„Eine herausfordernde Tätigkeit“

Corona im Landkreis Landsberg: Kontaktverfolgung im Griff

Hände, die einen Telefonhörer in der Hand haben
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Das Contact Tracing Team des Gesundheitsamtes Landsberg ist im Dauereinsatz. Aber noch hat es die Kontaktverfolgung gut im Griff.

Landkreis – Bisher scheint der Landkreis die Corona-Pandemie im Griff zu haben. Die Zahl der Todesfälle ist seit Mai nicht mehr gestiegen, es gibt keine Intensivpatienten im Klinikum, auch wenn seit August die Fallzahlen wieder höher werden. Zum Corona-Management gehört auch das CTT, das ‚Contact Tracing Team‘, das die Kontakte der positiv Getesteten ermittelt und so einer Ausbreitung der Infektion entgegenwirkt. Keine leichte Arbeit, wie die stellvertretende Leiterin des Gesundheitsamtes Dr. Birgit Brünesholz zugibt.

  • Das Contact Tracing Team des Gesundheitsamts Landsberg arbeitet auf vollen Touren.
  • Pro positiv Getestetem werden 4,67 Kontaktpersonen ermittelt.
  • Die Anzahl der symptomatischen und der schweren Verläufe steigt jedoch.

Momentan (Stand Dienstagabend) gibt es im Landkreis fünf Personen, die positiv auf das Coronavirus getestete wurden und in Quarantäne sind. Damit erhöht sich die Zahl der seit Beginn der Pandemie positiv Getesteten auf 484, berichtet Abteilungsleiter soziale Angelegenheiten Tobias Reinhold. 57 Kontaktpersonen der Kategorie 1 – Menschen, die dem positiv Getesteten 15 Minuten lang näher als 1,5 Meter gekommen sind– seien in Quarantäne. Die Sieben-Tage-Inzidenz liege bei 5,8. Im Testzentrum des Fliegerhorsts könne man momentan bis zu 300 Tests pro Tag durchführen, das sei aber „locker auf 1.000 Testungen pro Tag“ erweiterbar, betont Reinhold.

In der jüngsten Kreistagssitzung kam die Frage auf, warum die Zahl der ermittelten Kontakte bayernweit laut einer Befragung der Gesundheitsämter durch WDR, NDR und ‚Süddeutsche Zeitung‘ nur bei 1,7 liege. Zum Vergleich: In Sachsen ermittele man bis zu zehn Kontakten, der deutschlandweite Durchschnitt liegt laut dieser Befragung bei 4,9.

Brünesholz konnte beruhigen: „Wir ermitteln im Durchschnitt 4,67 Kontakte pro Person.“ Die Arbeit koste aber Nerven, das CTT und die Mitarbeiter des Amtes arbeiteten an ihren Grenzen und seien auch am Wochenende eingespannt. Manchmal erhalte sie am Samstag noch drei Schreiben des Ministeriums mit neuen Anordnungen. Und die gelte es dann auch gleich umzusetzen. In München sei die Situation allerdings weitaus schlimmer, weiß Brünesholz. Manchmal erhalte sie Meldungen über positiv Getestete mit Kontaktpersonen im Landkreis erst 15 Tage nach dem Testergebnis. Und das liege nicht an Faulheit oder sonstigem. „Die Mitarbeiter dort sagen: ‚Wir saufen ab.‘“ Dass der Ton bei den Angerufenen inzwischen immer rauer werde, erleichtere die Arbeit nicht. „Da sind dann manchmal auch verbale Entgleisungen dabei. Die Menschen stehen unter Druck.“

Mehr symtomatische Verläufe

„Wir gehen jedem Kontakt nach. Kein Tag wird beendet, ohne dass alle Betroffenen informiert sind“, berichtet auch der momentan vom Landratsamt befristet eingestellte Amtsarzt Dr. Manuel Müller-Hahl. „Das ist eine sehr fordernde Tätigkeit.“ Der Zahnarzt und Enkel des früheren Landrats hat 17 Mitarbeiter, die 400 Stunden pro Woche arbeiten. „Die Anzahl der symptomatischen Verläufe nimmt seit September wieder deutlich zu“, sagt Müller Hahl. Auch die der schweren Verläufe.

Meldet ein Labor ein positives Testergebnis, startet die ‚CTT-Maschinerie‘: Derjenige muss informiert werden, aber manchmal erhalte das Gesundheitsamt keine Telefonnummer, so Müller-Hahl. „Wir müssen dann entweder selbst zu demjenigen fahren oder im Ausnahmefall gar eine Polizeistreife schicken.“ Der Infizierte werde informiert, zum Beispiel darüber, wann er ins Krankenhaus gehen sollte. „Wir rufen aber auch jeden Tag bei ihm an.“

Dann werden die Kontakte ermittelt. Allerdings nur die zwei Tage vor dem positiven Test (bei asymptotischem Verlauf) oder entsprechend den ersten auftretenden Symptomen. „Es geht hier also um einen Zeitraum von circa vier Tagen.“ Bisher habe es niemanden gegeben, der ein ‚Corona-Tagebuch‘ über seine Kontakte geführt habe. Ob eine Kontaktperson informiert wird, beurteile das Gesundheitsamt gemäß der RKI-Regeln für die Kategorisierung Kontaktperson Kategorie 1 oder 2. Erstere werden am nächsten Tag getestet. „Rund acht Prozent dieser Kontaktpersonen-Tests fallen positiv aus.“

„Wir kümmern uns“

Dr. Manuel Müller-Hahl

Eine Quarantäne sei manchmal nicht einfach und mit Entbehrungen verbunden. Wenn zum Beispiel ein Kind positiv getestet werde, aber kein Elternteil mit dem Kind separiert werden könne. „Aber wir haben noch nie ein Kind einzeln abgetrennt.“ Zudem könne es zu einer recht langen Quarantäne kommen. Denn die 14 Tage starten ja erst, wenn das Kind wieder negativ getestet wird.

In nicht eindeutigen Fällen – wenn eine Person beispielsweise zwar mit einem Abstand über 1,5 Metern, aber über 15 Minuten mit jemandem geredet hat –, appelliere man bei demjenigen an die Vernunft und empfehle ihm, vorsichtig zu sein. „Im Einzelfall testen wir diese Person dann auch.“ Aber hier ermögliche das Infektionsschutzgesetz keine rechtlichen Mittel wie Bußgelder, die bei Kontaktpersonen der Kategorie 1 verhängt werden könnten, wenn sie sich nicht in Quarantäne begeben. „Solche Bußgelder kommen vor, aber sehr selten“, betont Müller-Hahl. „Wir gängeln die Menschen nicht, wir kümmern uns.“

Momentan habe man die Kontaktverfolgung gut im Griff, ist der Amtsarzt überzeugt. „Wenn die Welle von München rüberschwappt, wird das allerdings nicht lustig. Warten wir‘s mal ab.“

Susanne Greiner

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