Die Rinde bleibt im Wald

Debarking im Kauferinger LIFE FutureForest: fast wie Spargelschälen

Debarking im Walburgaholz
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Im LIFE FutureForest-Projekt Walburgaholz bei Kaufering wird geprüft, wie sich die Bodenqualität verbessert, wenn die Rinde der Nutzbäume schon im Wald abgeschält und dort belassen wird.
  • Susanne Greiner
    vonSusanne Greiner
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Kaufering – Einen Apfel niemals schälen! Denn das Beste steckt in der Schale. Nicht nur beim Obst ist das so. Auch bei Bäumen können sich bis zu 50 Prozent der Nährstoffe in der Rinde befinden – Nährstoffe, die im Wald bleiben sollten, um als Nahrung für neue Bäume zu dienen. Welche Auswirkungen es hat, Bäume vor der Weiterverwertung zu entrinden, will das Klimaforschungsprojekt LIFE FutureForest im St. Walburga-Wald der Gemeinde Kaufering (der KREISBOTE berichtete) herausfinden. Notwendig dafür sind Beobachtungen und Messungen. Und der Debarking Head: ein Aufsatz, der den normalen Harvester zum perfekten Baumschäler macht. Ein ziemlich beeindruckendes Schauspiel.

Debarking im Walburgaholz

Debarking im Walburgaholz
Im FutureForest Walburgaholz bei Kaufering wird geprüft, wie sich die Bodenqualität verbessert, wenn die Rinde der Nutzbäume schon im Wald abgeschält und dort belassen wird. © Greiner
Debarking im Walburgaholz
Im FutureForest Walburgaholz bei Kaufering wird geprüft, wie sich die Bodenqualität verbessert, wenn die Rinde der Nutzbäume schon im Wald abgeschält und dort belassen wird. © Greiner
Debarking im Walburgaholz
Im FutureForest Walburgaholz bei Kaufering wird geprüft, wie sich die Bodenqualität verbessert, wenn die Rinde der Nutzbäume schon im Wald abgeschält und dort belassen wird. © Greiner
Debarking im Walburgaholz
Im FutureForest Walburgaholz bei Kaufering wird geprüft, wie sich die Bodenqualität verbessert, wenn die Rinde der Nutzbäume schon im Wald abgeschält und dort belassen wird. © Greiner
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Im FutureForest Walburgaholz bei Kaufering wird geprüft, wie sich die Bodenqualität verbessert, wenn die Rinde der Nutzbäume schon im Wald abgeschält und dort belassen wird. © Greiner
Debarking im Walburgaholz
Im FutureForest Walburgaholz bei Kaufering wird geprüft, wie sich die Bodenqualität verbessert, wenn die Rinde der Nutzbäume schon im Wald abgeschält und dort belassen wird. © Greiner
Debarking im Walburgaholz
Im FutureForest Walburgaholz bei Kaufering wird geprüft, wie sich die Bodenqualität verbessert, wenn die Rinde der Nutzbäume schon im Wald abgeschält und dort belassen wird. © Greiner
Debarking im Walburgaholz
Im FutureForest Walburgaholz bei Kaufering wird geprüft, wie sich die Bodenqualität verbessert, wenn die Rinde der Nutzbäume schon im Wald abgeschält und dort belassen wird. © Greiner
Debarking im Walburgaholz
Im FutureForest Walburgaholz bei Kaufering wird geprüft, wie sich die Bodenqualität verbessert, wenn die Rinde der Nutzbäume schon im Wald abgeschält und dort belassen wird. © Greiner

Stefan Leicher steht schon eine Stunde vor dem Pressetermin am Waldrand des FutureForest-Gebietes St. Walburga bereit. Er ist der Herr des Debarkers, ein Harvester, der Bäume nicht nur absägt und entastet, sondern auch schält. Und zwar nicht erst im Sägewerk, sondern gleich im Wald. Denn so können die Nährstoffe, die in der Rinde stecken, den Boden bereichern. „Ein guter Boden ist der beste Schutz gegen den Klima­wandel“, sagt der ehemalige Forstreviersleiter von Kaufering Ludwig Pertl, jetzt Projektmitarbeiter bei LIFE FutureForest. Er zückt Tabellen und Skalen: Um den St.-Walburga-Wald herum bleibt die Temperatur niedriger, die Luft feuchter. „Der Wald ist für die gesamte Umgebung der Regenmacher, die grüne Lunge.“ Zum Beispiel, weil ein guter Boden auch mehr Wasser speichern kann. Pertls Arbeit wird Ende Juni mit dem Sonderpreis für „Nachhaltigkeit Wald“ des Deutschen Waldpreises ausgezeichnet. „Dann kann es ja so schlecht nicht sein“, sagt der Förster nicht ohne Stolz.

Die vom Baum abgeschälte Rinde soll den Boden noch besser machen. „In ihr sind Calcium, Kalium, Magnesium, Phosphor und auch Stickstoff enthalten“, zählt Professor Dr. Stefan Wittkopf von der das Projekt begleitenden Hochschule für angewandte Wissenschaften Weihenstephan auf. „Die Rinde ist das Produktionsmittel für neue Bäume.“ Die Idee stammt aus Afrika und Lateinamerika, wo Bäume aus Plantagen schon länger entrindet werden. „Früher hat man auch hier entrindet“, erzählt Wittkopf. Das sei allerdings irgendwann zu teuer geworden.

