Vom "Demos" bis zu FFF

Von "Demos" bis FFF: Landsberger Schüler drehen Demokratie-Film

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Die Film-Crew der IKG-Film-AG: (stehend, v. links): Charlotte Fouquet, Paula Bartsch, Erik Hoppmann, Moritz Wolf, Emil Velthup, Pädagogin Lara Wiedemann (Herzogsägmühle), Korbinian Fenk, (sitzend, v. links) Dima Plesumov und Bennett Zewe. Im HIntergrund Englisch- und Geschichtslehrerin Ursula Knebel.

Landsberg – „Seit ich denken kann, bist du bei mir“, singt Veronika Bittenbinder. „Du“, das ist die Demokratie. Bittenbinder ist 26, der Song könnte – was die Hiphop-Soul-Note angeht – auch Jüngere ansprechen. Aber der Text? Politik scheint nicht wirklich Nummer-Eins-Thema bei Jugendlichen zu sein. Oder vielleicht doch? Die Film-AG des Ignaz-Kögler-Gymnasiums hat einen Kurzfilm zum Thema Demokratie gedreht. Und der wurde für das Bezirks-Filmfestival Oberbayern der JUFinale nominiert. Ob es weiter auf die Landesebene geht, entscheidet sich am kommenden Samstag, 23. November.

Erste Einstellung: Zwei Jungs auf einem Sofa. Der eine schreibt am nächsten Tag einen Test über Demokratie. Und hat keine Ahnung: „Ich check das nicht.“ Da hilft nur eins: „Schau‘s dir doch auf Youtube an.“ Gesagt, getan. Im ersten Teil des IKG-Kurzfilms sind Filme im Film zu sehen, die zeigen, was Demokratie bedeuten kann.

Zum Beispiel das Thema Wahlen. Die insgesamt zehn Jugendlichen fangen am Anfang an, im antiken Athen, der Wiege der Demokratie. Aber waren Wahlen damals demokratisch? Der Film schaut genauer hin: Frauen dürfen nicht wählen. Der Sklave wird rigoros von der Wahlurne weggescheucht. Und auch der Ausländer soll nicht mitbestimmen. Obwohl er schon zehn Jahre in Griechenland lebt. Einen besonderen Aspekt der attischen Demokratie graben die Jugendlichen auch aus: Wer im antiken Athen zu viel Macht hatte, wurde durch das ‚Scherbengericht‘ verjagt – eine äußerst interessante Idee, die den Jugendlichen Anlass gibt, auch über die Grenzen der Demokratie nachzudenken.

Dass der Film in Athen starten soll, haben die Schüler der sechsten bis neunten Klasse selbst entschieden. „Wir haben ihnen da freie Hand gelassen“, erzählt Lara Wiedemann, Pädagogin der Herzogsägmühle. Die Einrichtung fragte beim IKG nach, ob nicht Schüler am bayerischen Kinder- und Jugendfilmfestival JUFinale teilnehmen wollten, mit einem Kurzfilm zum Thema Demokratie. Lehrerin Ursula Knebel sprang auf die Idee an. Und organisierte ehrenamtlich die Film-AG. „Das Projekt war für mich als Geschichtslehrerin natürlich klasse.“ Es habe sie erstaunt, mit welcher Begeisterung, Offenheit und Ideenreichtum die Jugendlichen an das Thema herangegangen seien. „Am Anfang wollten sie eher einen Film über Sport machen“, lacht Wiedemann. Doch nach kurzer Zeit seien alle mit Begeisterung dabei gewesen, von Februar bis Ende Juli, einmal pro Woche, 90 Minuten lang. Oder eben auch länger, wenn eine Szene nachgedreht werden musste. Vom Kreisjugend­ring bekamen sie die Kamera, Schauspielwissen vermittelte Theaterpädagogin Julia Andres. Und gleich am Anfang konnten sich die Schüler mit iPad bewaffnet als Filmer ausprobieren.

Dass ihnen kein Programm vorgesetzt wurde, finden die Schüler klasse. Die ganze Arbeit habe sehr viel Spaß gemacht. Schade war, dass einige Teilnehmer absprangen. Und auch die finanziellen Mittel seien nicht wirklich reichlich, was sich auf die Ausrüstung ausgewirkt habe. Aber trotzdem: Alle wären nächstes Jahr wieder dabei, sagen sie. Wenn es sich mit dem anderen Unterricht regeln lasse.

Der zweite Filmteil springt in die Gegenwart. Zur KfP, der Kinderfreundlichen Partei. Deren Wahlversprechen: erst ab zehn Uhr Schule, wählen mit zwölf und Gummibärchen 20 Prozent günstiger. Was eben die Wähler gerne so hören. Klappen die Versprechen nicht, hilft Bestechung. Davon gebe es genug, sind sich die Nachwuchsfilmer sicher. Und nennen einige Fälle im Ausland. Zum Thema Bestechung fällt ihnen aber auch ‚leere Wahlversprechen‘ ein. Oder Lobbyismus, wenn Unternehmen Politiker für ihre Zwecke kauften. Er denke, dass auch die Entscheidung zur weiteren Nutzung von Glyphosat nicht ganz so demokratisch abgelaufen sei, sagt einer der Jungs.

„Wählen erst ab 18 finde ich eigentlich ganz OK“, äußert eines der 14-jährigen Mädchen. Jüngere würden sich selten mit dem Thema Politik beschäftigen. Vielleicht würde man dann etwas wählen, was man später bereut. Schade finden die Jugendlichen, dass der Jugendbeirat kaum entscheiden könne. Und auch, wenn alle noch unter 16 sind: Bei der Kommunalwahl 2020 würden sie doch gerne schon mitmachen. Wenn es um die OB-Wahl geht.

Im Abspann haben die Schüler Mitschüler und auch Lehrer interviewt. Demokratie, das sei doch so ein Fantasie-Wort aus einem Rap, scherzt einer. Oder etwas, das nicht so ganz funktioniere, weil sich viele nicht für die Belange anderer interessierten, sagt ein Lehrer. Wobei allerdings Fridays for Future das Gegenbeispiel dafür sei. Schüler, die ihre Schulzeit dafür nutzten, sich für das Klima einzusetzen. Demokratie in Reinform.
Susanne Greiner

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