Damit Fische wandern können

„Der Lech ist ein Energiefluss“, sagt Bernhard Kalusa von e.on-Wasserkraft. Um die Wasserkraft in Strom umzuwandeln betreibt das Unternehmen „Laufwasserkraftwerke“ an den Staustufen. Der Lech ist tatsächlich als Energiefluss zu sehen, denn durch die Nutzung der Wasserkraft wurde das natürliche Fließgewässer enorm verändert. So sehr, das aus dem Fluss eine Seenkette entstand. Der Lech gilt daher als „heavy modified“, als stark verändert, wie Heinrich Heiß von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt weiß. Doch das Wasser ist mehr als nur Energielieferant, es ist immer noch Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Und das verpflichtet die Betreiber der Wasser- kraftwerke, für Ausgleich zu sorgen und der Natur zu helfen, mit den völlig veränderten Bedingungen klarzukommen. An der Lechstaustufe 18 bei Kaufering etwa ist daher eine große Fischaufstiegshilfe geplant.

Mit dem Umgehungsgerinne soll der Lech an dieser Stelle trotz Kraftwerksanlage „durchgängig“ gemacht und der Artenaustausch ermöglicht werden. Besonders für jene Fische, die so flussaufwärts zu ihren Laichplätzen gelangen können, sind die Fischtreppen überaus nützlich. Grund zum Wandern kann aber auch sein, dass Fische ihre Lebensräume wechseln wollen. Kalusa, der Leiter Produktion von e.on in Landshut, spricht bei der geplanten Fischtreppe von einer technisch anspruchsvollen Anlage mit immensen Kosten. Er erklärt: „Wir sind startbereit für die Ersatzmaßnahmen.“ Da diese Maßnahmen aber an die Verlängerung der Betriebserlaubnis des Schwellbetriebs von der Staustufe 18 bis 23 bei Merching geknüpft sind, wird es wohl noch eine Zeit lang dauern, bis die Fische eine Treppe bekommen. Der Hintergrund: Soll die Erlaubnis für den Schwellbetrieb erneuert werden, dann können die Behörden Auflagen als Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen für die Eingriffe in die Natur stellen können. Grünes Licht in 2010? Bisher ist der e.on-Schwellbetrieb bei Kaufering (Kopfspeicher), der sich über Schwabstadl, Scheuring, Prittriching, Unterbergen und Merching als Endspeicher fortsetzt, nur vorläufig vom Landratsamt Landsberg genehmigt. Der „vorzeitige Beginn“ wurde im September 2003 zugelassen. E.on Wasserkraft wartet nun auf das abschließende Ja. Wann das genau sein wird, steht noch nicht fest. „Vielleicht im kommenden Jahr“, gibt Anton Wittmann vom Sachgebiet Wasserrecht im Landratsamt eine vorsich- tige Prognose. Die Beratungen mit dem Wasserwirtschaftsamt Weilheim und anderen Beteiligten würden noch andauern. Die Fischaufstiegshilfe, die dann gebaut werden soll, sieht Naturschutz-Fachmann Heinrich Heiß „als wichtigen Schritt zur ökologischen Aufwertung des Gewässers“. So soll auch bei der Staustufe 23 bei Merching im Landkreis Aichach-Friedberg eine Fischtreppe entstehen. Und bei zukünftigen Genehmigungsverfahren würden weitere Aufstiegshilfen gefordert. Dass Gewässer durch Wasserkraftwerke undurchlässig für die Fische werden ist ein Problem. Aufgrund des Schwellbetriebs kommt noch der schwankende Wasserstand hinzu, mit dem die Kraftwerkbetreiber die Stromerzeugung regulieren. In Abhängigkeit vom Bedarf beziehungsweise vom Strompreis geschieht das. So wird zum Beispiel zu Tageszeiten mit geringen Preisen das Wasser zurückgehalten, also gestaut. Zu Zeiten mit hohem Strompreis wird viel Wasser durch die Turbinen gelassen. Dadurch lässt sich eine höhere Leistung erreichen als es der natürliche Zufluss ermöglichen würde. An der Staustufe 18 kann der Wasserstand in Extremfällen um bis zu 1,20 Meter schwanken und so Uferbereiche trockenlegen. „Es ist mit Ebbe und Flut vergleichbar“, erklärt Heiß. Wasserstand schwankt Diese, wenn auch kurzzeitigen, Schwankungen halten die Gewässerorganismen kaum aus. Die Laichplätze der Fische am Ufer können vertrocknen. Jungfische, die in den Uferregionen aufwachsen, sind ebenfalls betroffen. Um hier Ausgleich zu schaffen, hat e.on Wasserkraft bereits eine zweite Uferlinie für die Jungfische angelegt. Dieses zweite Ufer besteht aus Bündeln von Bäumen, Ästen und Sträuchern, die mit Stahlseilen zusammengebunden und durch Beton beschwert, im Grund des Lechs eingebaut sind. Die Jungfischen finden hier Rückzugsorte, wenn der Wasserstand am Ufer abfällt. Um weiter im Sinne der Natur auszugleichen, weil etwa Laichplätze verschlammen, wurde Kies in den Lech eingebracht und so künstliche Laichplätze geschaffen. Diese Maßnahmen bleiben aber immer nur Ausgleich und Ersatz für den Betrieb der Wasserkraftwerke. Ihr Anteil an der öffentlichen Stromversorgung in Bayern ist hoch und liegt bei 16 Prozent. Wasserkraft ist im Freistaat damit Energiequelle Nummer 2, nach der Kernenergie, wie das Landesamt für Umwelt informiert.

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