„Museum im Koffer“

Das Stadtmuseum Landsberg geht auf Reisen

Regina Kaiser im Stadtmuseum Landsberg
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Museumspädagogin Regina Kaiser befüllt den Koffer für den Workshop „Kräuter, Duft und Klosterwissen“. Statt des Apothekerschranks im Stadtmuseum gibt es selbstgebastelte Minischränkchen aus Papier.

Landsberg – Wenn die Besucher – alias Propheten – nicht zum Museum – dem Berg – kommen können, muss eben das Museum auf Reisen gehen. Und wer reisen will, braucht einen Koffer. Die hat nun auch das Neue Stadtmuseum Landsberg gepackt. Denn aufgrund der Sanierung kann die museumspädagogische Arbeit nicht mehr im Museum selbst stattfinden. In den gepackten Koffern: Kräuter, Gips, Mörser oder auch Lapislazuli, sogar Gold – und ganz viel Informationen. Das Projekt „Museum im Koffer“ kommt an. Und reist sogar über den Landkreis hinaus in die (nahe) Ferne.

„Bis Weihnachten sind wir ausgebucht“, freut sich Museums­pädagogin Regina Kaiser. Rund 300 Kinder und Jugendliche von den ersten Klassen bis hin zu den Größeren warten darauf, dass sich die mit Wissen und Werkzeugen prall gefüllten Koffer öffnen. Zum Beispiel Schüler der Mittelschule, eine vierte Klasse in der Katharinenvorstadt, demnächst die Platanenschule. Aber auch Schulen in Germering, Gauting oder Berg im Landkreis Starnberg freuen sich auf den Besuch der Landsberger Museumskoffer samt ‚Kofferträger‘. „Wir wollen im Gespräch bleiben, den Schülern etwas bieten“, sagt Kaiser. Gerade jetzt, wo das Museum geschlossen sei, wolle man weiterhin Geschichte vermitteln – auf eine spielerische, haptische Art. Obwohl ihr bereits einige Erwachsene bestätigt haben, dass die Kurse auch für ‚die Großen‘ interessant sind.

Aus Kräutern stellen die Kinder einen eigenen Tee zusammen.

Einer der Koffer öffnet sich für „Kräuter, Duft und Klosterwissen“. Oder besser gesagt, zwei Koffer. In dem einen Mörser und Stößel, Fläschchen, ein Sieb samt Messbecher. Und kleine Medizinschränkchen aus Pappe, in denen die notwendigen Kräuter mitgeliefert werden. Denn der im Museum vorhandene Apothekerschrank, aus dem die Kursteilnehmer sonst Substanzen schöpfen, kann natürlich nicht mit auf Reisen. In den Pappschränkchen ist eine Schublade mit Löwenzahnblättern gefüllt, eine andere mit Echinacea, besser bekannt als Sonnenhut. „Die Kinder stellen aus den Kräutern einen Erkältungstee zusammen“, beschreibt Kaiser. Oder sie mischen ein Fenchelöl, das, äußerlich angewendet, Bauchschmerzen lindert.

Im zweiten Kräuterkoffer tummeln sich Steine, Goldflitter, mit Kaffeebohnen gefüllte Riechsäckchen. Mittel, die Menschen gegen Krankheiten einsetzten – einige Mumpitz, andere wirksam. So galt Gold als Quelle der ewigen Jugend, weshalb der Alchimist Paracelsus das „aurum potabile“ braute, ‚Gold zum Trinken‘. Jung blieben die Goldtrinker nicht. Aber dass das Edelmetall Rheumaschmerzen lindern kann, wusste bereits Hildegard von Bingen. Ein wichtiges Artefakt passt leider nicht in die Apothekenkoffer: der mehrere Kilo schwere Messingmörser des Stadtmuseums, dessen Henkel Drachenköpfe zieren. Aber dafür bekommt ja jeder Kurs­teilnehmer seinen eigen kleinen Porzellanmörser, in dem er sein Wundermittel mixen kann.

Über das Anfassen, Riechen, das selbst etwas Herstellen werde durch Handeln Information weitergegeben, betont Kaiser. Aber auch die Theorie, die Geschichte könne so besser vermittelt werden. „Wir sprechen über die Entwicklung der Medizin, zum Beispiel in welchen Gefäßen Arzneimittel früher aufbewahrt wurden. Es geht auch um den Aberglauben wie das Lutschen von Halbedelsteinen.“ Ein Theorieteil drehe sich um die Funktion der Klöster oder um die Stadtapotheke. Es seien eben keine „Bastelkurse“, sondern Workshops, die Wissen vermitteln. Und zwar so, dass es hängen bleibt.

Die Koffer haben Freunde des Museums gespendet. Alte Reisekoffer, ledern, manche aus Stoff. Mit dabei ist auch ein Holzkoffer: wie am aufgeklebten Zettel zu lesen ist, vormals eine Mineraliensammlung aus dem Schulmuseum der Mittelschule, die Rektor Christian Karlstetter dem Museum überlassen hat. Neben den Kräuter-Apotheken-Koffern können Schüler in den ‚Koffer-Kursen‘ auch Stuck selber herstellen – „das ist eher was für die Kleineren“, sagt die Museumspädagogin. Neu ist ein Kurs zum Thema Nachhaltigkeit, „Peregrinas Erbe“ genannt, nach der letzten Bewohnerin des Weiß-Egger-Anwesens in Ellighofen Peregrina Weiß, wo der Kurs normalerweise, in ‚nicht-mobiler‘ Form stattfindet. Oder die Kursteilnehmer können sich mit den Eigenschaften von Pergament vertraut machen, mit der Entwicklung des Papiers oder der der Tinte. Denn auch die „Schreibwerkstatt“ (der KREISBOTE berichtete) kann auf Reisen gehen. Und für die Zukunft hat Kaiser weitere Ideen, um die Koffer zu füllen. Zum Beispiel mit Galläpfeln, aus denen man Tinte herstellen kann. Vielleicht ja auch irgendwann wieder in den Räumen des dann sanierten Museums.

Mehr Infos zu den Angeboten gibt es auf www.museum-landsberg.de.

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