Ein Horst aus Haselgerten

Das neue Heim für die Apfeldorfer Störche

Neues Storchennest wird aufgebaut
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Standortsuche Storchennest: Die Apfeldörfer Adebare bekommen neue Heime.
  • vonKlaus Mergel
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Apfeldorf – Einer der künftigen Bewohner schaut sich das Objekt schon mal aus der Nähe an. Groß genug? Stimmen Lage, Ausblick und Ausstattung? Der Storch stelzt über die schneebedeckte Wiese, bleibt sicherheitshalber auf Mindestabstand. Der Vogel lässt die Männer in der orangenen Arbeitskleidung in Ruhe arbeiten. Denn: Noch ist Zeit bis zur Brut – dann aber muss die neue Unterkunft in Apfeldorf bezugsfertig sein.

Seit den frühen Morgenstunden ist ein Trupp vom LEW-Verteilnetz mit einer besonderen Aufgabe betraut: ein Storchennest aufstellen. Sechs Mann sind bei Minustemperaturen am Werk. Mit dem Erdbohrer wird ein zwei Meter tiefes Loch geschaffen. Dort soll der zwölf Meter lange hölzerne Strommast dann rein.

„Maximal zehn Meter darf der Mast hoch sein“, sagt Josef Nersinger, „sonst ist er baurechtlich nicht genehmigungsfrei.“ Nersinger ist Kommunalbeauftragter bei der LEW. Gleichzeitig engagiert er sich als ehrenamtlicher Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde im Landkreis Günzburg. Er hatte zum 120. Geburtstag des Stromversorgers eine Idee: Warum sich als Unternehmen nicht zum Jubiläum für die Störche engagieren? „Ich hatte vorgeschlagen, diese ‚Schwarzbauten’ zu legalisieren und durch eine sichere Unterkonstruktion zu stabilisieren.“ Und so geschieht es, genau zwölf Nester entstehen derzeit in der Region: Unter anderem kommen die Apfeldorfer Störche – vier Tiere an der Zahl, die sich seit zwei Jahren auf einer Trafostation im Kapellenweg eingerichtet haben – in den Genuss einer neuen Bleibe.

Standortsuche

Am Kapellenweg könnten die Tiere bleiben. Eigentlich. „Die Trafostation wird ohnehin abgebaut“, erklärt Hubert Schlee vom LEW Verteilnetz. Das Problem sei, so Schlee, dass an der Stelle inzwischen ein Neubau entstanden sei: „Der Bauherr hätte dann das Nest direkt zwei Meter vor dem Eingang. Das ist nicht so angenehm. Da kommt immer einiges runter.“

Also suchte und fand man einen neuen Standort. Mitten im Apfeldorf am Kirchweg befindet sich eine große Wiese: praktisch die Start- und Landebahn der Störche. „Hier haben sie eine sichere Einflugschneise und finden auch gleichzeitig Nahrung in diesem Biotop“, erklärt Gerhard Deubler von der Unteren Naturschutzbehörde im Landkreis Landsberg. Die zweite Flug­richtung der Tiere sei, wie man festgestellt hatte, in Richtung Oberdorf an einer Straße: „Das ist zu gefährlich für die Jungtiere“, so Deubler.

Direkt angrenzend an die Wiese steht auch das Haus von Ursula Ritzinger. Die Apfeldorferin erklärte sich zur Freude aller Beteiligten bereit, dass man den Mast auf ihrem Grund aufstellt.

Aber ein Mast allein reicht nicht. Die Schlosserei der LEW hatte einen massiven verzinkten Käfig hergestellt. Der wurde auf den Mast aufgesetzt – aus Sicherheitsgründen. „Die Nester werden im Lauf der Zeit immer schwerer“, so Nersinger. Kostenpunkt: inklusive Montage rund 6.000 Euro, die aus dem Förderfond des LEW Regionalstrom-Produkts bezahlt werden: Pro Monat und Vertrag steckt die LEW einen Euro in Naturschutzprojekte.

Der Apfeldorfer Storch beobachtet die Bauarbeiten für sein neues Zuhause aufmerksam aus der Ferne.

Aber mit einem Stahlkorb allein ist es auch nicht getan. Peter Weibl und Klaus Jahnke vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) kümmerten sich um die Innnenausstattung: Aus Zweigen flochten die beiden einen Horst für die Störche. „Weiden darf man da nicht verwenden“, sagt Weibl. „Die treiben dann aus, da haben irgendwann die Jungtiere einen Zweig im Allerwertesten.“ Die Alternative: Haselgerten und andere flexible Zweige.

Es ist ein ziemlicher Auftrieb von Behörde, LBV und LEW an diesem Morgen auf der Apfeldorfer Wiese. Alle natürlich coronagerecht auf Abstand, Platz hat es ja genug. Bürgermeister Gerhard Schmid schaut vorbei und bemerkt launig: „Wenn so viele Störche kommen wie hier Leute rumspringen, dann haben wir unsere Ziel erreicht.“ Er freue sich sehr über die Aktion. Und hoffe, dass die Tiere den neuen Horst auch annehmen. „Aber dann müsst ihr Euch auch irgendwann bei einem neuen Kindergarten beteiligen.“ Gelächter in der Runde, an den Storch möchte man in dieser Situation gern glauben.

Und dann geht es auch recht schnell: Der Autokran dröhnt, hebt den Mast in die Höhe und lupft ihn in das Loch. Wie beim Maibaumaufstellen, nur ohne Blasmusik und Bier. Der Storch äugt auf die Szene, lupft etwas Essbares von der Wiese. Und fliegt von dannen, vermutlich zu Hause Bericht erstatten: Man wird sehen, wann die Mieter kommen.

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