Der Moment einer Stunde

Das Walter Lang Trio im Stadttheater Landsberg

Walter Lang, Thomas Markusson und Magnus Öström im Stadttheater Landsberg
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Das Walter Lang Trio – Lang am Klavier, Bassist Thomas Markusson und Magnus Öström an den Drums – begeisterte im Stadttheater Landsberg.

Landsberg – Worte, die das Walter Lang Trio beschreiben? Suchen, Zueinander-Finden, große, einfache Melodielinien. Und eine soghafte Dynamik, ermöglicht durch das gleichwertige Miteinander der Musiker. Am Sonntag gab der schwäbische Pianist Lang mit Bassist Thomas Markusson aus Göteborg und dem Stockholmer Magnus Öström am Schlagzeug zwei Konzerte im Stadttheater – ein Schweben mit Punktlandung im Jetzt.

Der Einstieg ist noch denkbar simpel. Markusson setzt mit einer dieser leichtläufigen Meldodien Langs ein, Öström rührt sanft den Besen, Lang übernimmt mit leisem Anschlag die Melodie. Doch dann scheint sich die Musik ‚selbstständig‘ zu entwickeln, während ihr die Musiker folgen. Steigende Dynamik, ein wenig Atonalität, chromatisch absteigende Linien, synkopische Rhythmen sorgen für ein klangliches Ganzes, das nahezu von selbst entsteht. Aber natürlich nur mit präziser Leichtigkeit und dem Respekt vor dem Spiel des anderen möglich ist.

Lang sieht sich dabei nicht als ‚hierarchischer Anführer‘. Und ebenso sind seine Mitspieler Teamplayer. So greift Öström nur selten zu den Sticks. Und wenn, dann erzeugen sie den Ton nur am Rand der Trommeln. Markusson übernimmt teilweise die Melodielinien – ein Gespräch zwischen Klavier und Bass. Und insgesamt ein gleichschenkliges Dreieck, wie das Trio selbst sagt.

Die Stücke, teilweise aus dem neuen Album „Tens“, sind nicht alle so ‚lieblich‘ wie „The Beginning and the End“, das das Trio eingangs präsentiert. „No Moon Night“ arbeitet mit Laut-Collagen, produziert düstere Gewitterstimmung in den tiefen Lagen des Klaviers, Markusson ‚überstreicht‘ die Saiten zum Jaulen, Öström lässt mit weichen Schlägeln den Donner grollen. Bis das Klavier eine tiefmelancholische Melodie einschleust. Schließlich ein langsamer Dreiertakt, erst träge, dann strikter, wenn Lang härter anschlägt, mit nahezu senkrecht stehenden Fingern. Großartig ist Öströms Begleitung auch im Duett mit dem Bass: Fast scheint er die Bewegungen des Bogens vorauszuahnen und seine Schläge darauf auszurichten.

Das einstündige Konzert verschmilzt zu einer Geschichte, erzählt von Saiten und Fellen. Die Handlung gleitet ohne strengen Rahmen. Und findet im funkigen „Full Blast“ einen mitreißenden Abschluss.

Er wolle nicht über die aktuelle Situation sprechen, leitete Musikprogramm-Macher Edmund Epple ein. „Genießen sie den Moment.“ Ein Leichtes bei diesem Angebot. Sechzig Minuten verschmelzen zu einer Sekunde – der Moment einer Stunde.

ks

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