Verkauf als letzter Ausweg

Ist der Gnadenhof Frauenwies noch zu retten?

Gnadenhof Frauenwies - Luftbild
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Der Gnadenhof Frauenwies in ländlicher Umgebung zwischen Lengenfeld und Pflugdorf steht zum Verkauf.

Landkreis – Seit über 30 Jahren bietet Janne Kellner alten und schwachen Tieren auf ihrem Hof ein Zuhause. 18 Pferde, vier Ponys, vier Esel, 20 Katzen und drei Hunde leben friedlich miteinander. Doch nun droht das endgültige Aus, denn Spenden sind rar geworden und die Betriebskosten hoch. Muss Janne Kellner im Januar 2021 zu drastischen Maßnahmen greifen?

„Ich bin wirklich im Eimer“, sagt die Hüterin der Tiere und seufzt. „Die Spenden bleiben aus, denn dank Corona haben viele Künstler, die mich unterstützt haben, kein Geld mehr.“ Damit könne sie die laufenden monatlichen Kosten nicht mehr decken. Das Futter etwa reiche nur noch bis Januar. Janne Kellner ist nun auf der Suche nach Investoren und bietet das komplette Areal zum Verkauf an.

Gnadenhof-Eigentümerin Janne Kellner (Mitte) mit den Immobilienmaklern Diana Seewald (links) und Manuel Riesemann.

Unterstützt wird sie dabei durch Immobilienmakler Riesemann aus Landsberg, der sich der Sache angenommen hat und Janne helfen möchten. Manuel Riesemann berichtet: „Als wir gehört haben, dass die Dame und die Tiere in Not sind, haben wir uns sofort bereit erklärt, das Objekt zu betreuen. Wir vermarkten das Anwesen ohne zusätzliche Käuferprovision. Wir möchten an der ganzen Geschichte gar nichts verdienen. Deshalb spenden wir unsere Zeit und unsere Maklercourtage.“

Die Tiere sollen bleiben

Die Grundstücksfläche beträgt 10.225 qm². Auf dem Gelände finden sich zwei Wohnhäuser sowie Stallungen. 800 qm² Bauland sind ausgewiesen. Zusätzlich gibt es vier Hektar landwirtschaftliche Nutzflächen. Interessenten gebe es zu genüge, erzählt Manuel Riesemann, obwohl die Tiere bleiben sollen. Auch Janne Kellner möchte weiterhin auf dem Hof wohnen, wie sie sagt: „Ich habe es den Tieren versprochen, dass ich sie bis zu meinem Tode versorgen werde. Ich kann sie nicht im Stich lassen. Es muss jemand kommen, der den Kauf als langfristige Investition sieht.“

Keine leichte Konstellation, obwohl auch Pürgens Erster Bürgermeister Wilfried Lechler Gesprächsbereitschaft signalisiert, wie er gegenüber dem KREISBOTEN bestätigt: „Wir sind bereit, uns die Pläne eines Käufers anzuhören und gegebenenfalls die nötigen Genehmigungen für Umbauten oder Abrissarbeiten zu geben. Auch wir wollen helfen.“ Rund 11.000 Euro werden pro Monat gebraucht, um die Tiere zu versorgen und einen festangestellten Mitarbeiter zu bezahlen. Janne Kellner könnte sich auch ein anderes Modell als den reinen Verkauf vorstellen: „Möglicherweise findet sich auch ein Sponsor, der die Kosten übernimmt und am Ende Eigentümer des Grundstücks wird. Aber vielleicht gibt es auch sehr viele Menschen, die bereit sind, jeden Monat fünf Euro zu geben.“

Verschiedene Modelle

Das idyllische Anwesen zwischen Lengenfeld und Pflugdorf dürfe auch gewerblich genutzt werden, versichert Bürgermeister Wilfried Lechler. Die Lage ist ideal, zur A96 oder nach Landsberg fährt man gerade mal zehn Minuten. Als Preis sind derzeit 800.000 Euro aufgerufen, aber Manuel Riesemann erklärt: „Wir sind in ständigem Kontakt mit Frau Kellner und möglichen Interessenten. Der Betrag ist nicht in Stein gemeißelt, es sind verschiedene Modelle möglich. Die Verhandlungen sind zwar nicht leicht, aber wir bleiben optimistisch.“ Janne Kellner hingegen beklagt ihre Erschöpfung und fühlt sich dem Burnout nahe: „Gesundheitlich bin ich schwer angeschlagen, aber ich kann die Tiere nicht alleine lassen. Ich würde sie zu sehr vermissen. Wenn sich die Situation bis Januar nicht grundlegend verbessert, werde ich sie einschläfern lassen müssen. Das wird mir das Herz zerreißen.“

Bleibt für sie und vor allem für die Tiere zu hoffen, dass Manuel Riesemann noch vor Ablauf des Jahres einen Verkauf in die Wege leiten kann. Oder dass sich ein Wohltäter findet, der dem Fortbestand des Heims für Tiere garantieren kann.
Dietrich Limper

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