Von wegen "schwebendes Baumdach"

Winterschnitt macht staksig

+
Zu hoch für ein „schwebendes Baumdach“? Mit den vier Dachplatanen auf dem Hauptplatz schien Stadtbaumeisterin Annegret Michler zunächst nicht zufrieden.

Landsberg – „Man muss immer erst eine Nacht darüber schlafen“, sagt eine Redensart. Zurecht, denn nur so hat man sehr viel Zeit zum Nachdenken und Abwägen, um dann (hoffentlich) richtig zu entscheiden und zu handeln. Das scheint auch Stadtbaumeisterin Annegret Michler beherzigt zu haben, nachdem sie sich im Stadtrat noch sehr unzufrieden mit den Bäumen auf dem Hauptplatz gezeigt hatte.

An der erst im Frühjahr dieses Jahres vom Stadtrat beschlossenen Bepflanzung des neuen Hauptplatz scheiden sich seit jeher die Geister. Inzwischen von den Mitarbeitern des Stadtbauhofes in die riesigen „Pflanztröge“ eingebracht, stimmen die vier Bäume beileibe nicht alle Beteiligten zufrieden. Als „dicht stehender Pulk geschnittener Dachplatanen um das Buswartehaus gruppiert“, beschrieben es die Landschaftsarchitekten Lohrer.Hochrein in der „Umsetzung der Bürgeranregungen“. Und weiter: „Das Baumdach schwebt über dem steinernen Platz, bietet an heißen Tagen Schatten, verstellt die Sicht auf die Fassaden nicht, da die Bäume hoch aufgeastet sind, und lässt genügend Raum für Sonderveranstaltungen, wie dem Ruethenfest.“

Von „dicht stehendem Pulk“ kann, das ist augenfällig, nach der Pflanzung keine Rede mehr sein. Und das „hoch ausgeastet“ scheint man etwas zu hoch angesetzt zu haben – so hoch, dass die Stadtbaumeisterin am Mittwoch auf Nachfrage einräumte, mit dem spärlichen Gehölz auf dem Hauptplatz ganz und gar nicht zufrieden zu sein. Man prüfe derzeit Auftrag und Ausführung, ließ Michler wissen, und deutete an, dass dabei auch eine Ersatzpflanzung nicht ausgeschlossen sei.

Inzwischen hat die Stadtbaumeisterin nicht nur eine, sondern sechs Nächte darüber geschlafen – erst dann gab’s aus ihrem Hause Antworten auf die einen Tag nach der Ratssitzung gestellten Fragen des KREISBOTEN. Gut Ding’ braucht eben Weile und ganz so schlimm ist das mit den vier Platanen jetzt nun auch wieder nicht. Sie waren mit einem „Kronenansatz von 4,00 Metern“ bestellt worden, bei der „Überprüfung vor Ort“ jedoch lag er bei 4,30 Meter. Ursprünglich geplant sei ein „variierender Kronenansatz zwischen 3,60 und 4,30 Meter“ gewesen, was jedoch nicht lieferbar war. Bei den Höhenvorgaben habe man sich an der Oberkante des Buswartehäuschens und am erforderlichen Lichtraumprofil orientiert.

Die staksige Form, übermittelt Stadtpressesprecherin Simone Sedlmair, sei dem „ersten Winterschnitt“ geschuldet. „Ein Baum mit einer vollständig ausgebildeten Krone hätte nicht oder nur unter extrem großem Aufwand transportiert werden können.“

Um das von Lohrer.Hochrein beschriebene schwebende und Schatten spendende Baumdach zu bekommen, müssen die Kronen erst „gezogen“ werden. Dabei bindet man die Äste der Bäume an die in die Baumkronen eingestellten Bambusgerüste und zieht sie in die ge­wünschte Form. „Dieser Vorgang nimmt mehrere Jahre in Anspruch“, weiß Simone Sedl­mair.

Toni Schwaiger

Auch interessant

Meistgelesen

40 Mal direkt in die Lehre
40 Mal direkt in die Lehre
Neue Könige der Gesellschaft?
Neue Könige der Gesellschaft?
Eresing zelebriert sein 950-Jähriges
Eresing zelebriert sein 950-Jähriges
Tiefe Einblicke ins Landsberger Klosterleben
Tiefe Einblicke ins Landsberger Klosterleben

Kommentare