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Das Geisterrad der Landsberger Katharinenstraße

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Von: Susanne Greiner

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Geisterrad Katharinenstraße
Ein ‚Geisterrad‘ erinnert an den tödlichen Unfall Anfang August in der Katharinenstraße, bei dem ein Fahrradfahrer ums Leben kam. Beim Bergabfahren hatte ihn eine aus der Dominikus-Zimmermann-Straße in die Katharinenstraße einfahrende Pkw-Fahrerin übersehen. Das weiße Fahrrad sollte aber auch andere Radfahrer zur Vorsicht mahnen. © Greiner

Landsberg – Ein weiß gestrichenes Fahrrad steht am Dienstag vergangener Woche an der Einmündung der Dominikus-Zimmermann-Straße in die Katharinenstraße – der Ort, an dem Anfang August bei einem Unfall ein Radfahrer tödlich verunglückte. Es ist ein sogenanntes Geisterrad, das sowohl ein Mahnmal für den Verunglückten als auch ein Hinweis auf eine gefährliche Stelle für Radfahrer sein soll. Aufgestellt hat es Verkehrsreferentin und Stadträtin Ulrike Gömmer (Grüne) – die es bereits am Donnerstag wieder entfernen musste. 

Eine Landsbergerin habe sie gefragt, ob man dort nicht etwas machen könne, um zu mahnen und zu warnen, erzählt Gömmer. Anlass für sie, auch beim ADFC Landsberg nachzufragen, wie man damit umgehen könne. Letztendlich habe sie sich aber als Initiatorin bereiterklärt, das Rad, bereitgestellt von einem ADFC-Mitglied, mit einem Schloss an das dortige Verkehrsschild anzuketten: „Ich erkläre mich dafür verantwortlich.“ ... Weshalb sie auf Anweisung der Stadtverwaltung das Rad auch im Laufe des Donnerstags wieder entfernen musste. Das Ordnungsamt habe ihr gesagt, dass das Abstellen und vor allem das Anketten des Rades an ein Verkehrsschild eine „unzulässige Sondernutzung“ sei. „Ich finde das sehr schade“, reagiert Gömmer. „In anderen Städten wird das geduldet.“

Das Geisterrad generiere zwar Aufmerksamkeit für die Kreuzungssituation, sagt Stadtsprecherin Simone Sedl­mair. Aber es stelle „für Beteiligte eine ständige Konfrontation mit dem Ereig­nis dar“. Dass das Rad für Beteiligte belastend sei, räumt auch Gömmer ein. Aber Blumen und Kerzen sowie das Blatt Papier mit der Todesanzeige lägen ja ebenfalls dort. Das Rad hätte dort auch nicht dauerhaft stehenbleiben sollen, „vor dem Winter wollten wir es wieder entfernen“, sagt die Verkehrsreferentin. Man habe auch niemanden beschuldigen oder einen Vorwurf erheben wollen: „Es sollte vor allem eine Mahnung an die Radfahrer sein, dass das hier eine gefährliche Stelle ist.“

Gömmer entfernte das Rad zwar wie gefordert vom Verkehrsschild, stellte es aber mit Erlaubnis der benachbarten Apotheke in deren Fahrradständer – wo es aktuell immer noch zu sehen ist. Sie werde jetzt mit dem Ordnungsamt in Ruhe wegen einer Lösung sprechen, sagt Gömmer.

Dass die Stelle gefährlich ist, weiß auch die Stadt. Man habe die Stelle sowohl „von Fachleuten der Verwaltung und der Polizei als auch des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC)“ untersuchen lassen, informiert Sedlmair. Zu bedenken ist: Wenn das neue Wohngebäude oberhalb der Kreuzung mit 28 Wohneinheiten und einer Tiefgarage, deren Ausfahrt direkt auf die Katharinenstraße führt, fertig ist, kommt nochmals eine schlecht einsehbare Einmündung zur Katharinenstraße dazu. Wie also entschärfen?

Eine Ampel berge die Gefahr, dass herabfahrende Radler zu „abrupten Bremsmanövern“ gezwungen sein und stürzen könnten, sagt Sedlmair. Wäre die Ampel für Autofahrer, die von der Dominikus-Zimmermann-Straße bei Grün in die Kathariennen­straße abbiegen, grün, hielten die Pkw nicht mehr vor dem Abbiegen – und Radler, die bei Rot die Ampel überfahren, seien wiederum gefährdet.

Die Stelle meiden

Als Tipp empfiehlt die Stadt eine andere Strecke für Radler: nicht mehr über die Hauptverkehrsader Katharinenstraße mit rund 15.000 Fahrzeugen pro Tag fahren, sondern „über die Graf-von-Stauffenberg-Straße und die Bahnüberführung oder über den Zehnerweg gefahrlos zum Englischen Garten und somit zur Innenstadt“. Außerdem setze man auch auf die zukünftige Radverbindung durch das neue Stadtviertel am Papierbach.

Dass die Stelle schwierig zu entschärfen ist, weiß auch Gömmer. Eine Ampel könnte zudem zur Folge haben, dass Pkw, die normalerweise über die Spöttinger Straße in die Katharinenstraße fahren – und dort öfter länger warten müssen –, auf die Max-Friesenegger-Straße mit Rotschaltung auf der Katharinen­straße ausweichen könnten. Vielleicht könne man ja bei Fertigstellung des neuen Wohngebäudes oberhalb der Gefahrenstelle prüfen, ob dort nicht generell, so wie aktuell wegen der Baustelle, Tempo 30 eingeführt werden kann.

Inwiefern müssten sich Radler an dieses Tempolimit halten? „Radfahrer sind von den allgemeinen Geschwindigkeitsbegrenzungen der StVO nicht betroffen“, ist auf der Webseite www.bussgeldkatalog.de des Verlags für Rechtsjournalismus zu lesen. Die Regelungen gelten nur für Kraftfahrzeuge. Innerorts dürfen Radler grundsätzlich so schnell fahren, wie sie wollen. Allerdings müssten Radler auch „ihre Geschwindigkeit den Verkehrs-, Straßen-, Sicht- und Witterungsverhältnissen und ihren persönlichen Fähigkeiten anpassen“ und ihr Rad jederzeit sicher beherrschen. Dieser Zusatz bedeute, dass eine Geschwindigkeitsbegrenzung wie beispielsweise ein Tempo-30-Zone auch für Radfahrer Auswirkungen hat: „Es darf nicht wesentlich schneller geradelt werden.“

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