Landsberg in Finanznot:

Das Tafelsilber ist poliert

+
Wenn städtische Aufgaben auf den Prüfstand stehen, dürfe man laut Haushaltsreferent Harry Reitmeir (CSU) auch über den Verkauf des Betreuten Wohnens in der Johann-Mutter-Straße (Foto) nachdenken.

Landsberg – Kämmerei und Stadtfraktionen haben sich im Vorfeld der Haushaltsberatungen nicht einigen können: Was soll mit den Wohnungen und Immobilien geschehen, die der Stadt gehören? Sanieren? Behalten? Möglichst teuer verkaufen? Das Thema dürfte heuer angesichts der finanziellen Lage zum Dauerbrenner werden.

Wenn es nach der CSU geht, stehen die Wohnungen zum Verkauf. „Die städtischen Aufgaben müssen auf den Prüfstand und da darf auch über den Verkauf der betreuten Wohnanlage an der Johann-Mutter-Straße oder über die Veräußerung städtischen Wohn­raums laut nachgedacht werden“, meinte Haushaltsreferent Harry Reitmeir in seiner Haushaltsrede; sein Fraktionschef Helmut Weber wurde da noch deutlicher: „Die Stadt Landsberg hat 278 Wohnungen. Wenn man sieht, wie nach dem Verkauf am Gottesacker­angerweg saniert wurde, muss man sagen, das hätten wir uns so gar nicht leisten können. Wir sind deswegen für einen Verkauf.“

Zumindest das Betreute Wohnen ist für die SPD dagegen kein Thema, gab Gunnar Kahmke zu verstehen: „Die Seniorenwohnungen in der Mutterstraße stehen für uns nicht zum Verkauf, das möchte ich klar sagen.“ Auch Ludwig Hartmann (Grüne) machte keinen Hehl daraus, dass man bezüglich des Verkaufs von Wohnungen und Immobilien „keinen Konsens“ erzielt habe. „Das ist die Veräußerung des Tafelsilbers. Wir haben schon die Zink-Villa versteigert und südlich der Waitzinger Wiese verkauft, nördlich der Stadtwerke sind jetzt vier Reihenhäuser hingeklatscht.“ Die Stadt tue sich mit weiteren Geschäften keinen Gefallen, so Hartmann. „Wir sollten bezahlbaren Wohnraum anbieten und nicht Immobilien verkaufen.“

Verpflichtend?

Genau das ist der ausdrückliche Plan der CSU. Obwohl von seiten der Konservativen das Wort „Fachmarktzentrum“ gar nicht fiel, schwebte auch die künftige Nutzung des ehemaligen BayWa-Geländes – das sind rund 10000 Quadratmeter – immer wieder im Raum. Man solle auch in Zukunft Flächen anbieten und ausweisen, sagte Reitmeir, um „attraktive Betriebe nach Landsberg zu holen.“ Dabei dürfe man aber die Grundstücke „nicht unter Wert verkaufen oder verschleudern. Überall ist das Preisniveau deutlich angestiegen.“

Angesichts der Schuldenlage seien Verkäufe geradezu verpflichtend, meinte Helmut Weber. „Wenn unser Defizit durch Grundstücksverkäufe zu senken ist, muss ich das machen, schon um Schaden von der Stadt abzuwenden. Das ist auch die Ansicht meiner Fraktion.“

Anders sieht das Ludwig Hartmann, der das Objekt klar ansprach und in Richtung Reitmeir feststellte: „Sie haben dazu aufgerufen, die Grundstücke an das Fachmarktzentrum zu verkaufen. Dabei ist die Entwicklung der Stadt eine ganz andere, dafür wäre unsere Lechstadt zu schade.“ Man habe die BayWa-Fläche für eine Million Euro zu teuer gekauft. „Aber deswegen jetzt zu versuchen, über einen Einmaleffekt höhere Preise zu erzielen, ist nicht der richtige Weg.“

Christoph Kruse

Auch interessant

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Landsberg verzeichnet massive Preissteigerung bei Grund & Boden
Landsberg verzeichnet massive Preissteigerung bei Grund & Boden
Geister steigen aus dem See
Geister steigen aus dem See
Umzug startet mit Schreck
Umzug startet mit Schreck

Kommentare