"Das Publikum wandert ab" – Freundeskreis TILL übt Kritik an der Stadt

Eigentlich wollten die Freunde des Stadttheaters, TILL (Theater In Landsberg am Lech), am Dienstag ja nur ihren neuen Vorstand der Öffentlichkeit vorstellen. Es sei purer Zufall, dass dies nun ausgerechnet im Vorfeld eines Gesprächs geschah, das von der Stadtführung für den 9. Februar geplant war und sich mit der Zukunft des Stadttheaters befassen soll.

Als bei der TILL-Mitgliederversammlung im November nach dem plötzlichen Tod ihres Vorsitzenden Wilhelm Duth eine Neuwahl des Vorstandes notwendig wurde, beschloss man auch gleich seine Erweiterung. So konnten sich nun Johann Rother (1. Vorsitzender), Sabine März-Lerch (2. Vorsitzende), Berta Miraballes (Kassenwart) und Uwe Lüderitz (Schriftführer) sowie Wolfgang Träger und Marlene Holz (Öffentlichkeitsarbeit) als die neue TILL-Leitung präsentieren. Allerdings blieb es nicht beim bloßen Vorstellen. Die Probleme rund um das Stadttheater veranlassten den neuen Vorstand zu einem Statement in Sachen „Wie geht es weiter?“. Denn da ihnen das Landsberger Theater, sowohl dessen Existenz wie auch die Qualität seines Angebots, am Herzen liege, müsse nach dem Abgang von Alexander Netschajev und dem aktuellen Zwischenspiel von Ludwig Frey „möglichst bald“ und intensiv über einen neuen Theaterleiter gesprochen werden. TILL wolle sich, da nun die Arbeit auf mehrere Schultern verteilt wurde, auch weiterhin engagieren für die Theaterkultur in der Stadt, wolle vermehrt Sponsoren gewinnen und vor allem das bereits im Abwandern begriffene Publikum wieder für die Vorstellungen des Stadttheaters begeistern. Mehr als eine Ansammlung Immerhin, so Johann Rother weiter, habe sich TILL seit 2001 mit etwa 110000 Euro an der Finanzierung des Theateretats, besonders von Gastspielproduktionen, beteiligt. Natürlich werde man Ludwig Frey nach Kräften unterstützen, der „eine gute Übergangslösung“ ist. Dennoch ist man der Meinung, dass Theater mehr als nur eine Ansammlung von Veranstaltungen sei. Ein neuer Theaterchef wäre ein Garant für eine neue künstlerische Linie und könne so das Haus erneut zu einem „Magnet“ werden lassen. Konkrete Vorstellungen, die der TILL-Vorstand beim jüngsten Pressegespräch nicht verraten wollte, werde man nun am 9. Februar in die Gespräche in dem neu geschaffenen städtischen Theaterausschuss einbringen, in dem neben Vertretern der Stadt auch Delegierte aus anderen kulturschaffenden Einrichtungen sitzen dürfen. Dort soll es auch um ein ganzheitliches Konzept für das kulturelle Angebot in der Stadt gehen. Fragen will TILL nicht nur zu einem neuen Theaterleiter stellen, sondern auch, warum der Stadtrat seit Jahren den Theateretat „kontinuierlich verringere“. Davon könne keine Rede sein, widerspricht Pressesprechern Bettina Barnet auf Anfrage des KREISBOTEN, im Grunde sei genau das Gegenteil der Fall. Und OB Ingo Lehmann fügt hinzu: „Das Budget des Theaters wird nicht zurückgefahren und dass man damit gut arbeiten kann, zeigt das neue Programm von Theaterleiter Frey, das auch ankommt.“ Angesichts der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung sei mit einem Rückgang der Abonnements zu rechnen gewesen. Umso erfreulicher sei es, dass die Zahl der Abos jetzt im Frühjahr deutlich über der des vergangenen Herbstes liege. Lehmann: „Wir sind also auf einem guten Weg.“ Wie auch immer, ein höheres Budget seitens der Stadt sei nach Ansicht des TILL-Vorstandes unabdingbar. Bisher konnte man dies durch Sponsorengelder ausgleichen. Nun aber, so Johann Rother weiter, springen die ersten Förderer ab, weil die Qualität auf Dauer nicht mehr gesichert sei. Auch das Publikum orientiere sich zunehmend in Richtung München. Schließlich müsse sich die Stadt fragen lassen, ob sie überhaupt über ein „nach vorne gewandtes Gesamtkonzept“ verfüge. Man brauche Werbung, Vernetzungen mit anderen kulturellen Einrichtungen und eine kontinuierliche Finanzierung. Dann sei es TILL auch möglich, neue Sponsoren zu gewinnen und finanziell wieder „draufzusetzen“.

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