Jetzt doch noch Infos

Coronavirus: Landratsamt Landsberg lädt kurzfristig zur Pressekonferenz

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Bei der Pressekonferenz dabei waren (v. links): Dr. Ingo Mecklenburg (Klinikum Landsberg), Dr. Birgit Brünesholz (Gesundheitsamt), Landrat Thomas Eichinger und Tobias Reinhold (Abteilungsleiter soziale Angelegenheiten).

Landkreis – Nicht wenige Bürger haben die Informationspolitik des Landsberger Gesundheitsamtes in Bezug auf den Coronavirus kritisiert. Denn vom Amt war nichts zu hören oder zu lesen – auch nicht, als am Dienstag vergangener Woche bekannt wurde, dass der erste in Deutschland mit dem Virus Infizierte im Landkreis Landsberg lebt. Das Gesundheitsamt Weilheim hatte hingegen Meldungen ausgegeben. Obwohl schon am Mittwoch, 22. Januar, vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit die Weisung ausgegangen sei, dass lokale Ämter keine Pressemeldungen mehr ausgeben sollen, informierte Landrat Thomas Eichinger in einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz am Freitagvormittag.

Auf die Frage des KREISBOTEN, warum das Landratsamt nicht zumindest die Anweisung des Ministeriums, Informationen seitens des lokalen Gesundheitsamtes zu unterlassen, kommuniziert habe, kam keine konkrete Antwort.

Generell gehe es darum, die Verbreitung des Virus zu verhindern und die Stigmatisierung möglicher Infizierter zu vermeiden, betonte Eichinger. Die Panik vor der Krankheit sei von den Medien aufgebauscht worden. Die Öffentlichkeit vermute nun, dass die Gefahr heruntergespielt werde.

Die Handlungsanweisungen kämen nun direkt von der Task Force Infektiologie sowie vom Robert-Koch-Institut (RKI). Demnach gehe es nicht um eine gesundheitliche Bedrohung der Infizierten: Bisher liege die Mortalität des Corona- unter der des Influenza-Virus. Nun gelte es, mögliche Mutationen des Virus durch immer größere Ausbreitung zu verhindern. Denn solche Mutationen könnten „schlimme Konsequenzen“ haben. Man müsse demnach die Kontakte der Infizierten prüfen und isolieren. „Und das haben wir getan.“

Schließungen von Kindergär­ten oder Schulen seien nur dann sinnvoll, wenn dort ein erkranktes Kind gewesen sei. „Ansonsten würde man mit einer Schließung etwas signalisieren, was nicht besteht“, erläutert Eichinger. Bisher habe man aber nur ein Kind im Kauferinger Don-­Bosco-Kindergarten gehabt, das Kontakt zu seinem infizierten Vater hatte. Gemäß den Vorgaben des RKI seien Mutter und Kind seither zuhause isoliert worden. Bisherige Test hätten weder bei Mutter noch Kind eine Infektion bestätigt.

Sowohl die Eltern und die Leitung des Kindergartens als auch Schulamtsleiterin Monika Zintel sowie der Schulleiter der Grund- und Mittelschule Kaufering, in der Don Bosco im Moment untergebracht ist, seien informiert worden. „Aber es bestand zu keiner Zeit eine gesundheitliche Bedrohung“, betont Eichinger.

Dr. Birgit Brünesholz, stellver­tretende Leiterin des Gesundheitsamtes Landsberg, informierte über die konkret ergriffenen Maßnahmen. Generell habe das Ministerium Ärzte und Rettungsstellen informiert. Bereits am 22. Januar, der Mittwoch nach Bekanntwerden des Landkreis-Coronafalls, sei eine E-Mail vom Gesundheitsamt Landsberg an den ärztlichen Kreisverband geschickt worden. Danach habe man Kindergarten und Schule in Kaufering informiert. Der Kindergarten hätte eigenständig schließen können, eine rechtliche Grundlage für das Gesundheitsamt, ohne direkte Infektion zu schließen, gebe es aber nicht.

Am Mittwochabend um 22 Uhr habe man die ersten Ergebnisse der insgesamt eingereichten zwölf Proben der wichtigsten Kontaktpersonen des 33-jährigen Webasto-Mitarbeiters erhalten. Darunter auch der Jugendliche, der mit dem Infizierten Eishockey gespielt hatte. Alle Proben seien negativ gewesen, ebenso wie die eines aus Shanghai zurückkehrenden Geschäftsmannes, der im Klinikum Landsberg isoliert worden war. Insgesamt habe man im Landkreis acht Kontaktpersonen isoliert.

Allerdings handele es sich bei den Proben um Ergebnisse mit „temporärer Aussagekraft“, konkretisierte Eichinger. Die Inkubationszeit, in der eine Infektion auftreten könne, betrage 14 Tage. Laut Klinikums-Chefarzt Dr. Ingo Mecklenburg liegt sie nach dem Kontakt zu einem Infizierten durchschnittlich bei rund fünf Tagen, nach zwölf Tagen seien 95 Prozent der Infektionen eingetreten.

Für den Landkreis läuft die Inkubationszeit am 9. Februar ab. Treten bis dahin keine weiteren Infektionsfälle auf, „sind wir safe“, stellt Eichinger in Aussicht. Zumindest mit großer Wahrscheinlichkeit.
Susanne Greiner

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