Im Kulturzelt Kaufering

Urin fürs Ohrläppchen

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Zahlreiche Auszeichnungen hat die Münchener Kabarettgruppe Couplet-AG schon erhalten. Im Kauferinger Kulturzelt zeigten sie derb-skurrilen Humor. Von links: Bernhard Gruber, Jürgen Kirner, Bianca Bachmann und Berni Filser.

Kaufering – Den Schubeck mögen sie nicht bei der Couplet-AG. Den Söder gleich gar nicht. Deftig preisen die vier Künstler „A Zapferl Söder-Rektal“ an, ziehen Eigenurin-Heilige durch den Kakao oder die geheime Peitschen-Vorliebe der Nachbarin vor die Kamera. Am besten sind sie, wenn’s richtig derb wird. Oder wenn Jürgen Kirner als Verrückter im Bademantel im Absurden schwelgt. Den gut 350 Besuchern im Kauferinger Kulturzelt gefällt‘s. Aber so richtig platzt der Knoten erst zum Schluss.

Eigentlich sollte es ja ein Singspiel werden. Aber die Couplet-AG entscheidet spontan um – und spielt das Beste aus 24 Jahren bayerischem Kabarett. Sie orientieren sich an den Volkssängern der Wirtshäuser. Die kommentierten anno dazumal das aktuelle Geschehen, sowohl die große Politik als auch das klein Private. Gern in Form des Couplets. Der dieser Liedform eigene zynische Grundton passt den Vier von der Couplet-AG wie eine zweite Haut. Denn was im Ohr so volkstümlich wirkt, wird durch die Texte kunstvoll. Und sich auf der Bühne so der Hässlichkeit des biederen Alltags hingeben zu können, erfordert wahres Können. Was der Couplet-AG bereits in zahlreichen Auszeichnungen bestätigt wurde.

Da ist das Trinker-Ehepaar aus Wien. Oder die „sensationell durchschnittlich aussehende Lochbichler, Maria“. Die packt vor der Kamera ihre sexuellen Neigungen in Peitschenform aus. Der Heilige aus der Oberpfalz mit „einem Glas Eigenurin, gezapft vom Morgenstrahl“. Wenn Bianca Bachmann die fragwürdige Flüssigkeit den Zuschauern ans Ohrläppchen reibt – „ist noch warm“ –, ist kreischendes Lachen zu hören. Und dazwischen Kirner alias Bademantel-Irrer, der wahlweise seine Niere oder Rente sucht: „Nicht der Merkel geben. Die ist eine Urgroßnichte vom Ulbrich.“ Oder auch eine Wasserpflanze aus Griechenland. Irrsinnig und witzig und irgendwie verwirrend.

In Bachmann und Kirner scheinen unendlich viele Rollen zu schlummern. Singende Proleten, der Moderator mit Schleimstimme oder die Sängerin, die Bayerisch wie Chinesisch klingen lässt. Die sie begleitenden Musiker Bernhard Gruber und Berni Filser bilden den Hintergrund, perfekt bis zur Maultrommel. Keine einfache Unterhaltung. Das braucht Zeit.

Und so steigt die Stimmung im schwach besuchten Kauferinger Kulturzelt bis zum letzten Lied – in dem sich das Lachen im gemeinsamen Singen entlädt.

Heute Abend (5. September) sorgt LaBrassBanda für Stimmung im Kauferinger Kulturzelt. Einlass ist ab 18 Uhr.

Susanne Greiner

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