Altlasten vom Fliegerhorst Penzing

Wie viel PFC ist heute noch im (Trink-)Wasser?

Löschschaum - PFC - Penzing - Symbolbild
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Löschschaum ist PFC-haltig. Durch das Löschbecken auf dem Fliegerhorst drang PFC ins Grundwasser. Das abschließende Gutachten lässt auf sich warten.
  • Susanne Greiner
    VonSusanne Greiner
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Penzing – Perfluorcarbon, kurz PFC, macht den Ortschaften um den Fliegerhorst Landsberg das Leben schwer. Die Chemikalie aus dem Löschschaum der Flugplatz-Feuerwehr belastet den Boden und auch das Grundwasser. Auch im „Verlorenen Bach“ ist sie nachzuweisen. Der SPD-Politiker Florian von Brunn kritisiert in einer Pressemitteilung von Mitte Januar den Umgang mit der PFC-Belastung. Die Behörden hätten zu spät gehandelt. Und auch das abschließende Gutachten sei noch nicht veröffentlicht. Inzwischen hat das Bayerische Umweltministerium geantwortet.

Es sei „völlig unverständlich“, dass die zuständigen Behörden – das Land­rats­amt sowie das Wasserwirtschaftsamt – erst 2019 erste Schutz-Maßnahmen für die Bevölkerung ergriffen hätten. Immerhin sei die Verwendung von PFC-haltigem Löschschaum schon 2006 weitgehend eingeschränkt worden. Die Gefahr für die Bevölkerung sei hoch, so von Brunn: „Wer fünfmal im Jahr eine Bachforelle aus dem Verlorenen Bach gegessen hat, hat die aktuell von der europäischen Lebensmittelbehörde maximal erlaubte Menge wahrscheinlich schon überschritten.“

Zudem sei zwar bereits 2013 die Trinkwasserquelle Untermühlhausen wegen erhöhter PFC-Werte dauerhaft vom Netz genommen worden. Aber erst seit 2019 gehe man gegen den Ursprung der Belastung – das Feuerlöschübungsbecken des Fliegerhorsts – vor. Und auch das abschließende Gutachten der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) zur Belastung stehe noch aus. Von Brünn erwarte, dass das Landratsamt jetzt handele und „Konzepte für eine dauerhafte Eindämmung der Belastung“ erarbeite.

Die bislang letzten PFC-Untersuchungen seien Anfang 2020 gemacht worden, antwortete das Landratsamt Landsberg. Das berichtet das Bayerische Umweltministerium, das bei der Kreisbehörde aufgrund von von Brunns Beschwerde nachgehakt hatte, in seiner Antwort an von Brunn. Zwar habe die BImA dem Landratsamt einen Vorabzug der Ergebnisse Ende Juni letzten Jahres vorgelegt, diese aber coronabedingt erst im September „erläuternd vorgestellt“. Der Gutachter sei von der BImA im Oktober 2020 beauftragt worden, einige Passagen ausführlicher darzustellen. „Mit Vorlage der endgültigen Fassung ist im Laufe des 1. Quartals 2021 zu rechnen.“

Auf der Webseite des Landrats­amtes wurde Anfang Dezember letzten Jahres bekanntgegeben, dass „hinsichtlich der Trinkwasserversorgung und -qualität derzeit keine PFC-Beeinträchtigungen bestehen.“ Die Trinkwasserversorgungen Kaufering, Landsberg, Pöringer Gruppe und Erpftinger Gruppe seien auf PFC untersucht worden, die Ergebnisse „unauffällig“. Das Wasser des Verlorenen Bachs solle nicht zum Gießen oder Tränken verwendet werden. Dass die Forellen aus dem Verlorenen Bach nicht zum „dauerhaften Verzehr“ geeignet seien, hatte das Landratsamt bereits im November 2019 bekanntgegeben.

»Geringfügig erhöht«

Das Wasserwirtschaftsamt Weilheim überwache die PFC-Konzentrationen im Oberflächenwasser des Verlorenen Bachs und im Dorfweiher von Untermühlhausen, betont Staatsminister Thorsten Glauber in seiner Antwort auf von Brünns Kritik. Diese lägen „überwiegend unterhalb der Nachweisgrenze“, nur für die Perfluoroctansäure (PFOA) und die Perfluoroctansulfonsäue (PFOS) seien „geringfügig erhöhte Konzentrationen im Wasser“ festgestellt worden. Die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde habe „tolerierbare Aufnahmemengen“ für beide Säuren festgelegt– also welche Dosis bei regelmäßiger Aufnahme keine gesundheitlichen Folgen hat. Und demnach bestehe kein Risiko für Badende, die versehentlich Wasser verschluckten. Auch nicht für Kinder.

Zwar beinhalte das BImA-Gutachten Aussagen zum PFC-Gefährdungspotenzial, „für belastbare Aussagen muss die endgültige Version des Gutachtens abgewartet werden“, informiert Glauber. Aus dem Vorabzug des Gutachtens sei aber ersichtlich, dass „der Schadensbereich am Feuerlöschübungsbecken durch die vorliegenden Untersuchungen ausreichend abgegrenzt werden konnte“. Man arbeite bereits an einer temporären Abdeckung des Beckens. Zudem sei das Wasser im Becken in der ersten Jahreshälfte 2019 gereinigt, das PFC entfernt worden. Eine automatisierte, winterfeste Aktivkohlereinigungsanlage mit Fernüberwachungsfunktionen sei seit Januar 2020 in Betrieb. Somit werde derzeit ein „Eindringen von PFC-haltigem Wasser in den Boden minimiert“. Weitere Maßnahmen könne man erst nach Vorliegen des abschließenden Gutachtens ergreifen. Die von von Brünn angefragte Blutuntersuchung der Bewohner sei „nicht angezeigt“, so Glauber weiter. Der belastete Trinkwasserpfad sei ja mit der Netzabnahme der Untermühlhausener Quelle seit 2013 unterbrochen.

Für das PFC gebe es auch bisher keine weiteren Quellen als den Fliegerhorst. Zwar sei im Bereich Prittriching auch PFC im Grundwasser zu messen, allerdings unterhalb der Geringfügigkeitsschwellenwerte. Ein Zusammenhang zum Fliegerhorst sei nicht gegeben. Aber: „Es finden aktuell durch die zuständigen Behörden vor Ort weitere Untersuchungen statt.“
Susanne Greiner

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