"Den Ball flach halten"

Schulleiterin Ursula Triller (3. v. re.) mit den besten G8-Abiturienten (v. links): Angelika Reddig (Notenschnitt 1,3), Hanna Ruf (1,3), Thomas Kohlert 1,0), Theresa Fruth (1,0) und Judith Schöner (1,3). Insgesamt 17 Absolventen schafften eine Eins vor dem Komma. Foto: Peters

Der Rahmen war der gleiche wie bei etlichen Abiturfeiern zuvor. Dicht gedrängt saßen am Freitag Eltern, Verwandte und Freunde der Abiturienten sowie die Lehrer in der Aula des Ignaz-Kögler-Gymnasiums und verfolgten, wie die frischgebackenen Absolventen ihr Zeugnis aus den Händen von Oberstufenkoordinator Konrad Schiebel und Schulleiterin Ursula Triller entgegennahmen. Und doch haftete der Zeremonie etwas besonderes an: Zum ersten Mal bekamen Schüler ihre Hochschulreife bereits nach acht Jahren verliehen. Da verwunderte es nicht, dass sich das Thema G8 wie ein roter Faden durch die verschiedenen Abiturreden zog.

Schon kurz nachdem Benedikt Münzel die Bühne in der Aula betreten hatte und mit federnden Schritten in Adidas-Tretern, weiter Hose und lässig darüberhängendem Hemd ans Rednerpult getreten war, ging ein erstes Raunen durch die Aula. Dies lag jedoch weniger am modisch eigenwilligen Outfit des Stufensprechers, sondern vielmehr am eigentümlichen Akzent, in dem dieser seine ersten Worte sprach. Gekonnt parodierte Münzel Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki und schockte sein Publikum mit dem perfekt gelispelten Satz: „Ich nehme mein Abitur nicht an!“ Dass das nicht so ganz ernst gemeint war, zeigte sich in Münzels anschließender Rede, als er in herrlich herausgearbeiteten Anekdoten pointiert auf die vergangenen acht Jahre am IKG zurückblickte und die Anwesenden so ein ums andere Mal zum Lachen brachte. Als Münzel auf das Thema G8 zu sprechen kam, wurde der Stufensprecher allerdings schlagartig ernst. Als „Versuchskaninchen“ hätten sich er und seine Mitstreiter in den vergangenen Jahren ab und zu gefühlt, „verwirrend“ und „nervig“ sei das „nicht optimal durchdachte System“ oft gewesen. „Aber richtig schlimm war es selten“, stellte Münzel fest. Die Frage, ob er lieber noch ein Jahr länger an der Schule verbracht hätte, könne er daher für sich mit einem klaren Nein beantworten. Dass der Frust über die eilige Einführung des achtstufigen Gymnasiums und den damit verbundenen Problemen auch in der Lehrerschaft tief sitzt, merkte man der Rede von Konrad Schiebel an. So konnte sich der Oberstufenkoordinator einen Seitenhieb in Richtung Kultusministerium nicht verkneifen, welches das „G8 ja schon zum Erfolg erklärt hat, während die Prüfungen noch liefen.“ Als die Ergebnisse dann nicht passten, habe man eben schnell „feinjustiert“ und so die Zahl der Durchfaller reduziert. Gleichzeitig warnte der Lehrer für Deutsch, Geschichte und Sozialkunde aber vor dem Schluss, die Noten seien willkürlich vergeben worden, wie dies teilweise in den Medien verbreitet worden sei. „Bitte glauben Sie das nicht. Solch Aussagen sind geeignet, viele engagierte Lehrer herabzuwürdigen und das Abitur zu entwerten.“ An die Absolventen gewandt, fügte Schiebel hinzu: „Lasst euch euer Abitur nicht madig machen wegen Rahmenbedingungen, für die ihr nichts könnt.“ Weniger deutlich wurde Schulleiterin Ursula Triller, die das Thema G8 nur am Rande erwähnte und in ihrem Rückblick das Schulleben metaphorisch mit einem Fußballspiel verglich. „Ihr dürft euch jetzt als Sieger sehen“, sagte sie zu den Abiturienten, „denn ihr habt die Vorrunde bestanden. Geht mit der Einstellung, Weltmeister werden zu können und zu wollen. Begeistert euch und andere.“ Natürlich hatte Triller auch einen Rat parat: „Ich empfehle euch, in schwierigen Situation, den Ball flach zu halten.“ So weit voraus dürften allerdings die wenigsten Absolventen in diesem Moment gedacht haben. Wenige Minuten später schüttelten sie zum wohl letzten Mal ihrer Schulleiterin die Hand, als sie einzeln – begleitet vom selbst gewählten Musikstück – ihr Zeugnis auf der Bühne abholten. Der letzte Moment als Schüler. Für die meisten sichtlich ein gutes Gefühl.

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