Patientenmonitoring aus Kaufering

"Corpuls" aus Kaufering im Kampf gegen das Virus

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Ein Blick in die Produktion von „corpuls“ in Kaufering: Geschäftsführer Dr. Christian Klimmer und Teamleiterin Fertigung Michaela Mayer.

Kaufering – „Wir haben ein gutes Gesundheitssystem in Deutschland“. Davon ist Dr. Christian Klimmer überzeugt. Der Geschäftsführer der Kauferinger Firma „GS Elektromedizinische Geräte G. Stemple GmbH“, besser bekannt unter dem Namen „corpuls“, sagte dem KREISBOTEN, vieles sei richtig gemacht worden, um einer Krisensituation wie der Corona-Pandemie Herr zu werden. Im Vergleich zu anderen Ländern sei die Bundesrepublik gut gerüstet, beispielsweise bei der Zahl von Intensivbetten in deutschen Krankenhäusern, die aus dem Stand heraus fast verdoppelt worden seien. Ob das allerdings in diesem Extremfall ausreicht, weiß heute noch niemand. Zu unberechenbar ist das Ausbreiten des Virus.

Mit der Marke „corpuls“ zählt die Kauferinger Firma zu den Weltmarktführern für medizinische Geräte, die für den „Outdooreinsatz“ konzipiert und geeignet sind. Die rund 300 Mitarbeiter produzieren Defibrillatoren, mechanische Thoraxkompressionsgeräte sowie tragbare Patientenmonitoring-Systeme. Letztere sind auch im Kampf gegen das Conora-Virus gefragt. Es sind Geräte, mit denen die Lebensfunktionen kontrolliert werden, beispielsweise Puls, Atmung, Blutdruck, Körpertemperatur oder – bei Coronapatienten besonders wichtig – die Sauerstoffsättigung im Blut. Primar kommt dieses Patientenmonitoring in den Notaufnahmen der Kliniken und beim innerklinischen Transport zum Einsatz, sowie dort, wo die Kombination aus Monitoring und Defibrillation gefordert ist.

Wenn jedoch in einem Krisenfall wie diesem die Intensiv-Bettenzahl erhöht werden muss, beispielsweise durch den Bau von Notlazaretten oder der Umfunktionierung von Hotel- in Krankenzimmer, braucht man nicht nur Beatmungsgeräte, sondern auch die notwendigen Überwachungsgeräte. Hier kommt die Kauferinger Firma mit ihren medizintechnischen Geräten ins Spiel. Zudem müssen Rettungsdienste darauf vorbereitet sein, Fahrten mit Intensivpatienten durchzuführen. Dafür seien die üblichen Rettungswagen in der Regel nicht ausgelegt. Mit den tragbaren Geräten sei jedoch selbst die Überwachung von hochkritischen Patienten gewährleistet, sagt Dr. Christian Klimmer.

Zu den Kunden der Kauferinger Firma gehören Rettungsdienste, Streitkräfte und natürlich auch Kliniken in über 70 Ländern. Auch die Bundeswehr und die Rettungshubschrauber von DRF und ADAC setzen auf die Technik aus Kaufering.

Start mit Defibrillatoren

Den Grundstein für das Unternehmen legte 1982 der Ingenieur Günter Stemple. Was damals mit der Produktion eines Defibrillators begann, entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einem medizinischen Hightechunternehmen. Die Geräte, speziell für den präklinischen Bereich konzipiert, waren durch ihre Robustheit und Leichtigkeit ihrer Zeit weit voraus. Zu einer Zeit, als noch niemand von Telemedizin sprach, konnte mit Hilfe der „corpuls“-Technik 1982 ein EKG von einem Schiff vor der südamerikanischen Küste direkt nach Deutschland übertragen werden.

Heute spielen die telemedizinschen Lösungen von „corpuls“ eine zum Teil lebenswichtige Rolle, weil Daten vom Einsatzort in Echtzeit in Klinken übertragen werden können und somit wertvolle Zeit bei der Behandlung gewonnen werden kann. Diese Technologie kann ebenfalls als Zentralmonitoring bei der Überwachung von mehreren Patienten gleichzeitig eingesetzt werden.

Die Wachstumsraten des Unternehmens waren rasant und die Erfolge unübersehbar. Das Magazin Focus zeichnete das Kauferinger Unternehmen mit dem Titel „Top Arbeitgeber Mittelstand 2019“ aus. Ein Jahr zuvor zählte man bereits zum dritten Mal zu „Bayern Best 50“, eine Auszeichnung des Bayerischen Wirtschaftsministeriums für besonders wachstumsstarke Mittelständler.

Firmengründer Günter Stemple ist heute 78 Jahre alt. Im Ruhestand ist er aber noch lange nicht, wohl aber wegen Corona in freiwilliger Quarantäne. Den Kontakt hält Stemple mit seiner Firma per Videokonferenz. Das operative Geschäft leitet heute Dr. Christian Klimmer gemeinsam mit seiner Frau Iris, der Tochter des Firmengründers und Günter Stemples Sohn Klaus. Letzterer verantwortet darüber hinaus noch den technischen Bereich und die Entwicklung.

Die „GS Elektromedizinische Geräte GmbH“ sei weiterhin ein Familienbetrieb, der auf Qualität setze. Und als Arbeitgeber sei das Kauferinger Unternehmen beliebt, nicht zuletzt deswegen, weil die Menschen einen Sinn in ihrer Arbeit sehen. „Man trägt dazu bei, Menschenleben zu retten“, beschreibt Dr. Christian Klimmer die Philosophie
Siegfried Spörer

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