Dann dauert’s eben etwas länger

Das Herkomermuseum (links) ist seit April geschlossen. Wie es in Zukunft genutzt werden soll, ist nach wie vor offen. Auf das von Museumsleiter Sonia Fischer vorgelegte Konzept wollte sich der Stadtrat nicht festlegen. Foto: Schwaiger

Und was nun? Museumsleiter Sonia Fischer ist fürwahr nicht zu beneiden. Im April ließ sie Herkomermuseum und Mutterturm „vorläufig“ schließen, weil drin­- gend sanierungsbedürftig, arbeitet seither intensiv am neuen Nutzungskonzept und präsentierte es jüngst im Stadtrat. Sie fand damit zwar Gefallen, soll nun aber „ergebnisoffen“ weiterplanen und bis zur Wiedervorlage die Kosten ermitteln – so der umstrittene Beschluss des Plenums. Fischers Ziel, das En­semble im März 2014 zum 100. Todestag Hubert von Herkomers wieder zu eröffnen, scheint in Gefahr.

Das Thema an sich ist nicht neu. Bereits vor drei Jahren sind die „offenkundigen Schäden“ am Herkomer-Anwesen und Mutterturm vom Bauamt dokumentiert worden. Danach standen im Haushalt 2010 der Her­- komerstiftung für das Beheben der Schäden 300000 Euro zur Verfügung. Davon seien bislang 50000 Euro verbraucht worden, erläuterte Fischer, im Mutterturm für Arbeiten an den Fenstern und die Statik im Kellergewölbe (der KREISBOTE berichtete). „Die Instandsetzung des kulturhistorisch überaus wichtigen Denkmalensembles steht dringend an“, mahnte Museumsleiterin Fischer im Stadtrat. So bröckelt etwa im Herkomer-Anwesen der Putz von der Wand, darüber hinaus führt die hohe Luftfeuchtigkeit zur Schimmelbildung, die auch vor den Exponaten nicht Halt machen. Im Mutterturm wiederum sei das Raumklima viel zu trocken, was zu „deutlichen Substanzverlusten“ bei Mobilar und Holzeinbauten führe. Die Ursache dafür sei das starke Heizen während der kalten Jahreszeit, schließlich wird im Mutterturm ganzjährig getraut – in 2009 etwa 150 Mal, was immerhin 10650 Euro ins Stiftungssäckel fließen ließ. Künftig möchte Fischer Trauungen auf das warme Halbjahr konzentrieren – von Mitte April bis Mitte Oktober. „In diese Zeit fallen ohnehin 80 Prozent der Anfragen.“ Den Betrieb des Herkomer-Museums erachtet Fischer als „nicht mehr zeitgemäß“. Die in den 80er Jahren eingerichtete Dauerausstellung sei technisch wie inhaltlich veraltet. Weiterhin führe die Vermietung der Dienstwohnung im Obergeschoss zu Störungen des Museumsbetriebes. Das Mietverhält­- nis soll fristgerecht gekündigt werden, parallel dazu versuche die städtische Liegenschaftsverwaltung eine gleichwertige Wohnung zu finden. Das von Sonia Fischer präsentierte Konzept sieht den Umzug der Museumsräume in das Obergeschoss vor. Den Übergang zum Mutterturm möchte sie in die Ausstellung integrieren und damit zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Die von Herkomer als Gesamtkunstwerk angelegte Gebäudegruppe würde als solche erkennbar und der Zugang zum Turm könne kontrolliert werden. Bislang konnten sich Besucher während der Öffnungszeiten des Museums unbeaufsichtigt im Mutterturm aufhalten. Mit Herkomer-Café Wie von Prof. Mathias Theodor Vogt im Rahmen des „Konzepts zur Entwicklung der kulturellen Infrastruktur“, kurz KEKIS, vorgeschlagen, würde die Museumsleiterin das Erdgeschoss für ein Café umgestalten und verpachten. „Eine zusätzliche Einnahmequelle für die Herkomerstiftung.“ Bedingung: Inhaltliche Bezugnahme auf das künstlerische Schaffen Herkomers und eine Außenterrasse mit bis zu 50 Plätzen an der Südseite. Zielgruppen: Touristen, Trauungsgäste, Mitarbeiter des nahen Landratsamtes. Fischer: „Das Café Herkomer könnte Geschmack aufs Museum machen.“ Wünschenswert, so die Museumsleiterin, sei zudem die Aufwertung des Herkomer-Parks, orientiert am ursprünglichen Gestaltungswillen des Landsberger Ehrenbürgers. Für Veranstaltungen wie den Töpfer­­- markt sollte er dann nicht mehr genutzt werden, so Fischer. „Historisch gesehen müssten wir dann auch den Parkplatz zurücknehmen“, forderte Dr. Andreas Hartmann (Grüne) in diesem Zusammenhang. Während Reinhard Skobrinsky (BAL) und Ursula Schaller (SPD) das neue Konzept, besonders das Café Herkomer, in höchsten Tönen lobten, fand Dr. Reinhard Steuer (UBV) wenig Gefallen daran. Er sprach sich dafür aus, das gesamte Anwesen als Museum zu nutzen, um die Bedeutung Herkomers für Landsberg besser zu pointieren. Den Betrieb eines Cafés lehnt er ab: „Das ist nicht rentabel.“ Ergebnisoffen planen Letztlich lehnte der Stadtrat das Nutzungskonzept für das Herkomer-Anwesen ab (8:16). Er nahm es aber in der zweiten Abstimmung mit 17:9 „zur Kenntnis“ und beauftragte die Verwaltung mit der Entwurfsplanung sowie Kostenschätzung – das Bauamt für die baulichen Maßnahmen und die Museumsleitung für die Neukonzeption. „Ergebnisoffen.“ Der Kommentar von Stadtjuristin Petra Mayr-Endhart dazu: „Möglich ist das schon, aber es dauert halt etwas länger.“

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