"Das war wie im Film"

Selbst auf die am Boden liegenden Opfer prügelten die drei Angeklagten und am Amtsgericht verurteilten Schläger aus Landsberg noch ein. Foto: Merkur online

Eine Schlägerei ist drei jungen Männern teuer zu stehen gekommen. Ohne ersichtlichen Grund waren sie im Juli auf eine zehnköpfige Gruppe losgegangen und hatten vier Jugendliche mit Fausthieben und Tritten verletzt. Das Landsberger Schöffengericht verurteilte nun zwei der Schläger zu Haftstrafen, einzig die Strafe des Dritten wurde zur Bewährung ausgesetzt.

Volle vier Stunden dauerte die Verhandlung, bis Richter Dr. Wolfgang Daum schließlich sein Urteil sprechen konnte. Dabei drohte die Verhandlung gleich zu Beginn zu platzen, als die Verteidiger der Angeklagten einen Befangenheitsantrag gegen einen der beiden Schöffen stellten. Dieser hatte zuvor erklärt, die Angeklagten von einer früheren Straftat her zu kennen. Daum jedoch lehnte den Antrag ab. Anschließend begann die mühsame Rekonstruktion der Tatnacht, was auch daran lag, dass nur einer der Angeklagten seine Beteiligung einräumte – ohne freilich seine Komplizen zu belasten. Seine Schilderung, er sei später dazugekommen und habe einfach begonnen „mit in die Masse zu schlagen“ traf beim Richter allerdings auf wenig Verständnis. Elf Zeugen – darunter auch die vier Opfer, die Strafantrag gestellt hatten – versuchten daraufhin, mit ihren Aussagen mehr Licht ins Dunkel zu bringen. Am fraglichen Abend hatten die Jugendlichen in der Wohnung eines der späteren Opfer das WM-Spiel Deutschland gegen Spanien angeschaut. Anschließend brach die Gruppe auf, um in der Landsberger Innenstadt in den Geburtstag des Gastgebers reinzufeiern. Auf Höhe der Musikschule kamen den Jugendlichen die drei angeklagten Landsberger entgegen. Diese hätten „rumgeschrien“ und „aggressiv“ ge­- wirkt, so die Aussage mehrerer Zeugen. „Ich haue jetzt jemanden aufs Maul“, zitierte gar einer der Beteiligten den Kräftig-­ sten der Drei. Der 24-jährige Produktionsarbeiter sei es auch gewesen, der mit der Schlägerei begonnen habe, waren sich die Zeugen einig. Nachdem er im Vorbeigehen mehrere Mitglieder der Gruppe offensichtlich „mit Absicht“ angerempelt habe, sei er plötzlich auf einen der Jugendlichen losgegangen. „Das war wie im Film – ohne Vorwarnung“, berichtete eines der Gruppenmitglieder. Gemeinsam mit seinem Bruder und Cousin habe der 24-Jährige das Opfer mit Fäusten und Tritten traktiert, bis dieses am Boden lag. Die Folge: Ein Würgemal am Hals und ein gerissenes Trommelfell. Dem Bruder des Opfers erging es nicht viel besser. Beim Versuch, zu helfen, sei er nach einer kurzen Rangelei gestürzt und mit einer Platzwunde und Gehirnerschütterung ohnmächtig am Boden liegen geblieben, berichtete er. Eine junge Frau, die schlichtend in den Tumult eingreifen wollte, trug einen Faustschlag ins Gesicht davon. Schließlich flüchteten die drei alkoholisierten Angreifer entlang des Peter-Dörfler-Wegs, wurden jedoch kurz darauf von der Polizei gestellt. Da sich keiner der Zeugen zweifelsfrei an die Gesichter der Täter erinnern konnte, sah Verteidiger Peter Amend, der den Haupttäter vertrat, die Schuld seines Mandanten nicht „mit ausreichender Sicherheit“ erwiesen. Auch Karl Mayer, der den zweiten Angeklagten verteidigte und zuvor mit dem überraschenden Antrag auf Anhörung einer angeblichen Entlastungszeugin gescheitert war, verfolgte eine ähnliche Strategie. Beide plädierten auf Freispruch. Anwalt Rasso Leitenstorfer, dessen Mandant seine Tat eingeräumt hatte, forderte eine Bewährungsstrafe. Einschlägig vorbestraft Oberstaatsanwalt Thomas Weith hingegen sah die gemeinschaftlich begangene schwere Körperverletzung der drei Angeklagten als erwiesen an. Er verurteilte den „grundlosen Angriff“, bei dem vier Jugendliche „nicht unerhebliche Verletzungen“ davon getragen hätten. Für den 24-Jährigen und seinen jüngeren Bruder forderte er angesichts einschlägiger Vorstrafen und Verstoß gegen die offene Bewährung Freiheitsstrafen von einem Jahr und sechs Monaten respektive einem Jahr und drei Monaten. Für den dritten Angeklagten hielt Weith eine Bewährungsstrafe von acht Monaten samt einer Geldauflage von 2000 Euro für angebracht. Richter Daum folgte in seinem Urteil im Wesentlichen Weiths Ausführungen, blieb einzig beim jüngeren Bruder des Haupttäters mit einem Jahr Gefängnis sowie – im Falle des dritten Täters – mit einer Geldstrafe von 1500 Euro etwas unter den Forderungen des Oberstaatsanwalts. Dass nicht mehr zweifelsfrei nachvollzogen werden könne, wer welche Schläge ausgeführt habe, liege bei so einer Schlägerei in der Natur der Sache, erläuterte Daum. Es gelte daher das Prinzip „mitgefangen, mitgehangen“. Den anstehenden Gefängnisaufenthalt hätten sich die beiden Brüder selbst zuzuschreiben: „Da hilft es auch nicht, dass die Bewährung bislang gut gelaufen ist.“

Auch interessant

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Tiefe Einblicke ins Landsberger Klosterleben
Tiefe Einblicke ins Landsberger Klosterleben
Passanten retten zwei Frauen aus brennendem Unfallauto
Passanten retten zwei Frauen aus brennendem Unfallauto
Umzug startet mit Schreck
Umzug startet mit Schreck

Kommentare