»Meisterwerk kosmischer Disharmonie«

„Das Meditier“ am Schondorfer Ammerseeufer

Das Meditier am Ammersee
+
Es geht auf See: Abfahrt der Tretboote zum Ding im Ammersee. Gut 20 Schauspieler bieten ein exzellentes Spektakel.
  • Susanne Greiner
    VonSusanne Greiner
    schließen

Schondorf – Am Ammersee etabliert sich ein zweites Ros­well. Kein Ufo, keine Wüste, auch keine Alien-Leiche. Aber ein unbeschreibliches, unerklärliches Unding mitten im See. Forscher haben sich versammelt, Künstler, Endzeitbeschwörer oder von der Geldgier getriebene Scharlatane. Nicht zu vergessen, die Einheimischen, die ideale Fischgründe erhoffen. Alle suchen Anhänger für ihre, natürlich einzig wahre, Sicht der Dinge über diesen obskuren Fund im See. Und die finden sie: in den Gästen des ELLE Kollektivs. „Das Meditier“ als letzter Teil der Trilogie „Die Schlafende Vernunft“ nimmt die Zuschauer mit zum Ort des Mysteriums – per Tretboot.

ELLE Kollektiv „Das Meditier“

ELLE Kollektiv zaubert mit „Das Meditier“
Container Artist 1.JPG © Greiner
ELLE Kollektiv zaubert mit „Das Meditier“
Container Artist 1.JPG © Greiner
ELLE Kollektiv zaubert mit „Das Meditier“
Container Artist 1.JPG © Greiner
ELLE Kollektiv zaubert mit „Das Meditier“
Container Artist 1.JPG © Greiner
ELLE Kollektiv zaubert mit „Das Meditier“
Container Artist 1.JPG © Greiner
ELLE Kollektiv zaubert mit „Das Meditier“
Container Artist 1.JPG © Greiner
ELLE Kollektiv zaubert mit „Das Meditier“
Container Artist 1.JPG © Greiner
ELLE Kollektiv zaubert mit „Das Meditier“
Container Artist 1.JPG © Greiner
ELLE Kollektiv zaubert mit „Das Meditier“
Container Artist 1.JPG © Greiner
ELLE Kollektiv zaubert mit „Das Meditier“
Container Artist 1.JPG © Greiner
ELLE Kollektiv zaubert mit „Das Meditier“
Container Artist 1.JPG © Greiner
ELLE Kollektiv zaubert mit „Das Meditier“
Container Artist 1.JPG © Greiner
ELLE Kollektiv zaubert mit „Das Meditier“
Container Artist 1.JPG © Greiner
ELLE Kollektiv zaubert mit „Das Meditier“
Container Artist 1.JPG © Greiner
ELLE Kollektiv zaubert mit „Das Meditier“
Container Artist 1.JPG © Greiner
ELLE Kollektiv zaubert mit „Das Meditier“
Container Artist 1.JPG © Greiner
ELLE Kollektiv zaubert mit „Das Meditier“
Container Artist 1.JPG © Greiner
ELLE Kollektiv zaubert mit „Das Meditier“
Container Artist 1.JPG © Greiner
ELLE Kollektiv zaubert mit „Das Meditier“
Container Artist 1.JPG © Greiner
ELLE Kollektiv zaubert mit „Das Meditier“
Container Artist 1.JPG © Greiner
ELLE Kollektiv zaubert mit „Das Meditier“
Container Artist 1.JPG © Greiner

Es startet immersiv, mitten rein ins Publikum, grenzenverschwimmendes Theater, die Frage: Wer ist was? Dass Rosalie Rosenberger mit rosa Haar und Kameramann Roland von ‚Ammersee-Kurier-TV‘ zur Spielertruppe gehören – geschenkt. Aber was ist mit dem, der ihr „Lügenpresse“ entgegenbrüllt? Und seine Begleiterin, die sich ständig vor Rosalies Mikro drängt und „Ruhestörung“, „seltsame nächtliche Rituale“, „einer muss ja was machen“ faselt? Könnten spielwütige Gäste sein.

Das ELLE Kollektiv mit den Schauspielern Elisabeth-Marie Leistikow, Luis Lüps und dem Bühnen- und Kostümbildner Louis Panizza lässt die vierte Wand verschwinden. Immersives Dorftheater nennen sie ihre Darbietung, die nicht den Zuschauer auf die Bühne, sondern Schauspieler und Zuschauer auf eine Ebene holt. Ein Theater, das offen ist für Reaktion und Improvisation. Und für das das ELLE Kollektiv dieses Jahr auch einen Tassilo-Preis erhalten hat. Aber zurück zum „Meditier“.

Statt einer Bühne gibt es sechs Stationen, oder besser: Ereignisorte. Sie nacheinander abzuklappern ist nicht vorgesehen. „Du musst dich entscheiden“, trällert ein TV-Jingel im Kopf. Neben einer Jurte bügeln in das Schwarz-weiß der Nonnen gekleidete Frauen, zischen das Dampfgeräusch des Eisens. Wenn sie reden, reden sie vom Untergang. Am Oldtimer-Wohnwagen sitzt Susanne Saibling, Fischerin, geerdet. Ihr Kompagnon liest derweil Stephen King auf dem Dach.

