Trinkwasser abzukochen.

Chloren sei wohl wegen der „stark erhöhten“ Konzentration der coliformen Keime am Ammersee für das Gesundheitsamt das Mittel der Wahl gewesen, informiert Carla Hampel von der Wasserversorgungsgruppe Ammersee-West. Ein zusätzliches Abkochen werde nicht vorausgesetzt, könne aber „vorsorglich getätigt werden“, empfiehlt die zugehörige Pressemitteilung. Man arbeite „mit Hochdruck“ daran, die Ursache für die Belastung zu finden.

Im Netz der Wasserversorgungsgruppe Ammersee-West wurde bisher nur der Parameter coliforme Keime bestätigt, Escheria Coli (E. coli) sei bisher nicht vorhanden, informiert das Gesundheitsamt des Landkreises Landsberg. Der Wasserversorger verhalte sich indessen „vorbildlich“. So seien vor der Entscheidung zu chloren noch mehrere Proben entnommen worden.

Wie auf solch eine Belastung reagiert wird, ob also gechlort wird oder Abkochen ausreicht, entscheidet indessen nicht der Versorger, sondern das Gesundheitsamt. Dabei kommt es sowohl auf die Höhe der Bakterienkonzentration als auch auf die Art des Netzes an: Ist es weit verzweigt mit langen Wegen, oder eher kompakt? „Die Belastung der Bürger durch das Chloren ist bei verzweigten Wasserwegen weitaus kürzer, als durch das ständige Abkochen des Trinkwassers“, informiert das Gesundheitsamt. So habe man während der vorhergehenden Fälle in der Erpftinger und Pöringer Gruppe mehrere Anrufe bekommen, „weshalb das so lange dauert“. Wie lange es mit dem Chlor dauert, bis die Keime verschwunden sind, könne man aber nicht sagen. Schon allein der vorgeschriebene zeitliche Abstand zwischen den drei geforderten keimfreien drei Proben bedingt eine gewisse Dauer.

Die Höhe der verwendeten Chlorkonzentration sei für den Menschen unbedenklich. Sie liege zwischen 0,1 und 0,3 Milligramm pro Liter. „In Schwimmbädern sind es 0,6 bis 0,6 Milligramm.“ Die Belastung sei für den Menschen vollkommen unschädlich. Insbesondere, da die Grenzwerte in Deutschland weitaus niedriger lägen als in anderen EU-Ländern. Wer kennt nicht den intensiven Chlorgeruch des Trinkwassers in Spanien oder Griechenland – Chlorgeruch = Urlaub. Man könne im aktuellen Fall vielleicht ein bisschen Chlor riechen, aber lange nicht so stark wie in diesen Ländern.

Und wie wirkt sich Chlor auf Tiere aus? Wer ein Aquarium hat, muss aufpassen: Für Fische ist Chlor giftig. Solange gechlort wird, darf also nicht das Wasser im Aquarium gewechselt werden.

Chlor in der Milch?

Vor Chlorrückständen in Milch wird indessen manchmal gewarnt. Seit 2008 wird Milch auf das gesundheitsschädliche Trichlormethan überprüft. Der Stoff entsteht, wenn Aktiv­chlor, beispielsweise aus Reinigungsmitteln, mit den organischen Kohlenstoffverbindungen aus der Milch in Kontakt kommt. Kann das Chlor jetzt über das Trinkwasser in die Milch kommen?

„Aus unserer Sicht gibt es da keine Beeinflussung“, entgegnet Dr. Michael Veit, Leiter des Veterinäramts Landsberg. Dass es zu diesem Thema so wenig Studien gebe, liege wahrscheinlich daran, dass keine Probleme auftauchten. Und in anderen Ländern, zum Beispiel auch dem 'Rinderland' USA, werde das Trinkwasser ja massiv gechlort. Im Pansen einer Kuh stößt das wenige Chlor auch auf dutzende Kilogramm organischer Masse. Das verpufft da sozusagen.“ Milch wird zudem im rahmen des Lebensmittelgesetzes streng geprüft.

Aktuelle Informationen zur Trinkwasserqualität am Ammersee gibt es unter www.zv-wasser-ammersee-west.de.

Susanne Greiner

Auch interessant

Meistgelesen

Neues Zuhause gesucht: Helfen Sie diesen liebenswerten Vierbeinern!
Neues Zuhause gesucht: Helfen Sie diesen liebenswerten Vierbeinern!
Reichlinger Dirigent Lars Scharding und die 25-Kilo-Wette
Reichlinger Dirigent Lars Scharding und die 25-Kilo-Wette
Die Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Die Babys der Woche im Klinikum Landsberg
"D´Ammerseer Utting" feiern 100-jähriges Jubiläum
"D´Ammerseer Utting" feiern 100-jähriges Jubiläum

Kommentare