Die Devise bleibt: "keine Panik!"

Corona: Klinikum Landsberg stellt sich auf mehr Patienten ein

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Das Klinikum hat zwei Zelte aufgebaut, um möglicherweise mit dem Coronavirus Infizierte schon vor der Notaufnahme testen zu können.

Landkreis – Im Gesundheits­amt Landsberg klingeln die Telefone: Ist das Coronavirus gefährlicher als gedacht? Kommt jetzt die Pandemie? Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn spricht vom „Beginn einer Coronavirus-Epidemie“. Dennoch: Grund zur Panik gebe es nicht, sagen Landrat Thomas Eichinger und Klinikumschef Marco Woedl einstimmig. Das Virus selbst führe bei 80 Prozent aller Infizierten lediglich zu Erkältungssymptomen. Es gehe also weniger darum, die Krankheit zu bekämpfen. Vielmehr müsse eine zeitgleiche Ansteckung vieler Menschen vermieden werden, um den Fortgang des öffentlichen Lebens gewährleisten zu können.

Im Klinikum Landsberg gebe es keinen höheren Andrang von Menschen, die Angst vor dem Virus hätten, sagt Woedl. Panik sei keine zu spüren, „aber es herrscht eine gewisse Angespanntheit“. Das beste Mittel, sich vor einer Ansteckung zu schützen, sei immer noch das Händewaschen. Und Körperkontakte zu minimieren. So fährt das Klinikum die Campagne „No Hands“: kein Händeschütteln zur Begrüßung.

Dennoch stelle man sich darauf ein, dass es möglicherweise mehr Infizierte geben könne, sagt Woedl. Als „reine Vorsichtsmaßnahme“ werde das Klinikum am Samstag zusammen mit dem BRK zwei Zelte in der Nähe der Notaufnahme aufstellen lassen. So wolle man einerseits die Notaufnahme entlasten, andererseits möglicherweise Infizierte von den Patienten im Klinikum trennen. So wolle man Menschen mit grippeähnlichen Symptomen nicht in der Klinik, sondern in einem der Zelte unterbringen. Die Behandlung erfolge im zweiten Zelt. Im Zelt gebe man den Patienten einen Mundschutz und lasse sie die Hände desinfizieren. Zudem nehme man einen Abstrich. Wie genau der Ablauf vonstatten gehe, müsse man noch sehen – je nach Bedarf. Vielleicht benötige man das Zelt auch gar nicht, räumt Woedl ein.

Vorerst zuhause bleiben

Wenn man selbst Erkältungssymptome habe, solle man vorerst zuhause bleiben und sich auskurieren, sagt der ärztliche Direktor Dr. Hubert Meyrl. Corona-Patienten seien zwar krank, „aber die meisten müssen nicht stationär behandelt werden“, begründet er. Nur bei konkretem Verdacht – wenn man mit einem Infizierten Kontakt hatte oder in einem der Risikogebiete war – sei ein Abstrich erforderlich. „Diese Kriterien lösen sich meiner Meinung nach aber langsam auf“, so Meyrl. Eine Bewertung der Dringlichkeit sei aber weiterhin notwendig: „Wir haben nicht die Kapazitäten, um eine Massenuntersuchung stemmen zu können.“

Woedl sieht noch ein weiteres mögliches Problem: Da vor allem die Mundschutzmasken, aber auch andere Schutzkleidung vorrangig in China hergestellt werden, dort aber Lieferengpässe herrschten, seien Mundschutzmasken in ganz Europa aufgebraucht. „Und auch für manche Medikamente gibt es Lieferschwierigkeiten.“

Eine regionale Taskforce

Um das Klinikum im Notdienst zu entlasten, hat das Gesundheitsamt am Samstag und Sonntag, jeweils von 10 bis 12 Uhr und von 16 bis 18 Uhr geöffnet, um Abstriche zu machen. Auch das Landratsamt hat aufgerüstet: Es gibt jetzt eine regionale Taskforce aus Klinikumschefärzten und Gesundheitsamt, zudem sei die stellvertretende Leiterin des Gesundheits­amtes Dr. Birgit Brünesholz für das Landratsamt 24 Stunden am Tag erreichbar: „Wir sind immer handlungsfähig“, verspricht Eichinger.

Auch der Ärztliche Kreisverband Landsberg sei gerade dabei, mögliche Unterstützung für den Bereitschaftsdienst zu mobilisieren, informiert der Verbandsvorsitzende Dr. Hans-Joachim Baumgartl. Denn in den Hausarztpraxen sei eine vermehrte Anfrage wegen möglicher Corona-Infektionen durchaus zu spüren, auch wegen der Rückreisewelle aus Ländern wie zum Beispiel Italien. „Da herrscht eine gewisse Unsicherheit. Aber wir behalten die Nerven.“ Zudem werde die Kassenärztliche Vereinigung versuchen, einen zusätzlichen Arzt aufzustellen, der zu den Patienten nachhause kommen könne.
Susanne Greiner


Wer muss wann wohin?

• Wer Symptome zeigt und innerhalb der letzten 14 Tage in einem Risikogebiet war: Hausarzt oder Kassenärztlichen Bereitschaftsdienstanrufen (116 117) anrufen. • Wer Kontakt zu einem mit dem Virus Infizierten hatte, informiert das Gesundheitsamt, Telefon 08191/129-1291. • Das Gesundheitsamt ist von Montag bis Freitag, 8 bis 16:30 Uhr und diese Woche im Zelt am Klinikum von 11 bis 12 Uhr geöffnet. Das Amt ist auf dem Klinikgelände in Haus IV hinter den Notaufnahmezelten.



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