Menschlichkeit ist gefragt

Comedian Tan Caglar beweist im Malura Museum Humor mit Tiefgang

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Comedian Tan Caglar (links) erzählte im Malura Museum von den kleinen und großen Problemen eines Rollstuhlfahrers. Die beiden Bahar Gschnaidtner (Mitte) und Regine Nosske (rechts) waren als Gebärdendolmetscherinnen mit auf der Bühne.

Unterdießen – Bis auf den letzten Platz war das Malura Museum besetzt. Grund war Comedian Tan Caglar, ein deutscher Türke, der seit 15 Jahren im Rollstuhl sitzt und Inklusion zu seinem Thema gemacht hat. Von alltäglichen Begebenheiten erzählte er humorvoll und ironisch. Es mischte sich herzhaftes Lachen mit tiefer Betroffenheit.

Caglar wurde 1980 in Hildesheim geboren. Seine Eltern erfuhren nach seiner Geburt, dass ihr Sohn eine fortschreitende unheilbare Rückenmarkserkrankung hat, die ihn schon in jungen Jahren an den Rollstuhl band. Aus einer tiefen Depression, die zwei Jahre dauerte, erlöste ihn im Jahr 2005 der Sport. Rollstuhlbasketball ließ ihn wieder Anschluss an die Gesellschaft finden und er war so gut, dass er es schließlich sogar in die Nationalmannschaft schaffte. Er wurde Coach und Motivationstrainer. Dabei zeigte sich sein komödiantisches Talent, das ihn weiter zum Schauspieler und Comedian führte.

Caglar gewann den „Stuttgarter Besen“ und war bei den Finalisten im Wettbewerb um den legendären deutschen Satire- und Kleinkunstpreis Prix Pantheon. Nicht vergessen ist sein Auftritt als Model bei der Fashion Week in Berlin, wo er mit internationalen Models souverän über den Laufsteg rollte.

Doch sein Alltag ist geprägt von den großen und kleinen Problemen des Lebens als Rollstuhlfahrer. So erzählt er, dass er auf der Suche im Internet nach einem geeigneten Sport für ihn, Golf, als passend angeboten erhielt, was wohl wegen seines „Handy-

caps“ geschah.

Auf humorvolle, doch sehr drastische Weise, rechnet er mit den Menschen ab, die mit großer Verunsicherung nicht wissen, wie sie mit Behinderten umgehen sollen und können.

Die anschließende Podiumsdiskussion wurde von der 1. Vorsitzenden des Freundeskreis Oswald Malura Museum Monika Groner moderiert. Auf dem Podium saßen neben Caglar der VDK Vorsitzende Walter Eichner und die Dozentin der Katholischen Stiftungshochschule München Ulrike Wachsmuth. Das Publikum beteiligte sich sehr lebhaft mit der Schilderung vieler eigener Erlebnisse und Fragen.

Die Vision, die zum Abschluss Caglar formulierte, war wohl das eindringlichste und wichtigste Statement an alle Menschen: Das Wort Inklusion möge eines Tages durch das Wort Menschlichkeit ersetzt sein.

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