Cyber-Mobbing:

Im Namen des Rentners

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Cyber-Mobbing: Vor allem mit Pizzen im Überfluss nervte eine 34-jährige Landsbergerin ihren Nachbarn (75) und muss sich nun vor Gericht verantworten.

Landsberg – Besonderer Fall von Cyber-Mobbing: Eine 34-jährigen Lech­städterin hat online im Namen ihres nichts ahnenden Nach­barn 33 Bestellungen im Wert von rund 7000 Euro in Auftrag gegeben. Die Frau habe die Taten inzwischen gestanden. Das Motiv: Streit zwischen Nachbarn.

Opfer des Cyber-Mobbings ist ein 75-jährige Rentner aus Landsberg. Ende Oktober, so Polizeisprecher Andreas Engel, staunte er nicht schlecht, als ein Pizza-Lieferservice mit einer Bestellung im Wert von 120 Euro vor der Tür stand. Der Rentner hielt dies zunächst für eine Verwechslung. In den folgenden Tagen stand die Klingel des Landsbergers nicht mehr still. Weitere Pizzaboten verschiedener Pizzerien aus dem Landkreis Landsberg wollten vermeintliche Bestellungen bei ihm anbringen. Dies gipfelte Mitte November in einer Lieferung im Gegenwert von 540 Euro.

Erste Recherchen der Polizei hatten ergeben, dass sämtliche Bestellungen über ein Pizza-Online-Portal in Auftrag gegeben wurden. Engel erläutert: „Bei diesem Portal ist es möglich, über Internet entsprechende Speisen und Getränke online zu bestellen.“ Es leite die Bestellung dann per Fax an die angeschlossenen Pizzerien weiter. Als vermeintlicher Besteller war der 75-Jährige mit seinen Personalien hinterlegt, zudem sei eine e-Mail-Adresse mit seinem Namen verwendet worden.

Damit aber nicht gut des Schlechten: In der Folgezeit erhielt der Lechstädter von Online-Versandhäusern Bestellbe­stätigungen über Waren im Wert von 2500 Euro – Kühlschrank, Notebooks und weitere technische Geräte. Verlags­gruppen bestätigten dem mittlerweile verzweifelten Landsberger 16 verschiedene Zeitschrift- tenabos für mehrere tausend Euro. Insgesamt seien laut Engel 33 Bestellungen im Gegenwert von knapp 7000 Euro bei Pizzerien, Versandhäusern und Verlagsgesellschaften im Namen des Rentners in Auftrag gegeben. Zwar ist es möglich, im Internet sogenannte „Fake-eMails“ zu erstellen und beliebige Personendaten zu hinterlegen. Anhand des elektronischen Fin­gerabdruckes, der individuellen IP-Adresse zum Zeitpunkt der Bestellung besteht jedoch die Möglichkeit, den Telefonanschluss des Täters auf technischem Wege festzustellen.

Und so führten die Ermittlungen der Polizei zu einer 34-jährigen Frau aus Landsberg, von deren Telefonanschluss (Internetanbindung) die Bestellungen getätigt wurden. Wenig später vollzog die Polizei einen Durchsuchungsbeschluss der Staatsanwaltschaft Augsburg. Unterstützt wurden die Ermittler aus Landsberg von Spezialisten der Regionalen Beweismittelauswertung der Kripo Fürstenfeldbruck. „In einer ersten Bewertung konnten Bestellungen am Rechner der 34-jährigen nachvollzogen werden“, berichtet Engel, „sie zeigte sich zudem geständig.“

Die meisten illegalen Bestellungen habe man stornieren können, dennoch seien die Pizzerien rund 1000 Euro sitzen geblieben. Die Polizei ermittelte wegen Betruges und „Fälschung beweiserheblicher Daten“ – elektronische Urkunden­- fälschung. Toni Schwaiger

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