Das Ende des »Cinemamobile« von Wolf Gaudlitz

Mobiles Kino bei Finning komplett ausgebrannt

Cinemamobile steht in Flammen
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Das Cinemamobile steht in Flammen: Am Freitag ist Wolf Gaudlitz‘ mobiles Kino komplett ausgebrannt.
  • Susanne Greiner
    VonSusanne Greiner
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Finning – Ein Beamer ist gerettet. Wenigstens das. Wolf Gaudlitz‘ Cinemamobile, sein Open-Air-Kino-Lkw, mit dem er Filme bis in die Wüste gebracht hat, ist hingegen nicht mehr zu retten. Nach einem Kurzschluss in der Fahrerkabine am Freitag brannte der blau-weiße Mercedes A 1017 komplett aus. Der 66-Jährige lässt sich nicht entmutigen: „Ich mache alles wie geplant.“ Zum Beispiel heute Abend: Da wird es eine Sondervorstellung des Dokufilms „Lionhearted – Aus der Deckung“ im Windacher Schloss geben – lange vor dem offiziellen Kinostart, samt Regisseurin Antje Drinnenberg. Und auch beim Sammersee in Steinebach wird der Münchener Weltbürger ab Donnerstag seine Leinwand aufspannen. 

„Es war eine Götterdämmerung“, erzählt Gaudlitz. „Spektakulär, wie der Lkw da am Maisfeld in Brand stand, Kino im ganz großen Stil. Besser hätte man das nicht inszenieren können.“ Und weil ein Filmemacher Ereignisse in Bildern dokumentiert, greift Gaudlitz auch dann zum Fotoapparat, wenn sein Cinemamobile lichterloh brennt (siehe Fotos). „Schade, dass nur so wenige Menschen dieses Spektakel gesehen haben.“ Galgenhumor? Zumindest eine Art davon. Das hilft in schwierigen Situationen, weiß der 66-Jährige.

Die traurigen Reste des Cinemamobiles von Wolf Gaudlitz nach dem verheerenden Brand.

Schon in Finning habe er es gerochen, sagt Gaudlitz, dass da was mit dem Motor nicht stimmt. Angehalten hat er nicht: „Ich wollte niemanden gefährden. Und da am Berg konnte ich ja nicht einfach stehenbleiben.“ Weshalb er weiterfuhr, in einen Feldweg, und den Lkw an einem Maisfeld abstellte. Zuerst habe er versucht, mit einem Feuerlöscher im Motorraum zu löschen, „da hat es nur geschmort“. Bei der ersten Flamme wählte Gaudlitz aber sofort die 112. Die waren auch in zehn Minuten da, sagt er. Noch schneller waren aber zwei Porschefahrer, zufällig Feuerwehrler. Mit deren Hilfe habe er den Beamer aus dem Lkw retten können. Nicht nur sie halfen: „Bruno Frieb, ein Bauer, hat mit seinem Traktor die Wände des Lkw eingerissen, damit die Feuerwehr alles löschen konnte.“ Stundenlang habe das gedauert. Für die Hilfe habe er nicht mal etwas wollen, erzählt Gaudlitz.

1998 kaufte der Cineast den Zwölfeinhalbtonner Baujahr 1981 dem Militär in Sigmaringen ab und rüstete ihn für nicht wenig Geld zum Kinomobil um. Die Polizei beziffert den Schaden zwar ‚nur‘ mit 35.000 Euro. Aber so einen Wagen, „das tollste Off-Road-Fahrzeug“, bekomme man heute nicht mehr so leicht, weiß Gaudlitz. Als er ihn kaufte, hatte der Lkw gerade mal 9.000 Kilometer auf dem Tacho. Kurz vor seinem Ende waren es über 250.000 Kilometer. Gefahren ist Gaudlitz damit vor allem in die Wüste, von seinem Hauptlebensort Sizilien aus, und auch nach Deutschland – wenn der TÜV für den Lkw fällig war. Jetzt sei er 23 Jahre durch die Welt gegondelt, ohne dass etwas passiert. „Und dann ausgerechnet hier in Oberbayern.“ Gaudlitz lacht. Denn am Donnerstagabend flimmerte über die Leinwand seines Cinemamobiles der Eberhofer-Krimi „Winterkartoffelknödel“ – eher ein Ausreißer in Gaudlitz Arthouse-Programm. Vielleicht hätte er ihn nicht zeigen sollen: „Denn davor hab ich noch gesagt, wenn ich einen Eberhofer-Film zeige, brennt mir die Leinwand ab.“

Balsam für die Seele

Was den Filmemacher trotz Komplettverlust seines Kino-Zuhauses freut, ist die Hilfe, die er bekommen hat. Durch die Porsche-Fahrer, durch Bauer Bruno Frieb, durch die Feuerwehrleute. „Und dann kommt da am Sonntag noch die E-Mail von dem Bus­unternehmen Probst aus Ichenhausen“, erzählt Gaudlitz. Sie hätten da noch eine Leinwand, sechs Meter breit, die würden sie ihm gerne schenken. „Da spürt man: Die Leute sind gesund. Das ist Balsam für die Seele.“

Angefangen habe das schon mit dem wunderbaren Kultursommer Landsberg, bei dem Gaudlitz unter anderem auch seinen Film „Sahara Salaam“ in Windach gezeigt hatte (der KREISBOTE berichtete). Schön, wie da die Kulturschaffenden direkt unterstützt würden. Ihm gefalle auch die Neugier der Leute hier im Landkreis, „das hat nichts von den Großkopferten“.

Der künstlerische Leiter des Kultursommers Franz Hartmann und sein Bruder, Zweiter Bürgermeister Moritz Hartmann, wollen Gaudlitz unter die Arme greifen. Denn der lässt sich nicht von seinen Plänen abbringen: „Es geht doch um die Kultur“, sagt er. „Wir sind deren Dienstleister.“ Und: „Ich kann ja gar nicht anders als weitermachen. Das ist ja auch mein Leben.“

Gaudlitz Motto: „Du hast keine Chance, aber nutze sie.“ Es stammt aus Achternbuschs „Atlantikschwimmer“. Die Leinwand für sein ‚Weitermachen‘ ist gesichert, auch dank dem Geretshausener Rainer Hollenweger, der mit ihm die Aufhängung für die Leinwand – „der letzte Rest des Cinemamobile“ – geschrubbt habe, erzählt Gaudlitz. Filme hat er genug, ein Beamer hat ja auch überlebt. Ob er aber wieder ein Cinemamobile haben wird, weiß Gaudlitz noch nicht. Wenn, dann gehe das nur über Spenden, er selbst habe keinen Besitz. Und außerdem die Umwelt: Mit dem Brand habe er die Luft so stark verschmutzt, da sollte er doch nicht auch noch den langen Weg in die Wüste fahren. Und wenn doch, dann vielleicht mit einer Kutsche.

Nachtrag: Nach der Online-Veröffentlichung dieses Artikels meldete sich der Marketingleiter des Filmpalastes Kaufering Sebastian Kremer beim KREISBOTEN. Er leihe Gaudlitz gerne eine mobile Leinwand und eine Beschallungsanlage, natürlich kostenlos. Klappt doch mit der Solidarität im Landkreis.

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