Schlossberg bleibt Schulstandort

Die CSU-Fraktion plädiert erneut gegen die Schulnutzung, bleibt aber allein auf weiter Flur

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Der Schlossberg bleibt auch nach dem Umzug der Mittelschule in den Westen Landsbergs Schulstandort: Auf Beschluss des Stadtrats gibt es anschließend eine Grundschule.

Landsberg – Die CSU-Fraktion hat in der Stadtratssitzung am Mittwoch vergangener Woche zum zweiten Mal vehement gegen die Nutzung der frei werdenden Mittelschule auf dem Schlossberg als Grundschule plädiert. Durchsetzen konnte sie sich aber nicht. In namentlicher Abstimmung votierten die Mitglieder aller anderen Fraktionen geschlossen für das Vorhaben; auch OB Mathias Neuner (CSU).

In der Februarsitzung hatte der Stadtrat noch Fragen zur Anzahl der Klassen, zu den Schulsprengeln und zum Brandschutz identifiziert. Unklar war auch, ob der Schlossberg ausreicht, um sowohl die Räume der Grundschule am Spitalplatz wie auch die Klassenzimmer im stark renovierungsbedürftigen Schulgebäude in der Pössinger Straße zu ersetzen.

Die Verwaltung führte daher im Vorfeld der Sitzung auf Grundlage eines neuen Gutachtens zu den Schülerzahlen zunächst aus, dass die neue Grundschule vierzügig sein solle, was 16 Klassen entspricht. Gehe man von 28 Schülern pro Klasse aus, sei die Versorgung der Stadt auch ohne den Erhalt der bisherigen Schulräume am Spitalplatz und der Pössinger Straße möglich. Die heutigen Sprengel könnten dann unverändert bleiben. Reduziere sich die Klassenteilungsgrenze auf 24 Schüler, seien mehrere Spren­geländerungen nötig, aber immer noch kein weiteres Gebäude.

Die Verwaltung bat daher den Stadtrat um den Beschluss, die ehemalige Mittelschule als vierzügige Grundschule beizubehalten. Der alte Anbau soll abgerissen und durch einen zweigeschossigen neuen Anbau ersetzt werden. Er soll im Erdgeschoss eine Aula und einen Gymnastikraum enthalten. Darüber sollen vier Klassenräume entstehen. Durch den Anbau sei auch der Brandschutz lösbar. Freilich erfordere ein detaillierter Entwurf einen Architektenwettbewerb, den der Stadtrat mitbeschließen möge.

Sichtbarer Anbau

Christian Hettmer, Petra Ruffing und Bertold Lesch (alle CSU) waren mit dieser Planung erneut nicht einverstanden. Der geplante zweigeschossige Anbau sei ähnlich hoch wie das ursprünglich einmal angedachte Hotel-Nebengebäude und daher von Weitem sichtbar. Außen­sport sei praktisch nicht möglich. Der Hol- und Bringverkehr sei ungeklärt. Außerdem stellte die CSU-Fraktion die neuen Prognosen von „Planwerk“ zur Entwicklung der Schülerzahlen in Frage.

Axel Flörke (Landsberger Mitte), Dr. Reinhard Steuer (UBV), Moritz Hartmann (Grüne) und Jost Handtrack (Grüne) sprachen sich hingegen für die Schulnutzung aus. Die Schlossbergschule sei mit Klassenräumen bis zu 70 Quadratmeter einzigartig. Eine andere Nutzung für den Schlossberg sei nicht in Sicht; man könne doch nicht lauter Bauruinen produzieren. Schulrätin und Lehrer hätten attestiert, dass die Schule geeignet sei. Moritz Hartmann: „Wir müssen die Schulsprengeleinteilung von der Schulstandortentscheidung trennen. Der Schulsprengel muss sich an den Gebäuden orientieren. Für mich ist der Standort alternativlos.“

Zweimal gescheitert

Die CSU-Fraktion war in Sachen Schlossberg zuvor zweimal gescheitert. Zunächst hatte sie sich für den Bau eines Hotels eingesetzt. Später stellte sie den Antrag, eine neue Grundschule am Reischer Talweg zu bauen. Für beide Ideen fand sich keine Mehrheit; auch von Oberbür­germeister Neuner (CSU) gab es keine sichtbare Unterstützung. Das war wohl auch der Grund, warum sieben von acht Mitgliedern der CSU-Fraktion diesmal demonstrativ der fraktionsübergreifenden „Montagsrunde“ fernblieben. Am Mittwoch trieb die Fraktion den Konflikt dann auf die Spitze: Stadträtin Barbara Juchem (CSU) beantragte, namentlich abzustimmen. Der Dissens zwischen der Fraktion und dem Stadtoberhaupt wurde dadurch noch zusätzlich dokumentiert.

Gleichzeitig wurde damit aber auch sichtbar, dass es selbst bei konfliktträchtigen Themen durchaus eine Zusammenarbeit zwischen dem OB und den anderen Fraktionen geben kann. Die namentliche Abstimmung, bei der alle Nicht-CSU-Stadträte dem Oberbürgermeister folgten und alle CSU-Stadträte dem Oberbürgermeister nicht folgten, wurde zu einem Signal: Es geht auch ohne die CSU. Dass Barbara Juchem ihrer Fraktion mit diesem Antrag einen guten Dienst getan hat, kann man daher bezweifeln.

Werner Lauff

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