Hilfsorganisation in Not:

LandsAid in Gefahr?

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Fürchten um die Existenz der Kauferinger Hilfsorganisation: LandsAid-Geschäftsführer Sven Weber (rechts) sowie Vorsitzender Hans Musswessels sowie die Vorstände Gabriele Breuckmann und Dr. Ralf Bürger mit einem Teil des LandsAid-Teams.

Kaufering – In einer „sehr ernsten Situation“ angesichts der Corona-Pandemie befindet sich auch die Kauferinger Hilfsorganisation LandsAid. Die Spendeneinnahmen sind um 70 Prozent eingebrochen. Die Existenz des Vereins und damit die weltweiten Hilfsprojekte sind gefährdet. Der KREISBOTE sprach mit LandsAid-Geschäftsführer Sven Weber.

Herr Weber, welche Bedeutung hat das Virus für LandsAid?

Weber: „Die Lage ist für uns wirklich ernst. Das Corona-Virus hat unsere Spendeneinnahmen komplett weggeschossen. Niemand spendet derzeit für die Heuschreckenplage in Ostafrika oder ein Berufsbildungsprojekt im Jemen, wenn die Menschen Angst vor der Zukunft haben. Das ist natürlich verständlich. Aber für uns bedeutet es die Schließung, wenn nicht etwas passiert. Wir bitten daher vor allem unsere Gemeinde und unsere Nachbarn in Kaufering um Unterstützung und Solidarität.“

Was würde passieren, wenn die Spendenbereitschaft weiterhin ausbleibt und Spendeneinnahmen weiter stagnieren?

Weber: „Zuerst muss ich meine Mitarbeiter auf Kurzarbeit nach Hause schicken. Damit können aber unsere Projekte nicht mehr gänzlich bearbeitet werden. Derzeit wollen wir den Flüchtlingen in Idlib mit Essensspenden und Unterricht für die Kinder helfen. Wir wollen, dass sie nicht die gefährliche Weiterflucht riskieren und vor Ort die nötige Unterstützung erhalten. Das geht jetzt erstmal nicht mehr. Auch müssen wir die ostafrikanischen Länder auf den Corona-Virus vorbereiten, denn dort gibt es selten funktionierende Gesundheitssysteme. Was nutzt es, wenn wir hier den Virus besiegen und er dann aus Afrika zurückkommt? Das können wir jetzt jedoch nicht umsetzen. Mittelfristig, also in drei Monaten, müssen wir nach 13 Jahren den Betrieb wohl ganz einstellen.“

Können Sie uns einen Überblick über die Projekte der letzten Jahrehaben?

Weber: „Das dürften mittlerweile bald 200 Projekte sein, in denen seit 2006 tausende Einsatzkräfte über die Jahre in fast jedem Krisengebiet der Welt waren. Allein im letzten Jahr haben wir 30 Hilfsprojekte bearbeitet. Dabei helfen wir in den Kriegsgebieten Jemen und Syrien, versorgen Flüchtlinge weltweit – wie in Jordanien, der Türkei, Bangladesch und auch in Kaufering und Landsberg. Wir helfen Bauern in Kenia und Uganda nachhaltig Lebensmittel anzubauen, haben Schulen in Uganda und im Jemen wiederaufgebaut. Ich könnte lange so weiterreden und das alles war nur letztes Jahr.“

Haben Sie noch außerhalb von Kaufering Büros, wie andere Orga­nisationen?

Weber: „Wir sind wirklich eine rein Kauferinger Hilfsorganisation. Wir wollten bewusst nie zu groß werden. Hier in der Dr.-Gerbl-Straße 48 sitzen zehn Personen, die das alles umsetzen. Davon sind gerade einmal vier Personen fest angestellt, der Rest arbeitet auf geringfügiger Basis oder ehrenamtlich. Uns gibt es hier seit über 13 Jahren. Wir hoffen, dass die Corona-Krise das nicht beendet.“

Herr Weber, wir danken für das Gespräch. LandsAid alles Gute, und vor allem: Bleiben Sie und Ihr Team gesund!

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