Hollywood-Hits im Himmel

„Das Phantom der Oper“ & Co.: Acar Kraut im Marienmünster

Der junge Organist Acar Kraut (links) und Münster-Organist Stephan Ronkov (rechts).
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Der junge Organist Acar Kraut sorgte mit seinen Improvisationen von Filmhits aus Hollywood-Blockbustern an der historischen Orgel von Caspar König für Gästehaut-Feeling. Auch Münster-Organist Stephan Ronkov (rechts) war begeistert.
  • Dieter Roettig
    VonDieter Roettig
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Dießen – Ungewöhnliche Klänge im „Dießener Himmel“ des Marienmünsters: Acar Krauts sonntägliche Orgel-Matinée bewies eindrucksvoll, dass die 1739 von Caspar König erbaute Orgel mehr ist als nur ein Begleitinstrument für Gottesdienste und kirchliche Feiern. Der erst 22-jährige Musiker aus Ansbach rockte und streichelte die Orgel mit Improvisationen aus weltbekannten Filmmusiken, aber auch mit bemerkenswerten eigenen Soundtracks. Für sein regionales wie auch internationales kulturelles Engagement als Pianist und Organist erhielt Kraut im letzten Jahr wohl mit Recht den Ansbacher Kulturpreis.

Stephan Ronkov, als Münster-Organist „Hausherr“ auf der Orgelempore, war sehr angetan von seinem jungen Kollegen, der drei Jahre lang an der Hochschule für evangelische Kirchenmusik in Bayreuth Klavier und Orgel studiert hat. Seit 2017 ist er Gast bei verschiedenen internationalen Konzertreihen und in der Gestaltung und Leitung von Kulturveranstaltungen involviert. Seit diesem Jahr leitet er als Dirigent und Komponist das „Cinematic Chamber Orchestra“. Mit seinen Ausflügen ins Filmgenre abseits von Kirchen- und klassischer Musik hat er sich längst vom Geheimtipp auch zum gefragten Solo­star gemausert.

Verzauberung

Besonders gerne tritt er in katholischen Gotteshäusern auf, „weil die einfach schöner und prunkvoller sind als die evangelischen Kirchen“, wie der dem KREISBOTEN verriet. Dass der Kirchenraum des Marien­münsters nicht nur optisch, sondern auch klanglich verzaubert, zeigte sich wieder einmal bei der ausverkauften Film-Matinée, organisiert vom Verein „Freunde der Dießener Münsterkonzerte e. V.“ mit Annette Rießner, Michaela Horn und Dr. Peter Cammerer an der Spitze.

Die Orgel ist das größte aller Musikinstrumente, das tiefste und höchste, das lauteste und das leiseste. Also ideal geeignet für wuchtige wie auch zärtliche Filmmusiken. Nachdem Orgelbau und Orgelmusik bereits 2017 durch die UNESCO als „Immaterielles Kulturerbe“ anerkannt wurden, kürten die deutschen Landesmusikräte die Orgel zum „Instrument des Jahres 2021“.

Gänsehaut-Feeling

Bei der Matinée zeigte sich, dass Melodien aus Filmklassikern nicht nur im Kino mit Dolby-Surround Gänsehaut erzeugen können. Die Hörgewohnheiten der Besucher passten sich schnell an und sorgten für ein völlig neues Klangerlebnis bei Hans Zimmers „König der Löwen“, bei Andrew Lloyd Webbers „Phantom der Oper“, bei Ramin Djawadis „Game of Thrones“ oder Steve Jablonskys „Armageddon“. Acar Kraut reizte das gesamte Spektrum der Orgel aus und überflutete das Publikum mit einem Klangteppich, den es so schnell nicht vergessen wird.

„Schade, dass man den Künstler nur hört und nicht sieht“, meinte eine Besucherin nach dem Konzert. „Man könnte doch das Geschehen auf der Orgel-Empore mit einer Kamera auf einen großen Bildschirm vor dem Altarraum übertragen“, so ihr Vorschlag. Vielleicht fällt er beim Verein „Freunde der Dießener Münsterkonzerte“ auf fruchtbaren Boden. Zumal man aus mehreren Mitschnitten eine DVD zusammenstellen könnte, deren Verkaufserlös der Sanierung der Orgel zugute kommt.

Bereits in den Jahren 1878 (von Max Maerz), 1959 (von Guido Nenninger) und 1987 (von Gerhard Schmid) wurde die Orgel renoviert und umgebaut. Jetzt, nach 34 Jahren, müsste sie wieder überholt werden, um die Bespielbarkeit und den unvergleichlichen Klang des Instruments zu erhalten.

Die nächste Orgel-Matinée, diesmal mit Münster-Organist Stephan Ronkov, findet am Sonntag, 19. September, um 11.30 Uhr statt. Wegen Corona ist eine Anmeldung nötig. Alle Informationen dazu sind unter www.muensterkonzerte-diessen.de zu finden.

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