"Das ist nicht meine Frau!"

Spannung pur: Alexa Dorow (Elisabeth), Holger Schmidt-Lutz (Kommissar Toulon) und Thomas Eichinger (Daniel Corban) sind derzeit in den Hauptrollen des Kriminalthrillers „Die Falle“ von Robert Thomas zu sehen. Regie führte BR-Moderator Alex Dorow. Foto: Nagl

Nein, nein, nein, der Schluss wird nicht verraten, denn der Plot von Robert Thomas „Die Falle“ ist so genial, dass man alle Zuschauer beneiden kann, die den Kriminalthriller vor seiner Premiere im Landheim nicht gelesen haben. Kein Wunder also, dass Altmeister Alfred Hitchcock sich einst die Filmrechte sichern ließ. Realisieren konnte er das Projekt nicht mehr. Doch Alex Dorows aktuelle Inszenierung ist dafür mehr als ein kleiner Trost, sie ist überaus gelungen.

Hautnah und live ging am Samstag das mitreißende und zugleich humorvolle Stück über die Landheimbühne, knisternde Spannung herrschte im Saal: Das Bühnenbild mit ausladendem Sofa, Ledersesseln, offenem Kamin und einer gut gefüllten Bar signalisiert trüge­- rische Behaglichkeit und erinnert mit allen Details an einstige Durbridge-Verfilmungen der ARD: Auf dem Sofa lümmelt sich ein frisch gebackener Ehemann (Thomas Eichinger) und bedient sich ausgiebig am Whisky. Er wartet auf seine durchgebrannte Frau. Herein tritt der Kriminalkommissar (Holger Schmidt-Lutz), der ihm die Vermisste zurückbringen soll. Und schon bald beginnt eine Aneinanderreihung von Irrungen und Wirrungen: Das Wechselbad der Gefühle beginnt, als Corbans Frau (Alexa Dorow) wenig später, eskortiert vom scheinheiligen Pfarrer (Martin Rempfer) des Nachbardorfes, wieder auftaucht. Während sie „ihrem Mann“ um den Hals fällt stammelt Corban verstört „das ist nicht meine Frau!“. Im Chalet beginnt ein Psycho-Krieg. Doch die elegante Fremde kennt sich in Corbans Privat- und Intimleben so gut aus, dass sogar der Kommissar am Verstand des verzweifelten Sommerfrischlers zweifeln muss. Leidet Corban an Amnesie, oder ist er das Opfer einer kriminellen Bande, die hinter dem Erbe seiner wohlhabenden Gattin her ist? Holger Schmidt-Lutz gibt sich als Kommissar jovial. Ein philosophierender Kenner des Lebens, eine einzigartige Mischung aus Humphrey Bogart und Peter Falk, mit tiefer Stimme, Intuition und dem richtigen Fingerzeig. Bei ihm ist Thomas Eichinger als aufgewühlter Ehemann in besten Händen. Auch er gibt den eleganten Lebemann in der Sinnkrise so überzeugend, dass man sich dabei gelegentlich an die Paraderollen von James Steward erinnert fühlt. Und erst Alexa Dorow als Elisabeth – Vergleiche erübrigen sich hier ebenso wie jeder Widerspruch gegen ihre Kompetenzen als Hausherrin, wenn sie in Stöckelschuhen und himmelblauen Etuikleid ihre Gäste mit charmanter Grandezza empfängt. In den Nebenrollen brillieren die als Komödiantin pantomimisch überaus begabte Simone Elsässer als verschuldete Krankenschwester Yvonne Berton und Michal Schulz als malender Clochard Seehecht, der angetan mit Wanderstiefeln und Lodencape ebenfalls für eine wunderbar erheiternde Note im vornehmen Ambiente von Chamonix sorgt. Alex Dorow schickt seine neun Akteure ausgestattet mit einer solchen Fülle von Emotionen durch das Geschehen, dass an ihrer Identität und Wahrhaftigkeit, ob gut oder böse – zunächst – keine Zweifel aufkommen. Umso packender und herrlich gelungen sind deshalb die Szenen, in denen dann die Masken fallen! Zum Beispiel wenn sichtbar wird, dass Elisabeth und der Pfarrer irgendwie unter einer Decke stecken. Aber es kommt ja noch viel schlimmer… Weitere Vorstellungen sind am 19. Februar (19.30 Uhr) und 20. Februar (17 Uhr) in der Aula des Landheims Schondorf zu sehen. Am 19. März (20 Uhr) gastiert die Jakobsbühne erstmals im Stadttheater Landsberg und am 2. (19.30 Uhr) sowie 3. April (17 Uhr) im Theatersaal des Wohnstifts Augustinum in Dießen. Info: www.theater-schondorf.de.

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