"Ein Anker der Stabilität"

+
Referent beim Neujahrsempfang der CSU Landsberg im Rathausfestsaal: Dr. Ulrich Netzer aus Kempten, Präsident des Sparkassenverbands Bayern.

Landsberg – Draußen wehte ein stürmischer Wind, dazu regnete es. Drinnen im Festsaal des historischen Rathauses zu Landsberg war derweil der Frühjahrsempfang des CSU-Ortsverbandes. Dabei ging es ums liebe Geld. Referent war Dr. Ulrich Netzer. Der amtierende Präsident des Sparkassenverbandes Bayern gab einen Ausblick darauf, was Bürgern, Anlegern, Kreditnehmern und Politikern mit Blick auf die Finanzwirtschaft in stürmischen Zeiten noch so alles blüht.

Netzer bezeichnete die Regionalbanken – und da bezog er neben den Sparkassen die Genossenschaftsbanken ausdrücklich mit ein – als einen „Anker der Stabilität“. Dies liege an der engen Beziehung zu Kunden und zur Wirtschaft vor Ort. Sparkassen und Genossenschaftsbanken nehmen das Geld in der Region ein und geben es dort auch wieder aus.

„Die Finanzwirtschaft befindet sich in einer verrückten Zeit“, kommentierte Netzer. Die Ursachen dafür lägen bis zu 15 Jahre zurück. Der Präsident des Sparkassenverbandes Bayern nannte die Stichwörter Immobiliengeschäfte, Bank- und Finanzkrise sowie die Krise der Staatsschulden. Die „Lenkungsfunktion“ des Zinses sei vorbei, bedauerte der Redner im Rathausfestsaal. Aktuell würden Kreditnehmer bevorzugt. Gläubiger und Anleger seien benachteiligt, ergänzte Ulrich Netzer (59), der von 1996 bis 2014 Oberbürgermeister in Kempten war. Zuvor leitete er bei der Oberfinanzdirektion in München das Präsidialbüro.

Von den anhaltenden Niedrigzinsen seien ausgerechnet die Institutionen betroffen, die für das Sozialsystem wichtig seien. Netzer nannte vier Bereiche: erstens die Krankenkassen, zweitens die Stiftungen, drittens die betriebliche Altersvorsorge bei Unternehmen sowie viertens Lebensversicherungen und Bausparkassen. Bei den Sparkassen mit ihrem „klassischen Einlagengeschäft sei das Zinsergebnis der wichtigste Faktor. Derzeit profitiere man landes- und bundesweit noch von den Erträgen aus alten Margen. Dies könne sich jedoch wandeln, zumal davon auszugehen sei, dass die Niedrigzinsen bis 2019 anhalten werden.

Wesentlich für eine Veränderung seien Strukturreformen in den europäischen Staaten, die permanent defizitäre Staatshaushalte aufweisen. Neben Griechenland nannte Dr. Netzer vor allem Frankreich und Italien. Der Fokus müsse stärker auf den Stabilitätspakt mit dem Stichwort Haushaltsdisziplin gerichtet werden.

Landrat Thomas Eichinger sagte in seinem Grußwort, der Landkreis Landsberg brauche solide Bankangebote, zum Beispiel für Kredite an Häuslebauer und Unternehmer, zumal er bundesweit auf Platz sechs gelistet werde, was den Bevölkerungszuwachs bis zum Jahr 2030 betrifft. Die Einwohnerzahl steige bis dahin nochmals um zehn bis zwölf Prozent.

Oberbürgermeister Mathias Neuner, Ortsvorsitzender der CSU Landsberg, eröffnete den Frühlingsempfang, den die zwei jungen Musikerinnen Teresa Hüttner und Sophie Wendinger mit Gesang, Altflöten und Viola da Gamba musikalisch abwechslungsreich gestalteten. Weiterhin wartete der OB mit einigen Zahlen auf, als er in das Thema einführte und Dr. Ulrich Netzer vorstellte.

Zum bayerischen Sparkassenverband gehören 71 regionale Kreditinstitute mit 2800 Geschäftsstellen, in denen 45 000 Mitarbeiter beschäftigt sind. Die Bilanzsumme: 182 Milliarden Euro. Angesichts der finanzwirtschaftlichen Herausforderungen dürfe man gespannt sein, wie Sparkassen und Genossenschaftsbanken die Balance „zwischen Tradition und Innovationskraft“ schaffen.

Johannes Jais

Meistgelesen

Landrat klärt Mordfall
Landrat klärt Mordfall
Eine Leiche muss her!
Eine Leiche muss her!
80 Schafe verenden bei Stallbrand
80 Schafe verenden bei Stallbrand
"Besorgniserregende" Entwicklung
"Besorgniserregende" Entwicklung

Kommentare