Der Alu-Container am dritten Spielort wird noch gereinigt, auf dem Gras davor Staub gesaugt. „1 + 1 + 1 ist gleich ?“, fragt der Reinigende. Natürlich 4, das logische Ergebnis nach „assoziativer Öffnung, die es nur unter dem Ausfall der 3 gibt“. Yep. Weiter hinten stehen zwei Menschen in weißem Überwurf, Unternehmen „White Waters“, sie verteilen Visitenkarten. „Wir sind Macher“, sagen sie, „es ist wichtig, eine Vision zu haben“, „wir haben die Hebel in der Hand“ –Tschakka!

Vor einem großen Zelt trinken zwei Forscher Tee, diskutieren, sprechen über den ‚Blob‘ – oder streiten? Inzwischen sind auch Rosalie und Roland, zuvor vom Gelände gejagt, wieder im Geschehen und ermitteln investigativ. Was sie erleben, flimmert im vorderen großen Zelt über den Bildschirm.

Bei der „Reise nach Jerusalem“ hechtet man nach dem Stuhl, wenn die Musik aufhört. Beim „Meditier“ sucht man sich seinen Spielort, wenn die Musik anfängt. Eine Entscheidung mit Nachwirkung: Ab da bleibt man auch da. Erlebt das, was da geschieht. Und fährt später in diesem Team zum Ort des Mysteriums. Aus einem Theaterstück werden sechs. Gerne würde man sich zumindest dritteln.

Der Alu-Container öffnet sich jetzt erst, „lass dich überraschen“, schon wieder so ein TV-Jingle im Kopf. Im Container ein Künstler, der hier ist, um beim nächtlichen Schnorcheln die Masse des Sees zu spüren. Bei White Waters geht‘s schon um Rendite, die Forscher haben ihre Gäste mit grauen Schutzhauben ausgestattet und diskutieren die Hypothese der Fünften Kraft, während im Wasserbecken Flüssigkeiten wie „ein Labyrinth aus Mousse au Chocolat“ diffundieren. Die Fischerin spioniert bei den anderen, aus der Jurte dringt ekstatischer Gesang – alle bereiten sich vor auf die Fahrt zu diesem ... Ding da draußen.

Auf die Tretboote

Dann geht es los: Schwimmwesten an, hinter den ‚Gurus‘ zu den Tretbooten, einsteigen. Die Fahrt führt zu einem runden Aufbau im See, schwebende Lichtbälle, magisch – wären da nicht die Forscher, Macher, Fischer, Irgendwie-Nonnen, alle im Zank wie kleine Kinder. Fehlen eigentlich nur noch die Laser-Schwerter. Die Stimmung wird aggressiv, das Sprechen rhythmisch: „Ich, ich ich“, „meins, meins, meins“, „dreimal schwarzer Kater“ bis hin zum Nonsens – der verstummt. Aus der ohrenbetäubenden Stille erwacht ein Summen, das zum ruhigen, harmonischen Kanon wird: Jeder hat eine Stimme, sie singen nicht zeitgleich, aber dasselbe. Botschaft verstanden. Dazu quietschen die Tretboote im Takt.

Die Idee hinter dem „Meditier“ dämmert jetzt schon mächtig deutlich. Um dem Nachdruck zu verleihen, finden sich die Gäste abschließend im großen Zelt ein. Sie sind in guter Gesellschaft: Das Meditier, der Erleuchtehund und die Blonde Stierin, bekannt aus den ersten zwei Trilogie-Teilen und dem Zwischen-Prolog, lauschen dem Conferencier. Er erklärt Ton und Schwingung, die 440 Herz, die erst durch die Note zum a werden. Semantische Kniffligkeiten, der Körper die Note, der Geist der Ton, Körper und Ich, „alles zusammen ein Meisterwerk kosmischer Disharmonie“ – später drüber nachdenken.

Eine Diva steigt auf die Bühne. Sie singt vom Schiff, das ihr den Liebsten bringt. Sie spricht von Akzeptanz, gemeinsam Leben. Sie sagt „alles ist wahr“. Und gerne würde sie das erklären, sie weiß nur nicht wie.

Erklären ist auch nicht nötig. Dass die Diva „Divas Dance“ aus dem „Fünften Element“ (!) intoniert, ist fast schon zu viel Erklärung. Denn was das ELLE Kollektiv mit dem „Meditier“ zaubert, verzaubert. Bietet jedem ein Gedankenpaket, dass er im Kopf mit nachhause nehmen kann – verpackt in fantastischen Traumbildern, skurrilen Figuren, einem Theatererlebnis mittendrin. Geregnet hat es währen der gesamten Generalprobe. Aber das hat eigentlich niemand gemerkt.

Aufführungen gibt es noch heute (Premiere!), am 6. und 7. August, vom 12. bis 14. und 19. bis 21, August, jeweils 20 Uhr. Infos unter www.ellekollektiv.de.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Die neue »mOwi-App« wird auch im Landkreis Landsberg eingesetzt
Landsberg
Die neue »mOwi-App« wird auch im Landkreis Landsberg eingesetzt
Die neue »mOwi-App« wird auch im Landkreis Landsberg eingesetzt
Inzidenz wieder angestiegen
Landsberg
Inzidenz wieder angestiegen
Inzidenz wieder angestiegen
Offenbar keine Mehrheit für erhöhte Kreisumlage
Landsberg
Offenbar keine Mehrheit für erhöhte Kreisumlage
Offenbar keine Mehrheit für erhöhte Kreisumlage
Nachhaltigkeitspreis fürs Fuchstal: Interview mit Bürgermeister Karg
Landsberg
Nachhaltigkeitspreis fürs Fuchstal: Interview mit Bürgermeister Karg
Nachhaltigkeitspreis fürs Fuchstal: Interview mit Bürgermeister Karg

Kommentare