Bisher habe man die Technik nur bei Nadelbäumen getestet. „Das hier ist jetzt der erste Test deutschlandweit mit Laubgehölzen“, sagt Wittkopf. Und das ist auch wichtig, denn wegen der zunehmenden Trockenheit wird es immer mehr Laubbäume geben. Die benötigen nicht so viel Wasser wie ihre nadligen Geschwister.

Fürs Debarking sind Laubgehölze sowieso besser. „Die Säge­werke wollen Fichten mit Rinde“, weiß der Leiter des städtischen Forstamtes Landsberg Michael Siller. „Liegt Fichtenholz ohne Rinde, verblaut es.“ Das Holz bekommt einen bläulichen Schimmer. „Und das wird dann als Qualitätsminderung berechnet.“ Wenn man Fichte auch im Wald entrinden wolle, müsse man das Holz also so schnell wie möglich abtransportieren.

Spargel ernten

Leicher steigt auf seinen Thron und legt los: Die Zangen packen den Baumstamm, mit einem kurzen Zischen wird er abgesägt. Gekonnt wendet er den Kopf am langen Greifarm, sodass er den Baumstamm waagerecht im Griff hat. Und dann legen die Walzen los: zwei breite Räder, die im Gegensatz zum normalen Harvester nicht waagerechte, sondern schräge Stege haben – und so den Stamm drehen. Erst noch das Vogelzwitschern, dann ein Surren, Quietschen, der Stamm rast durch die Walzen, die die Rinde quetschen und aufbrechen, sodass sie die scharfen Zangen am Ende einfach abschälen können. Späne splittern, es riecht und frischgeschlagenem Holz. Bei den inzwischen zwölfjährigen und rund 15 Meter hohen Pappeln im Energiewaldteil des FutureForest klappt es besonders gut, die geschälten und aufreihten Stämme leuchten wie Spargel.

Mit dem Debarking Head war Leicher schon einmal unterwegs, im März. Aber da war die Rinde noch nicht so saftig, erzählt er, ging nicht gut ab. „Heute geht es super“, freut er sich.

Leicher und sein Debarker fahren in den Mischwaldteil des ‚FutureForest‘. Pappeln mit ihrem gleichmäßigen Stamm machen dem Entrinder die Arbeit leicht. „Schwieriger wird es bei der Hainbuche“, erläutert der Projektleiter vom Landratsamt Landsberg Nikolaus Storz. Und tatsächlich, Leicher lässt den Stamm aus seinem verlängertem Arm wieder fallen. Bei einer Linde funktioniert es besser.

„Der Debarking Head kann Stämme mit einem Durchmesser bis zu 50 Zentimeter entrinden“, sagt Wittkopf. Das könnten also schon mal 100-jährige Bäume sein, die rund 30 Meter hoch sind. Die Pappeln werden aber früher gefällt. Allerdings nicht gleichzeitig, auch im Energie-Pappelwald bleiben immer Bäume stehen, wenn alle fünf Jahre ‚geerntet‘ wird. So häufig zu fällen, sei aber wichtig, damit genügend Licht bis zum Boden vordringen könne.

Die ‚Holzspargel‘ aus dem ‚FutureForest‘ dienen dem Heizkraftwerk in Kaufering als Pellets. Ohne Rinde trocknen sie besser. „So entsteht weniger Asche, damit auch weniger Feinstaub“, weiß Professor Wittkopf. Wie viel weniger, das erforscht die Studiengruppe um Wittkopf. Geprüft wird aber auch, welche Baumart wie schnell verrottet. Im Mischwaldbereich sind 15 verschiedene Arten zu finden: zum Beispiel Stieleiche, Vogelkirsche, Spitzahorn. Um jeden einzelnen zu prüfen, sammeln die Studenten und wissenschaftlichen Assistenten die Rinden, Blätter und Früchte eines jeden Baumes in Eimern und legen die Proben in die einzelnen Fächer der Streukästen – Holzrahmen, die auf einer Seite ein Gitter haben, damit keine anderen Stoffe ins Testfeld flattern – auf den Boden.

Teureres Holz

Allerdings ist entrindetes Holz teurer als anderes: rund fünf Euro pro Kubikmeter. Wie sich das rechnet, auch das wird innerhalb des Projektes erforscht. Momentan verursache der Wald der Gemeinde jährlich noch ein Defizit von bis zu 400 Euro, berichtet Pertl. „Aber es darf ja eigentlich keine Bestrafung sein, wenn man fürs Klima forstet. Nur so bekommen wir ja einen enkeltauglichen Wald.“ Wie das geändert werden kann? „Durch freiwilligen Zertifikatshandel“, ist der Förster überzeugt. Besserer Boden produziere im Endeffekt weitaus mehr Energie. Und sorge für mehr Ertrag. Für mehr Trinkwasser. Für weniger CO2 in der Luft. Und all das müsse im Holzpreis eben mitgerechnet werden.

Inzwischen zieht Stefan Leicher mit seinem Debarking-Harvester weiter, zurück in den Pappel­wald. Dort wird er den etwas später gekommenen Bürgermeistern der Gemeinden, die bei LIFE FutureForest dabei sind, das ‚Spargelschälen‘ zu demonstrieren. Damit sie die frohe Kunde weitertragen mögen.

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